
WSL-Watch: So läuft es für die deutschen Spielerinnen bisher
Die deutschen Nationalspielerinnen in Englands Women’s Super League hatten an den ersten vier Spieltagen sehr unterschiedliche Starts in die Saison 2026/27.
Dreizehn deutsche Spielerinnen sind aktuell in der englischen Women’s Super League unter Vertrag. Wir haben uns deshalb dazu entschieden, im Laufe der Saison mit dem Format „WSL-Watch“ immer Mal in den Blick in Richtung England zu werfen, um zu schauen, wie es ihnen dort ergeht und was im Umfeld der Vereine so berichtet wird. Wer im Verlauf der Reihe wann wie sehr im Fokus steht wird sich dabei immer auch daraus ergeben, was so passiert. Für den Anfang haben wir uns für die Neuzugänge aus diesem Sommer und die durch die neue Trainerin Eva Olid veränderte Situation bei Manchester United entschieden.
Carlotta Wamser, Manchester City
Carlotta Wamser brauchte schon im DFB-Dress als Nationalspielerin keine Anlaufzeit und nach ihrem Wechsel zu Manchester City war es für die energisch aufspielende Schienenspielerin genauso. Noch am 23. August bestritt sie ihr vorerst letztes Bundesligaspiel für Leverkusen gegen Leipzig, am 31. August wechselte die 22-Jährige zu den englischen Double-Siegerinnen, und am 6. September hatte sie ihren ersten WSL-Einsatz. Während sie in Leverkusen und auch unter Wück als Rechtsverteidigerin eingesetzt wurde, spielt sie bei City links hinter Lauren Hemp.
Bei Aston Villa (4:1) und gegen Liverpool (4:2, eine Vorlage) stand sie jeweils 90 Minuten auf dem Platz, im Champions-League-Spiel traf sie in der 86. Minute zum 2:2 gegen Bayern München. Gegen Charlton Athletic (1:0) kam sie am Samstag nur zwölf Minuten zum Einsatz, vermutlich einfach eine erste Maßnahme zur Kräfte-Einteilung am Start einer langen Saison. In der Women’s Super League führen die Skyblues die Tabelle an und haben jetzt schon zwei Punkte Vorsprung auf Tottenham und Chelsea auf den Plätzen dahinter.

Trainer Andrée Jeglertz lobte auf der Website von Man City Carlotta Wamsers erste Wochen: „Sie hatte einen großartigen Start bei uns. Sie ist noch nicht lange hier und wurde fast direkt in die Startelf geworfen.“ Sie sei noch in der Lernphase, gerade das Zusammenspiel mit Hemp müsse sich noch finden. Aber: „Sie hat in der Liga schwierige Spiele gemacht und war dabei gleich eine unserer besten Spielerinnen.“
Ihre beiden Nationalelf-Kolleginnen Rebecca Knaak (Knöchel) und Sydney Lohmann (nach Hüft-OP) verpassten den Saisonstart und fehlen weiterhin. Bei Knaak könnte es das Comeback im Oktober geben, aber Manchester City hat davon abgesehen bisher keine genaueren Angaben gemacht.
Lisa Baum, Selina Cerci, Anneke Borbe, Arsenal FC
Arsenal hat nach vier Ligaspielen einen Sieg, zwei Remis und eine Niederlage auf dem Konto, erst zwei Tore erzielt und liegt sieben Punkte hinter Manchester City auf dem siebten Platz. Die Kritik aus dem Umfeld an Trainerin Renée Slegers aus der vergangenen Saison ist auch nach der Sommervorbereitung dadurch nicht leiser geworden. Für die drei Deutschen im Kader läuft die Spielzeit unter diesen Bedingungen bislang sehr unterschiedlich.
Die 19-jährige Lisa Baum schloss sich den Gunners Mitte Juli an. Sie hat jetzt schon mehr Spielzeit als ihr viele Social-Media-Kommentator*innen bei Bekanntgabe des Wechsels zugetraut hatten, denn Baum stand in allen vier WSL-Spielen in der Startelf und erzielte beim 1:0 in Brighton das einzige Tor. Slegers sagte danach: „Dass sie im Auftaktspiel startet und so spielt, hatte ich mir nicht einmal ausgemalt, aber es ist wirklich passiert.“ Beim 0:1 in Chelsea leitete Baum beide Pfostenschüsse (Little, Mariona) ein und wurde trotzdem in der 61. Minute ausgewechselt, was u.a. Bradley Morris von Women’s Football Talk und auch Tim Stillman vom Arseblog aufgrund ihrer Leistung auch abgesehen davon überraschte.
