Die Spielerinnen von Bayern München stehen nach dem Spiel gegen Barcelona enttäuscht in einer Reihe im Camp Nou.

FC Bayern: Zwischen nationaler Dominanz und dem nächsten Schritt

Bayern München startet als einziger deutscher Verein in der UEFA Women’s Champions League 2026/27. Ein Blick auf Lage und Zielsetzung vor dem Auftakt gegen Manchester City.

47 Spiele ungeschlagen in der Bundesliga – die FC‑Bayern-Frauen schreiben wieder einmal Geschichte und brechen ihre eigenen Rekorde. Ein Sinnbild für die heimische Dominanz der Münchnerinnen. Spult man die Zeit bis zum 12. Oktober 2024 zurück, findet man die letzte Niederlage der aktuell so überlegenen FCB-Frauen: Gegen den VfL Wolfsburg fuhr man mit einem 0:2 nach Hause. Das nächste Spiel war keineswegs ein Selbstläufer, nach 51 Minuten lagen sie gegen Bayer 04 Leverkusen 1:2 hinten. Die Bayern benötigten einen Strafstoß, eine Gelb-Rote Karte von Julia Mickenhagen und ein Last-Minute-Jokertor von der 17-jährigen Alara, um das Spiel zu gewinnen und diese beeindruckende Serie zu starten.

Dass fast genau zwei Jahre später der Spielfilm so ähnlich verläuft, ist genauso unwahrscheinlich wie poetisch: Zum vierten Spieltag der laufenden Saison musste Bayern wieder auswärts in Leverkusen ran und erneut zweimal den Rückstand hinnehmen. Wieder erlöste Alara die Münchnerinnen in den letzten Spielminuten und setzte die Serie fort, die sie damals gestartet hat. 43 Bundesliga-Siege und 4 Unentschieden also hat Bayern mittlerweile seit dieser Oktoberniederlage gegen den VfL in der heimischen Liga eingefahren und die eigene Vormachtstellung eindeutig klargestellt: Wir sind hier die Nummer 1.

Der Kader

Mit zwei nationalen Triples aus Liga, DFB-Pokal und DFB-Supercup in den letzten Jahren würden nur die wagemutigsten auf einen anderen Deutschen Meister dieses Jahr setzen. Auch ohne Transferkracher bleibt der Bayern-Kader internationale Klasse, trotz Abgängen von Stanway oder Caruso, und die Münchnerinnen profitieren besonders von den größeren Umbrüchen ihrer Verfolgerinnen aus Wolfsburg und Frankfurt. Lediglich sechs Spielerinnen verließen den Verein. Neben den bereits genannten hatten nur Carolin Simon und Mala Grohs größere Rollen beim FCB. 

Mit Sophie Proost und Sarah Mattner wurden junge Talente geholt, die sich bereits in ihren Vereinen und auf großen Bühnen beweisen konnten. Beide haben schon Erfahrung in der UEFA Women’s Champions League. Mit Kassandra Potsi wurde eine weitere junge Spielerin aus der heimischen Bundesliga von der abgestiegenen SGS Essen verpflichtet, eine Spielerin, die als großes Talent gilt. Alle drei standen für ihr Land schon mehrfach in U-Nationalteams auf dem Platz. Für die nach Grohs’ Abgang freigewordene Position im Tor wurde als Mahmutovic-Herausforderin die 24-jährige Regina van Eijk von Ajax neu verpflichtet. Auch sie reist mit europäischer Spielerfahrung nach München. 

