
FBL schreibt TV-Rechte ab 2027/28 neu aus: Montagsspiele adé, Play-offs möglich
Die Bundesliga der Frauen vergibt ihre TV-Rechte ab 2027/28 neu und baut dabei den Spieltag komplett um. Berücksichtigt wurden Forderungen der Fans an mehreren Stellen.
Ab der Saison 2027/28 wird in der Bundesliga der Frauen montags nicht mehr gespielt und statt sieben Anstoßzeiten gibt es nur noch drei feste Termine. Zudem liegt als eine Möglichkeit auf dem Tisch, die Meisterinnen erstmals seit 1996/97 in K.O.-Spielen zu ermitteln. Da war die Bundesliga letztmals zweigleisig. Die neue Play-off-Variante wird seit einigen Wochen nach Medienberichten und Äußerungen verschiedener Vereinsvertreter*innen diskutiert.
Entscheidung über mögliche Play-offs Ende November
Ob die Play-offs tatsächlich kommen, entscheiden die Vereine Ende November, ihre Entscheidung wird auch davon abhängen, was Sender und Streamingdienste bieten. Die FBL geht mit zwei Varianten in die Verhandlungen. In der ersten, von der Liga „evolutionär“ genannt, bleibt alles, wie es ist: Wer nach 26 Spieltagen oben steht, ist Meisterin.
Die von der FBL als „revolutionär“ betitelte Variante würde die Saison um sieben Entscheidungsspiele ohne Rückspiele erweitern. Die vier besten Teams spielen in Halbfinals und Finale die Meisterin aus, dazu kommt ein Spiel um Platz drei, das einen Startplatz in der Champions League bringen kann. Außerdem würde in drei Play-In-Spielen ein zusätzlicher Auf- und Abstiegsplatz zwischen erster und zweiter Liga ausgespielt. Alle sieben Spiele sollen im Free-TV laufen.
„Bei der Frage nach dem künftigen Spielmodus betrachten wir das Gesamtbild“, wird Katharina Kiel dazu in der Pressemitteilung der FBL zitiert. „Dazu gehören sportliche Attraktivität, mediale Wirkung, die Höhe der Gebote und der Einfluss auf die Entwicklung der Liga. Die Gespräche mit den Medienunternehmen liefern uns dafür wichtige Erkenntnisse. Auf dieser Grundlage entscheiden die Clubs gemeinsam in der Mitgliederversammlung, welches Szenario wir umsetzen.“
Schluss mit Montag
Für die Fans ist es ein Erfolg: Ab 2027/28 wird montags nicht mehr gespielt. Über Jahre hatten sie unermüdlich gegen die Montagsspiele protestiert und sich zu diesem Zweck über Vereinsfarben hinweg organisiert. Wir haben darüber im Laufe der Zeit mehrfach im Podcast und hier auf der Bolztribüne berichtet, zuletzt beispielsweise im Rahmen der Spieltags-Rückblicke. Die FBL nennt diesen Wunsch aus der Fanszene nun ausdrücklich als Grund. Spiele am Wochenende sollen den Stadionbesuch erleichtern, gerade für Familien und junge Fans. Dafür gibt die Liga nach eigener Aussage bewusst ein „mediales Alleinstellungsmerkmal“ auf.
Gleichzeitig wird der Spieltag auch deutlich kompakter. Aktuell verteilen sich sieben Partien auf sieben Anstoßzeiten an vier Tagen und immer wieder mal sind einzelne Anstoßzeiten anders. In Kombination mit zum Teil erst sehr späten zeitgenauen Ansetzungen sorgt das bei allen Beteiligten regelmäßig für Frust.
Nur noch drei feste Anstoßzeiten
Laut der neuen Ausschreibung gibt es ab 2027/28 nur noch drei Termine: Ein Spiel am Freitagabend, eines am Samstagmittag und die übrigen fünf parallel am Sonntagnachmittag, erstmals mit einem Konferenz-Format mit festem Sendeplatz über die gesamte Saison hinweg. Eine Konferenz zumindest mal auszuprobieren war unter Fans und Beobachter*innen der 1. Bundesliga der Frauen in der Vergangenheit immer wieder mal Thema. Bisher hatte es in den letzten Jahren nur am jeweils letzten Spieltag mal eine einzelne Konferenz gegeben, weil dann sowieso alle Partien parallel laufen müssen.
Die genauen Uhrzeiten stehen noch nicht fest, im Gespräch sind aber laut der FBL freitags um 19 Uhr, samstags um 13 Uhr und die Konferenz sonntags um 14 Uhr.
Mehr Spiele ohne Abo
Ein anderer Aspekt bei der Ausschreibung von TV-Rechten ist die Sichtbarkeit. Die ist höher, je weniger ein Wettbewerb hinter einer Paywall steckt. Für die laufende Saison 2026/27 sieht die noch vom DFB ausgehandelte Vereinbarung 36 Bundesliga-Spiele im Free-TV vor. Darunter fallen die 26 Montagsspiele (oder eine Partie am Sonntag, wenn es ausnahmsweise mal kein Montagsspiel gibt, so wie am kommenden Wochenende) plus zehn Partien, die ARD und ZDF auswählen dürfen. Dazu kommt als 37. Spiel der Supercup.
Laut der Ausschreibung sollen es ab 2027/28 bis zu 57 frei empfangbare Spiele im bestehenden Modell werden, bzw. bis zu 64 mit möglichen Play-offs. Die genaue Anzahl wird über mehrere Rechtepakete gesteuert: Einmal sind 37 frei empfangbare Partien vorgesehen: Supercup, Saisoneröffnung, der komplette Spieltag am 1. Mai sowie vier sogenannte Leuchtturmspieltage. Diese sollen in den Länderspielpausen der Männer angesetzt werden, wenn weder Bundesliga noch 2. Bundesliga oder DFB-Pokal der Männer laufen und die Frauen die Bühne für sich haben.
Dazu sollen als weitere Option frei empfangbare Freitagsspiele an den übrigen 20 Spieltagen kommen. Im Falle von Play-offs würden die sieben Entscheidungsspiele ebenfalls im Free-TV gezeigt werden. Im Pay-TV sind alle Spiele zu sehen. Außerdem gibt es zwei Rechtepakete für Zusammenfassungen, einmal mit bis zu sechs Minuten Länge und einmal mit sechs bis achtzehn Minuten Länge.
Wie geht es weiter?
Jetzt wird verhandelt. Anfang Oktober beginnen die Gespräche mit Sendern und Plattformen, die bis dahin ihr Interesse hinterlegt haben. Im November sollen konkrete Angebote vorliegen und am 30. November entscheiden die Vereine dann, wer die Rechte bekommt und ob es ab 2027 Play-offs gibt.
Ums große Geld geht es dabei nur zum Teil. Aktuell bringen die TV-Rechte der Liga rund 5,2 Millionen Euro pro Saison, das ist etwa ein Zehntel der Einnahmen der Vereine. „Diese Rechtevergabe ist für uns eine strategische Weichenstellung“, wird Katharina Kiel zitiert. „Der wirtschaftliche Wert der Rechte ist dabei ein wichtiger Faktor. Ebenso wichtig sind Reichweite, Sichtbarkeit und Medienpartner, die die Entwicklung der Frauen-Bundesliga langfristig unterstützen. Wir wollen mit der Vergabe die Grundlage dafür legen, die Frauen-Bundesliga langfristig weiterzuentwickeln und ihre Reichweite und Relevanz zu erhöhen.“
Beitragsbild: IMAGO/Contrast
