
Bundesliga: Das war der 3. Spieltag
In Wolfsburg gab’s ein Zettelduell, beim FC Bayern einen Rekord, das Publikum sah Rot und drei Vereine bleiben punktlos: Der 3. Spieltag der Bundesliga der Frauen 2026/27.
Die Ergebnisse
TSG Hoffenheim – Bayer 04 Leverkusen 1:2 (1:1)
Hamburger SV – RaBa Leipzig 1:1 (1:1)
1. FSV Mainz 05 – 1. FC Köln 0:4 (0:3)
VfL Wolfsburg – SV Werder Bremen 3:2 (0:1)
FC Bayern München – SC Freiburg 4:1 (2:0)
1. FC Nürnberg – VfB Stuttgart 3:3 (1:0)
1. FC Union Berlin – Eintracht Frankfurt 0:1 (0:1)
Zahl des Spieltags

45 Spiele in Folge ist Bayern München in der Bundesliga inzwischen ungeschlagen. Damit hat der FCB seinen eigenen Rekord von vor 12 Jahren überholt. Wie lang wird die Serie noch werden? Einerseits ist es ein hart erarbeiteter Erfolg, andererseits wirft es auf den Rest der Liga natürlich kein gutes Licht.

Bolznotizen
Minimalistisch: Nur vier Vereine haben weniger Gegentore kassiert als der HSV, allerdings stehen auch erst drei eigene Treffer auf dem Konto. Wie schon am ersten Spieltag gab es nach Rückstand wieder ein 1:1 und damit immerhin den zweiten Punkt. Für den Moment also alles in Butter in Hamburg. Gleichzeitig haben nur die Mainzerinnen noch weniger Schüsse aufs gegnerische Tor pro Spiel (Quelle für alle Zahlen: Fotmob) und da muss man bei den Aufsteigerinnen immerhin die Partie gegen Bayern berücksichtigen.

Maximalistisch: Während man im Norden genügsam unterwegs ist, geht in Nürnberg andauernd die Post ab, im Guten wie im Schlechten. Das führt zu einem funky Torverhältnis von sechs zu 12 nach nur drei Spieltagen. Der FCN gibt zusammen mit Freiburg bisher die sechstmeisten Torschüsse pro Spiel ab und immerhin 15,4 Prozent der Schüsse führen zu einem Tor. Was sich vielleicht nach wenig anhört, ist der viertbeste Wert der Liga. Nur stimmt umgekehrt die Zuordnung in der Defensive häufig nicht, dann wird’s hektisch und es wird gefoult: Nürnberg und Leipzig sind, dicht gefolgt von Köln, bisher die Teams mit den meisten gezählten Vergehen.
Geburtstagstore: Gleich zwei Geburtstagskinder beschenkten sich und ihr jeweiliges Team mit einem Treffer und beide Male war es das 1:1. Für die TSG Hoffenheim traf Marie Steiner zum zwischenzeitlichen Ausgleich gegen Leverkusen und für den VfL Wolfsburg war es Mara Alber. Sie bekam nach der Partie von den Fans eine Krone geschenkt.

Fehlstart: Mit 3 Niederlagen in Folge startete die TSG Hoffenheim in die Saison, der schlechteste Auftakt seit 2016/17. Damals gab es den Turnaround gegen den FF USV Jena, dieses Mal könnte es schwieriger werden, weil als nächstes Partien gegen Eintracht Frankfurt und den VfL Wolfsburg anstehen. Dabei lief es bisher gar nicht so unrund, wie man meinen könnte. Team und Verantwortliche brauchen womöglich einfach etwas Geduld, bis sich vor allem die Abwehr eingefunden hat. Denn wenn die erste Pressinglinie Hoffenheims mal überspielt wird, sieht es schnell wackelig aus. Da wiegen die beiden Abgänge von Jill Janssens (Union Berlin) und Jamilla Rankin (Eintracht Frankfurt) vielleicht sogar schwerer (auch z.T. für das Spiel nach vorn) als der viel besprochene Wechsel von Selina Cerci zu Arsenal, auch wenn eine Torjägerin der Offensive guttun würde. Diese sieht bis auf den letzten Pass in vielen Situationen inzwischen allerdings schon gut aus.
Flaute nach Transferoffensive: Vergleichbar sieht es in Berlin aus, auch hier stehen null Punkte zu Buche. Nach dem starken Auftakt gegen Bayern München waren die letzten beiden Partien gegen Freiburg und jetzt Frankfurt aus Union-Sicht etwas ernüchternd. Auch hier muss sich das Team erst noch finden. Die Problematik ist gleichzeitig aber etwas anders gelagert als bei der TSG, denn deren Positionsspiel nähme man anstatt der viel zu großen Abstände bei eigenem Ballbesitz, die statisch gehalten und deshalb mit simpler Fraudeckung leicht zu verteidigen sind, sicherlich gerne. Vielleicht ist es ein Stück weit auch einfach die verflixte zweite Saison. Auch hier gilt jedenfalls: Geduld haben.
Das Publikum sieht Rot: Mal eine etwas andere Statistik: Neun von 14 Vereinen haben Rot als eine ihrer Haupt-Trikot-Farben und als wäre das nicht eintönig genug, trafen an diesem Spieltag auch noch erstmals vier der anderen Vereine direkt aufeinander. Allesgucker*innen und auch die ein oder andere kommentierende Person mussten zwischendurch schon mal kurz überlegen, wer da gerade in Rot über den Platz läuft.
Drei, zwei, eins: Das ist die Anzahl der Tore bei den bisherigen Montagsspielen. Geht es nach der Logik weiter, gibt es zwischen Leverkusen und Bayern also ein torloses Unentschieden und danach bewegen wir uns dann in den Minusbereich, weil dieser Termin endlich abgeschafft wurde. Man wird ja wohl hoffen dürfen. Auch wenn’s um uns eigentlich nicht gehen soll: Auch für uns als Berichterstattende ist dieser ewig in die Länge gezogene Spieltag anstrengend.
Von den Tribünen

Habt ihr euch gewundert, warum beim Montagsspiel kaum Auswärtsfans zu sehen waren? Die Nutria-Bande hatte schon vor Wochen angekündigt, das Montagsspiel in Berlin zu boykottieren.
Und in der 2. Bundesliga der Frauen gab’s beim Spiel von Viktoria eine Solidarisierungs-Aktion der Fans mit der Initiative Empty Stands für mehr Aufklärungsarbeit zu ME/CFS.
Kaderblick
Bei den Münchenerinnen feierte nach Lena Oberdorf in dieser Woche auch Sarah Zadrazil ihr Comeback, 348 Tage hatte sie nach Kreuzbandriss darauf warten müssen. Wie das Mittelfeld mit beiden aussehen könnte, darauf gab es einen kurzen, aber vielversprechenden Vorgeschmack. In den nächsten Wochen steht aber erst einmal das Belastungs-Management beider Rückkehrerinnen im Vordergrund.
Nach dem letzten Spieltags-Rückblick gab es noch einen unerwarteten Transfer-Kracher: Lina Hausicke verließ kurz vor Schließung des Transferfensters nach neun Jahren Werder Bremen und schloss sich Union Berlin an. Ebenfalls zu Union ging Judit Pujols, dafür wechselte Katja Orschmann bereits zum dritten Mal vom Hauptstadtverein, dieses Mal zum FC Luzern.
Wenn ihr mehr zu Transfers allgemein aus Beraterinnen-Sicht wissen wollt, haben wir hier ein Interview mit Jasmina Čović für euch, die u.a. Laura Freigang vertritt.
O-Töne: Papierkrieg von den Bänken
Die Begegnung zwischen dem VfL Wolfsburg und Werder Bremen hatte es in sich: Die Bremerinnen führten zweimal, aber dann drehte der VfL die Partie durch zwei Treffer der eingewechselten nominellen Innenverteidigerin Camilla Küver, die in die Offensive geschickt wurde. Zu sehen waren auch Zettel der beiden Trainer*innen mit taktischen Anweisungen.
Stephan Lerch, VfL Wolfsburg, zur Umstellung mit Küver im Angriff: „Wir haben im Vorfeld mögliche Szenarien durchgesprochen. Für uns ist das der All-In-Plan, wenn wir ein Tor brauchen. Dann passen wir unsere Formation an. Heute haben wir mit der Einwechslung von Thea [Bjelde, in der 79. Minute] diese Umstellung vollzogen [dass Camilla Küver in die Offensive geht]. […] Camilla mit ihrer körperlichen Präsenz, ihrer Kopfballwucht, weiß, wo das Tor steht, und findet im Ballbesitz auch auf engem Raum Lösungen. Wir haben entschieden, sie vorne zu belassen. Beim Stand von 2:2 hätte man auch sagen können: ‚Wir gehen wieder zurück.‘ Wir haben uns heute für die mutige Variante entschieden: Wir bleiben in dieser Struktur und gehen das Risiko ein.“
Fritzy Kromp, Werder Bremen, gefragt nach Reaktionen auf solche Umstellungen: „Wir haben gesehen, da kommt ein Zettel. Dann haben wir halt auch einen Zettel geschrieben! (Lacht) Der ist auch reingewandert und wir haben entsprechend angepasst. Wir sind in einer Fünferkette im 5-3-2 in einen tiefen Block gegangen. Muss man in Ruhe analysieren. Da gibt’s nicht immer die ganz klaren Antworten drauf, was wäre, wenn? Aber ja, wir kennen Camilla sehr gut. Ich weiß, es ist sehr schwer, sie da zu verteidigen, ob du im Eins-Eins gegen sie bist oder selbst im Zwei-Eins, sie ist da nochmal eine Ebene höher. Und du weißt auch vom Timing, wie man sich da verhält. Das ist eine Waffe. […] Deswegen wollten wir eigentlich viel mehr noch den Druck weiter draufkriegen, dass die Flanken erst gar nicht so reinsegeln. Das ist uns nur bedingt gut gelungen und dann spielst du ein bisschen mit dem Feuer.“