Die Verjüngung tut dem FC Bayern gut, dennoch bleibt es im Schnitt der älteste Kader dieser Bundesliga-Saison. Was ungeklärt bleibt, ist, inwiefern die Abgänge von Georgia Stanway und Ariana Caruso, zwei defensiven Mittelfeldspielerinnen mit insgesamt über 5000 gesammelten Minuten für Bayern in der Saison 25/26, ohne Ersatz zum Problem werden könnten. Klar, mit Sarah Zadrazil sollte eine Sechserin spätestens im Herbst wieder voll einsatzfähig sein. Zudem hat Bayern mit Momoko Tanikawa, Bernadette Amani und potenziell Alara weitere Optionen für das defensive Mittelfeld. Ein Risiko bleibt es dennoch, vor allem wenn Verletzungen der Bayern-Chefetage einen Strich durch die Rechnung machen – so wie es in den letzten Jahren z.B. bereits der Fall war. Oder wenn wie jetzt geschehen, Lena Oberdorf nach ihrem Comeback am 2. Spieltag aufgrund einer Reaktion im Knie erneut vorübergehend pausieren muss. Sie wurde für den UWCL-Kader der Hinrunde nicht von Bayern nominiert.

Lena Oberdorf steht an der Seitenlinie vor ihrer Einwechslung, Bernadette Amani, die für sie rausgeht, geht auf sie zu und die beiden klatschen ab. Daneben hält die Linienrichterin die Anzeigetafel hoch. Oberdorf lächelt.
Lena Oberdorf und Bernadette Amani bei Oberdorfs Comeback-Einwechslung vor wenigen Wochen. Oberdorf fällt nach einer Reaktion im Knie auf die Belastung erneut aus, Amani hatte zuletzt eine Prellung am Knie und konnte am Wochenende gegen Köln nicht spielen. Foto: IMAGO/ActionPictures.

Der Startschuss

Bernadette Amani war mit Côte d’Ivoire beim Women’s Africa Cup of Nations. Ansonsten hatten die Nationalspielerinnen erstmals seit 2021 kein Turnier zu bestreiten und konnten eine längere Sommerpause genießen. Nach einem ruhigen Sommer in München ging es am 12. Juli in die Vorbereitung. Eine Woche später reiste das Team für die „Allianz Women’s Tour“ nach Japan. Der erste Test gegen das Lokalteam RB Omiya Ardija wurde mit einem ungefährdeten 4:1 abgeschlossen. Es folgten die beiden Testspiele im August gegen Nürnberg (2:2) und Paris FC (2:0), letzteres in der zukünftigen Heimstätte in Unterhaching. 

Die Bayern Frauen erledigten ihre Aufgaben in der Vorbereitung genauso wie den Pflichtspielauftakt gegen Dauerrivalen Wolfsburg im DFB‑Supercup. Mit einem 3:0 fertigten sie ihre größten Konkurrentinnen ab, bevor die Saison richtig begann. Dabei war der Auftritt der Münchnerinnen alles andere als glanzvoll: Die Wölfinnen waren in den ersten 45 Minuten die bessere Mannschaft und dennoch führte der FCB in der Halbzeit mit zwei Toren – dank zwei Bühl-Freistößen und begünstigt durch zwei Patzer von Stina Johannes.

Ein Bild, das sich beim Bundesliga-Auftakt in der Hauptstadt wiederholte. Die Gastgeberinnen von Union stellten die Münchnerinnen über lange Zeit auf die Probe, bis Klara Bühl per Standard glänzen konnte. Im weiteren Verlauf nutzen die Berlinerinnen ihre Chancen nicht, Bayern blieb kaltschnäuzig bis zum Schluss, eingewechselte Spielerinnen waren torhungrig und Bayern überrollte schlussendlich den Widerstand. Das Schema kommt vermutlich vielen Bundesligistinnen bekannt vor.

Im weiteren Verlauf wurde Aufsteiger Mainz mit 2:0 bezwungen und Freiburg im Rekordspiel zum 45. ungeschlagenen Spiel in Folge mit 4:1 nach Hause geschickt. Die Bewährungsprobe gegen Bayer Leverkusen wurde ebenso bestanden, wie das jüngste Heimspiel gegen den 1. FC Köln (5:2) Auf dem Papier sieht das alles weiterhin sehr dominant und ungefährdet aus. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass Bayern in keinem Spiel wirklich geglänzt hat. 