Selina Cerci schloss sich Arsenal bereits Anfang Juli an, kam bislang aber nur auf 28 Spielminuten in der WSL: 19 gegen Manchester United, neun gegen Chelsea. Dazu kamen 18 Minuten in der Champions League bei HB Køge, wo sie den Elfmeter zum späteren Siegtreffer herausholte. Zum fehlenden Kaderplatz von Cerci (und Géraldine Reuteler) an den ersten beiden Spieltagen sagte Slegers: „Beide hatten eine Vorbereitung mit Unterbrechungen und waren einige Wochen nicht beim Team. Wir hatten das Gefühl, dass sie noch etwas mehr Zeit brauchen, um anzukommen.“
Zuletzt hatte Slegers außerdem eine Vergrößerung des WSL-Spieltagskaders gefordert und die Kaderauswahl als „derzeit schwierigsten Teil“ ihres Jobs bezeichnet. Arseblog-Autor Tim Stillman vermutet allerdings, dass Slegers in Cerci und Reuteler bisher „kaum mehr als späte Hail Mary“-Optionen sieht. Er sieht darin eine größere Problematik bezogen auf die Offensiv-Transfers Arsenals, geht aber davon aus, dass sich die Kader-Rollen von Cerci und Reuteler im Laufe der Saison noch ändern werden.
Auch Torhüterin Anneke Borbe blieb in den ersten drei Ligaspielen ohne Einsatz, Neuzugang Misa Rodríguez (gekommen von Real Madrid) stand jeweils im Kasten. Gegen Køge und in Chelsea spielte Borbe dagegen jeweils 90 Minuten; Daphne van Domselaar fehlt nach einer Knie-OP mindestens bis Oktober.
Lea Schüller, Manchester United
Bei Manchester United hat sich für Lea Schüller im Sommer einiges verändert, denn Eva Olid hat den langjährigen Trainer Marc Skinner abgelöst. Die Spanierin Olid kam von Heart of Midlothian, sie hatte den schottischen Verein vom Abstiegskandidaten nach und nach zum Titel-Aspiranten und schließlich zur Meisterschaft 2025/26 geführt.
WSL-Erfahrung hatte sie bei ihrer Vorstellung aber keine und so wurde es im Umfeld sofort unruhig, nach den Niederlagen gegen London City und Chelsea wurde es nicht besser. Schüllers Schuss bei der 0:5-Niederlage gegen Chelsea war einer von nur zwei Abschlüssen Uniteds. Das 1:1 gegen Arsenal am 3. Spieltag war deshalb so etwas wie ein kleiner Befreiungsschlag für Trainerin und Team. Olid lässt in einem 4-2-3-1 spielen und will den Ball über kurze Pässe der beiden Sechserinnen nach vorne auf die Flügel und von dort in die Halbräume bringen. Die Kolleg*innen von The Cutback haben eine ausführliche Analyse (€) ihrer Spielidee veröffentlicht. Am vergangenen Sonntag gab es in der Liga mit dem 2:1 gegen West Ham United denn ersten Sieg.
Nach dem Chelsea-Spiel sagte Olid, es gehe darum, dem Prozess treu zu bleiben, und „nicht, wie man startet, sondern wie man endet“. Schüller, im Winter aus München gekommen, wurde in allen vier Ligaspielen eingewechselt und spielte insgesamt 70 Minuten, ihre Einsatzzeiten haben sich im Schnitt im Vergleich zur Rückrunde unter Skinner also vorerst weiter verringert. Über volle 90 Minuten durfte sie bisher nur im League Cup beim 10:1 gegen Sheffield United ran. Sie traf zweimal und legte einen weiteren Treffer auf. In diesem Spiel stand auch Janina Leitzig im Tor, in der Liga ist Phallon Tullis-Joyce gesetzt.