Einwurf: Stark, wie Lerch Verantwortung übernimmt
Nach dem Aus des VfL in der Champions-League-Qualifikation im Elfmeterschießen gegen Inter Mailand stand Stephan Lerch für seine Entscheidungen im Spiel in der Kritik, u. a. weil die eingewechselte Mara Alber, ausgeliehen von Chelsea und auch während ihrer Leihe zu Bremen ohne Stammplatz, einen ganz entscheidenden Elfer übernehmen sollte.
Auf der Pressekonferenz nach der Partie gegen Bremen wurde Lerch darauf angesprochen, erklärte die Entscheidungsfindung seines Staffs und übernahm sehr deutlich die Verantwortung: „Natürlich haben wir geschaut, wen haben wir auf dem Platz? Wer ist vielleicht auch vom Naturell her in der Lage, einen Elfmeter zu schießen, eine Offensivspielerin, die reingekommen ist? Wir haben ihr das zugetraut, sie hat gesagt, sie fand es total positiv, dass wir es ihr zugetraut haben. Klar war sie auch ein bisschen überrascht in dem Moment. Die volle Verantwortung liegt da in meiner Hand, sie in so eine Situation zu bringen, den fünften Elfmeter schießen zu lassen, das war schon eine Extremsituation. Das tat mir dann auch für sie leid, da trifft sie keine Schuld, das ist dann meine Schuld in dem Fall. So klar muss ich das sagen. Ich will auch immer, dass meine Spielerinnen sagen: ‚Okay, das nehme ich auf meine Kappe.‘ Und auch in der Gesellschaft, glaube ich, ist das ein Wert, dann auch mal Schuld und Fehler einzugestehen.“
Er wolle für sich selbst für die Zukunft daraus lernen, die Drucksituation der Spielerinnen bei ähnlichen Entscheidungen besser zu berücksichtigen, so Lerch weiter.
Eigentlich sollte diese Form der öffentlichen Übernahme von Verantwortung für die eigenen Entscheidungen für Trainer*innen selbstverständlich sein. Trotzdem erleben wir es leider regelmäßig anders, auch innerhalb der Bundesliga. Deswegen empfand ich es als wichtig, das einmal positiv hervorzuheben, zumal die Art des Comebacks der Wölfinnen meines Erachtens auch zeigt, dass diese Art von Umgang mit dem Ausscheiden das Team zusammengeschweißt hat – das hätte auch komplett anders verlaufen können.
Das steht an
Der DFB hat bekannt gegeben, dass am 18. September ein außerordentlicher Bundestag stattfinden wird, also während des fünften Spieltags. Beim Bundestag, der ausschließlich digital stattfindet, müssen die Satzungsänderungsanträge angenommen werden, die zur Ausgliederung der Bundesliga der Frauen führen. Wenn ihr mehr dazu lesen wollt, wie sich das in die bisherige strukturelle Geschichte der Liga einfügt, haben wir hier etwas für euch.
Vorher geht es weiter mit den Partien des vierten Spieltags. Den Auftakt machen Bremen und Hamburg am Freitag um 18.30 Uhr im Weserstadion. Samstag treffen Leipzig und Nürnberg sowie Köln und Union aufeinander. Sonntag geht es für die Wolfsburgerinnen erstmals zum VfB Stuttgart, Frankfurt empfängt die TSG und Freiburg die Mainzerinnen. Das Montagsspiel tragen Leverkusen und Bayern München aus.
Beitragsbild: IMAGO/Lobeca

@news Das Montagsspiel nächste Woche in Leverkuuuusen wird seitens Bayernfans auch boykottiert werden
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