Letzte Saison standen zu diesem Zeitpunkt, kurz vor dem Auftakt in der Champions League, null Ligagegentreffer für die Münchnerinnen auf dem Zettel. Dieses Jahr? Bereits sechs Stück. Gut, eine Saison mit insgesamt neun gefangenen Toren abzuschließen, ist auch eine bemerkenswerte Defensivleistung und nicht Maßstab aller Dinge. Aber die bayerische Defensive wackelt aktuell merklich mehr. Es gibt durchaus Phasen, wo die sonst so dominanten Bayern unorganisiert und chaotisch wirken, so wie jüngst gegen Leverkusen und Köln. 

Und das könnte sich besonders auf einer anderen Bühne rächen. Denn zur noch wichtigeren Wahrheit gehört, dass für den FCB die Bundesliga dieses Jahr eine Pflichtaufgabe ist – eine Meisterinnenschaft muss mindestens her. Doch es zählt längst ein anderer Wettbewerb. Bayern möchte in Europa den „nächsten Schritt gehen“, wie Chefcoach Barcala es formulierte.

Die Vision

In der vergangenen Saison kamen die Münchnerinnen bis ins Champions-League-Halbfinale und was für eins: Gegen die abermals 2026 gekrönten Königinnen von Europa lieferte sich Bayern ein erbittertes Duell in zwei Akten. Zuhause wurde kämpferischen Katalaninnen trotz Unterzahl ein 1:1 abgerungen, in Barcelona musste sich Bayern schlussendlich mit einem 4:2 zufrieden geben. In der Hochburg von Barça ist für Bayern am Ende viel drin, doch das Quäntchen Glück fehlte, um Barcelona in die Verlängerung zum letzten Tanz einzuladen. Es war ein ganz anderes Spiel als die absolute Deklassierung gegen selbiges Barcelona noch davor im Oktober 2025 während der Ligaphase: ein 7:1 in Spanien, welches Bayern seine eindeutigen (defensiven) Grenzen aufgezeigt hatte.

Die Bayernspielerinnen bilden einen Kreis, von hinten sieht man Viggosdottir, Stanway, Dallmann, Harder, dann seitlich Amani und Tanikawa und hinten Ballisager, Bühl und Gwinn.
Nach dem zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich durch Linda Dallmann in der 17. Minute des Halbfinal-Rückspieles am 03.05.2026 gab es nach dem Jubel gleich eine kurze Teambesprechung. Foto: IMAGO/Pressinphoto.

Nein, das 4:2 im Camp Nou war ein couragierter Auftritt, der Bayern Ansehen als europäische Top-Adresse eingebracht hat. Eigentlich wollte der FCB schon viel länger zur europäischen Elite dazugehören, aber die Darbietungen in der Champions League in den letzten Jahren waren schlicht nicht konstant gut genug. Seit der Saison 2009/10 spielen die Münchenerinnen europäisch. 2019 und 2021 ging es ebenfalls bis ins Halbfinale. Seitdem war die Bilanz für den achtfachen Deutschen Meister gemessen an den eigenen Ansprüchen jedoch eher enttäuschend: Spätestens im Viertelfinale war Schluss. 2023/24 gab es sogar das Aus in der Gruppenphase. 

Genau deswegen ist das Erreichen dieses Halbfinals letzten Sommer so wichtig, vor allem die Art und Weise, wie Bayern letztes Jahr Champions League gespielt hat: als Team, das man nie abschreiben darf. Als Team, das bis zum Schluss kämpft. Als Team, das von seiner bemerkenswerten Teamchemie lebt. Ein Team, das diese Trophäe unbedingt gewinnen will. In drei Spielen kamen die Münchnerinnen nach einem Rückstand zurück und gewannen; in zwei holten sie sich den Sieg in den letzten 10 Minuten – das sagt schon einiges über die Mentalität der Barcala-Elf aus.