Sjoeke Nüsen, Chelsea
Sjoeke Nüsken stand in den ersten drei Ligaspielen von Beginn an auf dem Platz. Beim 5:0 gegen Manchester United spielte sie in einer offensiveren Rolle als sonst, erzielte das 1:0 und legte zudem das 5:0 auf. Nach weiteren 90 Minuten in der Champions League gegen Austria Wien saß sie im wichtigen Spiel gegen Arsenal erstmals auf der Bank und kam beim 1:0-Sieg in der 67. Minute für Lauren James. Nachdem Nüsken sich im Verlauf der vergangenen Saison unter Sonia Bompastor einen festen Platz durchaus erst erkämpfen musste, haben sich ihre Einsatzzeiten also auch nach der Sommerpause gefestigt. Der Blick bei der weiteren Entwicklung dürfte darauf gehen, ob sie auch in den großen, wichtigen Partien regelmäßig als Starterin gesehen wird.
Nicole Anyomi, London City Lionesses
Nicole Anyomi kam im Sommer von Eintracht Frankfurt zu den London City Lionesses, die mit Alexia Putellas, Mapi León und Kadidiatou Diani groß eingekauft haben. Diani dürfte ihre größte Konkurrentin um Spielzeit sein. Anyomi wurde in der WSL bislang zweimal eingewechselt: sechs Minuten beim 2:1 gegen Manchester United am ersten Spieltag und 28 Minuten beim 4:1 in Charlton, wo sie für Isobel Goodwin kam und ihr erstes Pflichtspieltor für ihr neues Team erzielte. Zudem stand sie im League Cup gegen Leicester City 45 Minuten auf dem Platz. Wir haben mit Anyomi über ihren Wechsel und ihren Blick auf die Bundesliga gesprochen.

Viven Endemann, Liverpool FC
Vivien Endemann ist bei Liverpool sofort gesetzt: In allen vier Ligaspielen stand sie in der Startelf, erzielte zwei Tore und bereitete zwei weitere vor. Vor dem Derby gegen Everton hatte laut Opta nur Khadija Shaw mehr Torbeteiligungen (fünf) als sie (vier). Nach dem 4:0 in Charlton, bei dem sie traf und auflegte, sagte sie selbstkritisch: „Es war nicht das beste Spiel, vor allem in der ersten Halbzeit. Aber wir haben einfach weitergemacht.“ Trainer Gareth Taylor lobte ihre Lust auf Zweikämpfe, merkte aber an, dass das Team ihr noch etwas ihre bevorzugten Räume zustelle. Beim 2:4 gegen Manchester City traf sie erneut und legte außerdem ein Tor auf, beim 2:0 gegen Everton scheiterte sie an der Latte.
Shekiera Martinez, Tottenham Hotspur
Shekiera Martinez war in der Vorsaison drittbeste Torschützin der Liga für West Ham, bei den bislang ungeschlagenen Spurs ist sie zunächst Rotationsspielerin. Sie bekam 31 Minuten beim 3:1 gegen West Ham, 65 beim 1:1 in Liverpool und 23 beim 7:0 in Palace, wo sie in der 79. Minute zum 5:0 im Nachschuss traf und ihr erstes Tor für Tottenham erzielte. Trainer Martin Ho hatte vor der Saison gesagt: „Ich will sicherstellen, dass Shekiera versteht, wo sie hinkommen kann und wo sie gerade steht.“ Er hat also ihre Entwicklung im Blick. Im League Cup gegen West Ham (0:0) stand sie erstmals in der Startelf und traf in der 87. Minute den Pfosten.
Lese-Empfehlung zum Schluss
So wie in Deutschland über die vielen Abgänge gestandener Spielerinnen diskutiert wird, gibt es eine damit verwandte Debatte in England. Denn die BBC stellte anhand von Opta-Daten die Frage, ob die Women’s Super League durch die Attraktivität für Starspielerinnen anderer Länder nicht inzwischen ein „Homegrown Problem“ habe, also einen Mangel an Spielerinnen aus UK. Dabei geht es um die Spielzeiten und Ausbildung junger Spielerinnen mit Blick auf die Nationalteams.
Beitragsbild: IMAGO/Sportimage
