Paulina Bartz läuft freudig schreiend und mit geballten Fäusten vom gegnerischen Tor weg zu den Fans, hinter ihr sieht man Nürnbergs defensive frustriert und die Torhüterin Romero am Boden.

Bundesliga: Das war der 5. Spieltag

Am 5. Spieltag der Bundesliga der Frauen gab es ein Novum, das bei drei Vereinen für Erleichterung gesorgt haben dürfte.

Die Ergebnisse

1. FSV Mainz 05 – Eintracht Frankfurt 2:3 (2:0)

TSG Hoffenheim – VfL Wolfsburg 2:1 (1:0)

FC Bayern München – 1. FC Köln 5:2 (3:1)

Hamburger SV – 1. FC Nürnberg 5:1 (3:0)

SC Freiburg – Bayer 04 Leverkusen 1:2 (1:0)

1. FC Union Berlin – RaBa Leipzig 3:2 (1:0)

SV Werder Bremen – VfB Stuttgart 1:1 (1:0)

Die Tabelle nach dem 5. Spieltag

Tabelle nach dem 5. Spieltag 1 Bayern 2 Frankfurt 3 Wolfsburg 4 Bremen 5 Köln 6 Leverkusen 7 Stuttgart 8 Freiburg 9 Hamburg 10 Leipzig 11 Hoffenheim 12 Union Berlin 13 Nürnberg 14 Mainz

Zahl des Spieltags

Die Zahl Drei in hellgrün mit rosa Schlagschatten

Drei Vereine holten erst an diesem 5. Spieltag ihren ersten Saisonsieg: der Hamburger SV, die TSG Hoffenheim und Union Berlin. Das gab es in der Form noch nie. Begünstigt werden diese Art von statistischen Neuheiten durch die Liga-Erweiterung auf vierzehn Vereine.

Bolznotizen

Aufeinandertreffen der Gegensätze: Vor ein paar Wochen habe ich den HSV als minimalistisch und Nürnberg als maximalistisch bezeichnet, im direkten Duell entdeckten die Hanseatinnen ihre Freude am Toreschießen. Dass der erste Saisonsieg ausgerechnet mit einem 5:1 kommt, passt nämlich eigentlich nicht den Eindrücken, die der HSV bisher in dieser Saison hinterlassen hat. Mit einer der stabileren Abwehrreihen der Liga, aber zu harmlos in der Offensive. Gegen Nürnberg erzielte dann Nikola Karczewska einen Doppelpack (7., 27.), zudem gab es Treffer von Bartz (Titelbild), Linberg und in der Schlussphase Leni Eggert zu ihrem ersten Bundesliga-Tor. Angesichts der bisherigen Saison des FCN stellt sich allerdings schon die Frage, wie stark dieser Torreigen durch die Gegnerinnen begünstigt wurde.

Reverse Uno: Gedrehte Spiele sind besonders, für eine Seite besonders traurig, während auf der anderen noch euphorischer gejubelt wird. Das ließ sich gleich zweimal beobachten, als Frankfurt gegen die so beherzt gestarteten Mainzerinnen in der zweiten Halbzeit doch noch den Turbogang einlegte. Und zweitens beim Wechselbad der Gefühle von Union gegen Leipzig. Union führte früh durch Kamber (2.), verspielte die Führung nach der Pause (1:1 durch Tuin, 1:2 durch Boboy nach einem krassen Solo-Lauf verfolgt von mehreren Gegenspielerinnen), ehe Samantha Steuerwald aus 25 Metern volley zum 2:2 traf und Eileen Campbell in der 89. per Kopf den ersten Saisonsieg festmachte.

Wie krass ist bitte Erëleta Memeti? Sie führt die Liga bei Vorlagen (6) und Torbeteiligungen (7) klar an, hat dazu die meisten Großchancen kreiert (4) und liegt bei den herausgespielten Chancen insgesamt nur knapp hinter Klara Bühl. Das alles in bislang 403 gespielten Minuten von möglichen 450 und bei den Dribblings überzeugt sie sowieso. Eine der Herausforderungen für Niko Arnautis wird es sein, ihr zu den richtigen Zeitpunkten auch mal Pausen zu gönnen, auch wenn es ohne sie nicht so gut läuft.

Comeback-Tor: Sarah Zadrazil traf im dritten Spiel seit ihrer Rückkehr nach Einwechslung gegen den 1. FC Köln in der 68. Minute zum 5:2 Endstand. Nach Steckpass von Sarah Mattner lief sie allein aufs Tor zu und verwandelte flach ins linke Eck, nur drei Minuten nach Alaras verwandeltem Foulelfmeter zum 4:2. Barcala musste im zentralen Mittelfeld nach den Verletzungen von Oberdorf und Amani betont offensiv beginnen, mit Tanikawa und Alara statt gelernten Sechserinnen, Zadrazils Spielminuten pro Partie werden nach ihrer langen Ausfallzeit vorsichtig gesteigert. Bayern steht mit fünf Siegen aus fünf Spielen jetzt erstmals in dieser Saison an der Tabellenspitze.

Chancenwucher: Sechs Großchancen hat der VfL Wolfsburg in dieser gesamten Saison laut der Zählung von FotMob schon vergeben, so viele wie kein anderes Team. Trainer Stephan Lerch nahm vor allem seine jungen Spielerinnen in Schutz: „Für mich sind das hundertprozentige Chancen, die wir da liegengelassen haben. Aber was sage ich einer 19-Jährigen, die eine enorme Entwicklung genommen hat, die super viel arbeitet, die fleißig ist? Ich sage ihr: Mach einfach so weiter.“

Von den Tribünen

Union Fans mit Tapeten.
Fans von Union beim Spiel gegen Leipzig, gleichzeitig der Wahlsonntag in Berlin: „Die beste Wahl: Keen blinder Hass, aber eiserne Liebe. Union bleibt bunt.“ 20.09.2026, Foto: IMAGO/Matthias Koch

Meilenstein

Wie angekündigt fand am 18. September der außerordentliche DFB-Bundestag statt zur Loslösung der Bundesliga aus dem DFB und die Übertragung auf den FBL e.V. statt. Der schon Ende Mai ausgehandelte Grundlagenvertrag sowie der Pachtvertrag gelten vom 1. Juli 2027 bis 2034, wodurch die rechtlichen, organisatorischen und finanziellen Beziehungen zwischen DFB und FBL festgelegt sind.

Die FBL kann durch diese Einigung nun offiziell in Verhandlungen über die TV-Rechte ab der Saison 2027/28 gehen. Zudem ist eine FBL GmbH in Planung. Katharina Kiel, Präsidentin des FBL e.V., wird außerdem Vizepräsidentin im DFB-Präsidium.

Und in Mainz wurden vor dem Anpfiff die Spielerinnen der Siebziger-Jahre geehrt. Viel Zeit wurde dem aber nicht eingeräumt, schreibt Mara bei Instagram.

Mehr zur Geschichte aller aktuellen Bundesliga-Teams gibt’s hier.

Kaderblick

Kölns Verletztenmisere spitzt sich weiter zu. Sandra Maria Jessen hat sich beim Spiel in München eine Meniskusverletzung zugezogen, wird in Köln operiert und fällt damit längerfristig aus. Bitter: Marina Hegering musste nur wenige Minuten nach ihrer Einwechslung den Platz erneut verlassen. Trainerin Britta Carlson bestätigte zudem, dass mit Zawistowska und Ziemer schon vor dem Spiel zwei weitere Spielerinnen fehlten.

Woanders gab es ein lang ersehntes Comeback: Sophia Winkler stand erstmals nach 574 Tagen wieder zwischen den Pfosten, sie kam für Frankfurt II in der 2. Bundesliga gegen Hertha BSC zum Einsatz.

O-Töne:

Samantha Steuerwald, Union Berlin, Freude strahlend nach dem spät nochmals gedrehten Spiel gegen Leipzig:

„Irgendwie wussten wir, dass wir dieses Spiel heute gewinnen. Auch nach dem 2:1, ich hatte nicht das Gefühl, dass irgendwer den Kopf hängen gelassen hat, sondern, dass wir einfach heute dran geglaubt haben. Ich hatte einen kurzen Austausch mit Eileen und sie meinte einfach nur zu mir, ‚Sammy, wenn wir jetzt treffen, dann gewinnen wir!‘ Und erst trifft sie und dann treff ich, das ist einfach unglaublich! Also ich bin einfach wie gesagt richtig stolz und weiß grad selber nicht so richtig wo hin mit mir.“

Szene im Strafraum von RB Leipzig, Eileen Campbell im roten Trikot von Union Berlin steht mitten im Sprung in der Luft und köpft den Ball in Richtung Tor, alle anderen schauen ungefähr in ihre Richtung.
Eileen Campbell erzielt das Tor zum 3:2 gegen Leipzig für Union Berlin. Foto: IMAGO/Matthias Koch.

Kara Bathmann, Mainz 05, nach dem ersten Spiel in der großen Arena vor 16.500 Zuschauer*innen:

„Im Moment ist die Enttäuschung da, Stolz wird man vielleicht in zwei, drei Tagen verspüren. […] Die Kulisse war überragend, wir wurden gepusht. Ich hatte Gänsehaut und wusste nach dem Tor gar nicht, was ich machen sollte. Das erlebt man nicht alle Tage, das ist ein überragendes Gefühl.“

Das steht an: DFB- und Europa-Pokal

Am nächsten Wochenende machen die 1. und die 2. Bundesliga eine Pause, denn der DFB-Pokal steht an. Die komplette Übersicht aller sechzehn Partien findet ihr hier. Alle Spiele können live als Übertragung verfolgt werden, dreizehn Partien gibt’s bei DFB-TV (Einzelspiele und Konferenzen). Sky zeigt den VfL Bochum gegen SV Werder Bremen (Samstag, ab 16.00 Uhr) und Borussia Mönchengladbach gegen Bayern München (Sonntag, ab 15 Uhr). Im ZDF gibt’s FC Viktoria Berlin und Bayer 04 Leverkusen (Sonntag, ab 14.00 Uhr) zu sehen.

Und danach geht’s unter der Woche dann weiter mit Champions League und Europa Cup. Am Dienstag (18.45 Uhr, ZDF und Disney+) spielen die Münchenerinnen in Unterhaching gegen Manchester City in der Ligaphase der UEFA Women’s Champions League. Mittwoch in der 2. Qualifikationsrunde zum UEFA Women’s Europa Cup trifft Wolfsburg auf Sturm Graz (19 Uhr) und Eintracht Frankfurt reist zum isländischen Verein Fimleikafélag Hafnarfjarðar (18 Uhr). Hierhin, wer bis dahin üben möchte, wie man das ausspricht.

Beitragsbild: IMAGO/Hartenfelser

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Annika Becker ist freiberufliche Journalistin und berichtet u.a. für sportschau.de und die taz über den Fußball der Frauen. Sie beleuchtet regelmäßig strukturelle Themen im Sport und ist Co-Autorin zweier Videobeiträge für die Sportschau. Seit 2022 ist Becker Teil der Jury des Guardian zur Wahl der „100 best female footballers in the world“. 2024 wurde sie vom Medium-Magazin auf den 6. Platz bei den Journalist*innen des Jahres im Sport gewählt. Seit 2022 ist Becker Teil der Crew von „FRÜF – Frauen reden über Fußball“, früher podcastete sie bei der „Halbfeldflanke“ über Schalker Taktik-Unzulänglichkeiten. Sie ist auch im Radio zu hören, z.B. im DLF oder als Expertin bei der BBC. An den Wochenenden findet man sie auch privat im Stadion, Beckers Fußball-Herz schlägt für den FC Schalke 04 und die SGS Essen.

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