Diese Mentalität werden sie heuer auch brauchen. Denn für die Bayern ist eine Meisterschaft, oder sogar ein nationales Double oder Triple schnell zum neuen Standard geworden. Die Vision für die Nummer 1 Deutschlands ist seit Rechs Amtsantritt als Sportdirektorin 2019 klar: Bayern möchte als Teil einer langfristigen Strategie die Champions League gewinnen. Zu ihrem eigenen zehnjährigen Jubiläum als Funktionärin beim FCB sagte sie Anfang September zur Zielsetzung auf der Vereinsseite u.a.:

„Wir wollen national weiterhin um alle Titel spielen und international dauerhaft zu den besten Mannschaften Europas gehören. Das Halbfinale der letzten Saison war ein wichtiger Schritt, aber kein Endpunkt. Die größte Herausforderung sehe ich ganz klar im internationalen Wettbewerb, allen voran mit der englischen Liga. Die Investitionen, die dort in den letzten Jahren in den Frauenfußball geflossen sind, sind enorm – sowohl in die Infrastruktur als auch in die Kaderplanung und die Vermarktung. Das verändert die Wettbewerbslandschaft in Europa nachhaltig, und wir müssen aufpassen, dass wir hier nicht den Anschluss verlieren.“

Bayerns Präsident Herbert Hainer sah das Frauen-Team im April 2025 auf dem Weg zu „Europas Spitze“. Wenn die erfolgreiche letzte Saison übertroffen werden soll, dann wäre ein Finaleinzug der logische nächste Schritt und das diesjährig angestrebte Ziel.

Spielplan mit Vereinslogos Teil 1 FC Bayern gegen Manchester City Di., 22.09. 18:45 Uhr SL Benfica gegen FC Bayern Mi., 30.09. 21 Uhr FC Bayern gegen Real Madrid Mi., 28.10. 18:45 Uhr
Spielplan mit Vereinslogos Teil 2 PSG gegen FC Bayern Di., 10.11. 21 Uhr Austria Wien gegen FC Bayern Do., 19.11. 18:45 Uhr FC Bayern gegen FC Barcelona Mi., 16.12. 21 Uhr

Und die Losfee hat ihnen wahrlich keinen einfachen Weg beschert. Es geht in der Ligaphase gegen die englischen Meisterinnen Manchester City, erneut gegen die amtierenden Champions-League-Siegerinnen des FC Barcelona, sowie die Vizemeisterinnen Spaniens Real Madrid. Die vermeintlich leichteren Gegnerinnen sind die portugiesischen Meisterinnen Benfica Lissabon, der zweifache Champions-League-Finalist Paris St. Germain (2015 und 2017) und die österreichischen Meisterinnen FK Austria Wien. 

Mit einem Top-4-Finish in der Ligaphase wäre Bayern direkt im Viertelfinale gesetzt und umginge außerdem die Playoffs. Zum Nicht-Ausscheiden genügt eine Top-12-Platzierung innerhalb der 18 Liga-Teams. Letzteres ist machbar, aber undankbar. Ersteres wäre schon mal ein Ausrufezeichen Richtung Konkurrenz. Das letzte Mal, dass ein deutsches Team im Finale der Königinnen-Klasse stand, war 2023, mit dem VfL Wolfsburg. Der letzte deutsche Champions-League-Sieg ist bereits über 10 Jahre her. Der 1.FFC Frankfurt erspielte sich die Trophäe im Jahr 2015. 

Am 22. September gibt es gleich zum Auftakt der Champions League eine richtige Prüfung, denn in der ersten Partie geht es gegen Manchester City, amtierende englische Meisterinnen; gespielt wird in Unterhaching.

Beitragsbild: IMAGO/Joan Gosa

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert