
Die Geschichte der deutschen Bundesliga der Frauen
Am 2. September 1990 ertönte der Startschuss für die Bundesliga der Frauen in Deutschland. Heute steht sie kurz vor einer der größten Umwälzungen ihrer Geschichte, obwohl sie davon schon einige hinter sich hat. Die Geschichte der Bundesliga im Überblick.
Nachdem wir euch zuletzt die jeweilige Geschichte der verschiedenen Bundesliga-Vereine der aktuellen Saison 2026/27 vorgestellt haben, geht es dieses Mal um die Historie der Liga selbst, wie sie gegründet wurde und welche strukturellen Veränderungen und Entwicklungen es im Laufe der Zeit gab.
Die Gründung der deutschen Bundesliga der Frauen
Im Jahr 1989 krönt sich das deutsche Nationalteam zuhause erstmals zur Europameisterin. Je nachdem, wem man zuhört, war das der Tritt, den der DFB brauchte, um 1990 die Bundesliga zu gründen. Aber die Diskussion war alles andere als unkontrovers, es gab Bedenken, ob die Strecken zu weit sind, das Niveau der Teams zu unterschiedlich und und und.
So war der Start erstmal zweigleisig, es gab die Bundesliga Nord und die Bundesliga Süd in zwei parallelen Staffeln. Um den Titel der Deutschen Fußballmeisterinnen gab es ein Finalspiel zwischen den beiden Staffelsiegerinnen.
Der Weg zu einer offiziellen Deutschen Meisterinnenschaft war jedoch schwierig und langwierig. Nicht allein wegen des Fußballverbots für Frauen innerhalb des DFB zwischen 1955 und 1970. Vor und während dieser Zeit hatten Frauen bereits gespielt, während des DFB-Verbotes eben außerhalb des Verbandes. Aber auch nachdem der DFB die Fußballerinnen am 31. Oktober 1970 wieder zuließ, hatte der Verband zunächst keineswegs die Muße, eine eigene Liga für die Frauen o.Ä. in die Wege zu leiten.
Zwanzig Jahre zwischen Verbots-Aufhebung und Gründung der Bundesliga
Deswegen organisierte im Jahr 1973 der TuS Wörrstadt einfach selbst ein Turnier unter den Meisterinnen der Landesverbände. Den sogenannten Goldpokal – den ursprünglich angedachten Titel des „Deutschlandpokals“ verweigerte der DFB – gewannen die Gastgeberinnen im Finale gegen den FC Bayern München.

Erst danach startete ein vom DFB organisierter Wettbewerb: Ab 1974 wurde auf höchster Ebene die „deutsche Fußballmeisterschaft der Frauen“ per Mini-Turnier ausgetragen. Die besten Teams der jeweiligen Landesverbände spielten erst im Vorrunden-Gruppenmodus und anschließend im Endrunden-K.O.-System um die Meisterinnenschaft, in späteren Jahren wurde direkt im K.O.-System gespielt. Die ersten Titelträgerinnen waren erneut die Spielerinnen von Wörrstadt. Anlässlich des 50ig-jährigen Jubiläums im Jahr 2024 haben wir mit Bärbel Petzold gesprochen.
Diesen Wettbewerb gab es bis 1990, in dem Jahr fand die 17. und letzte Ausführung statt, 1990/91 startete die frisch gegründete Bundesliga. WIe bereits erwähnt gab es zunächst eine zweigleisige Liga bestehend aus Bundesliga Nord und Bundesliga Süd, beide mit jeweils 10 Teams.
Die Vergabe der zwanzig Bundesliga-Startplätze ab 1990
Für die Vergabe der 20 Startplätze wurden jeweils die besten Teams der 16 Landesverbände sowie vier der besten Zweitplatzierten der Saison 1989/90 auserwählt. In der Bundesliga Nord bekamen die Meisterinnen der Regionalliga West, der Oberliga Nord sowie die Berliner Meisterinnen einen Startplatz. Darüber hinaus wurden die jeweils bestplatzierten Teams ihrer jeweiligen Landesverbände berücksichtigt (bzw. Zweitbesten der Landesverbände, wenn die Bestplatzierten bereits als Meisterinnen qualifiziert waren).
Im Süden waren die Ersten der höchsten Ligen der acht Landesverbände aus Südwest und Süd direkt qualifiziert. Zudem sollten alle acht Vizemeisterinnen in einem Qualifikationsturnier um die verbliebenen zwei Plätze spielen. Da die SpVgg Wiehre 04 aber verzichtete (der Vizemeister der Verbandsliga Südbaden), waren es nur sieben Teams.
| Vereine Staffel Nord | Qualifizierung |
|---|---|
| Fortuna Sachsenross Hannover | Durch Rückzug von Polizei SV Bremen als bestplatzierte Bremer Mannschaft ging der Platz an Fortuna durch ein 4-Jahres Punktesystem in der Oberliga Nord |
| SC Poppenbüttel | Die beste Hamburger Mannschaft Lorbeer Rothenburgsort (3. Platz Oberliga Nord) kann wegen fehlendem Mädchenteam nicht antreten, SC Poppenbüttel übernimmt den Startplatz |
| VfR Eintracht Wolfsburg | Meisterinnen Oberliga Nord und bestes niedersächsisches Team |
| SV Wilhelmshaven | Vizemeisterinnen Oberliga Nord und zweitbestes niedersächsisches Team |
| Schmalfelder SV | Bestplatziertes Schleswig-Holsteiner Team mit dem 4. Platz in der Oberliga Nord |
| TSV Siegen | Meisterinnen Regionalliga West und beste Westfälische Mannschaft |
| VfB Rheine | Vizemeisterinnen Regionalliga West und zweitbeste Westfälische Mannschaft |
| SSG Bergisch Gladbach | 3. Platz Regionalliga West und bestes mittelrheinisches Team |
| KBC Duisburg | 5. Platz Regionalliga West und bestes Team aus Niederrhein |
| 1. FC Neukölln | Berliner Meister 1990 |
| Vereine Staffel Süd | Qualifizierung |
|---|---|
| FSV Frankfurt | Meisterinnen Oberliga Hessen |
| SC 07 Bad Neuenahr | Meisterinnen Verbandsliga Rheinland |
| VfR 09 Saarbrücken | Meisterinnen Verbandsliga Saarland |
| TuS Niederkirchen | Meisterinnen Verbandsliga Südwest |
| SC Klinge Seckach | Meisterinnen Verbandsliga Baden |
| TuS Binzen | Meisterinnen Verbandsliga Südbaden |
| VfL Sindelfingen | Meisterinnen Verbandsliga Württemberg |
| FC Bayern München | Meisterinnen Bayernliga |
| SG Praunheim | Vizemeisterinnen Oberliga Hessen und Siegerinnen Qualifikationsgruppe 1 |
| VfL Ulm/Neu-Ulm | Vizemeisterinnen Verbandsliga Württemberg und Siegerinnen Qualifikationsgruppe 2 |

Die Oberliga Nordost
Die erste Saison der Bundesliga startete ohne Vereine aus Ostdeutschland, diese kamen erst zur Saison 1991/92 mit an Bord. Seit 1979 wurde in der DDR die offiziell so benannte Bestenermittlung, eine DDR-Meisterschaft, ausgetragen. Die höchste DDR-Frauenfußballklasse sah dabei einige Formatänderungen, von Ausscheidungsturnieren zu Halbfinalspielen bis zu zweigleisigen Ligen.
Für 1990/91 wurde schließlich die Oberliga Nordost eingeführt, deren Meisterinnen über die gesamte Saison entschieden wurden. In der Spielzeit 1991/92 durften dann Meisterin und Vizemeisterin der Oberliga Nord in die Bundesliga Nord aufsteigen. Überraschenderweise gewann nicht Serienmeister BSG Turbine Potsdam; sondern USV Jena und Wismut Aue traten ihre erste Saison Bundesliga an. In diesem Jahr spielten elf Teams pro Staffel statt zehn, und die letzten drei mussten absteigen, anstatt der üblichen zwei.
Aus Zwei mach Eins – die eingleisige Bundesliga
Die Ära der zweigleisigen Bundesliga endete im Jahr 1997. Zur Saison 1997/98 sollten endlich die besten deutschen Frauenteams bundesweit innerhalb einer Liga um die Meisterinnenschaft spielen. Dazu wurden die 20 Bundesligistinnen aus Nord und Süd in eine 12-köpfige Liga konzentriert. Die jeweils besten vier Teams aus den Staffeln Nord und Süd erhielten einen direkten Platz. Die restlichen vier Plätze wurden über eine Relegation ausgespielt.
Dafür wurden die Plätze fünf bis acht der Staffeln Nord und Süd sowie die besten Teams der zweitklassigen Ligen in insgesamt vier Gruppen mit jeweils vier Teams eingeteilt, die vier Gruppensiegerinnen durften Bundesliga spielen.
Dabei gab es zwei Besonderheiten: Die Meisterinnen der Bayernliga TSV Schwaben Augsburg verzichteten auf die Teilnahme und räumten ihren Relegationsplatz für die Vizemeisterinnen Wacker München, die in ihrer Qualifikationsgruppe allerdings Letzte wurden; der Hamburger SV qualifizierte sich als zweitplatziertes Team, da die Gruppensiegerinnen von Fortuna Sachsenross Hannover aus finanziellen Gründen verzichten mussten.
Zur Saison 1997/98 traten somit die folgenden zwölf Vereine in der neuen, eingleisigen Bundesliga an: FSV Frankfurt, SG Praunheim, FCR Duisburg 55, Grün-Weiß Brauweiler, Sportfreunde Siegen, SSV Turbine Potsdam, FC Eintracht Rheine, 1. FC Saarbrücken, TuS Niederkirchen, SC 07 Bad Neuenahr, SC Klinge Seckach und der nachgerückte Hamburger SV.
Zum dritten und letzten Mal gewann der FSV Frankfurt die Meisterinnenschaft, Torschützenkönigin wurde Birgit Prinz mit 23 Treffern. Das alles fand vor nur rund 37.000 Zuschauenden über alle Spiele der Saison statt.

Entwicklungen der 2000er und der bevorstehende Umbruch
Der Weg von dort zur heutigen Aufmerksamkeit, die auch noch immer ausbaufähig ist, war lang. Das Gesicht der Bundesliga hat sich währenddessen kräftig verändert. Von den ursprünglichen Gründungsvereinen ist streng genommen nur der FC Bayern München noch übrig. Zählt man die zum Teil über mehrere Schritte in anderen Vereinen aufgegangenen Klubs dazu, wären da noch Spuren von Wolfsburg (statt VfR eben VfL), Praunheim (Eintracht Frankfurt) und Bergisch Gladbach (Bayer Leverkusen). Aber dazu könnt ihr mehr in unserem Beitrag zu den Geschichten der aktuellen Bundesligistinnen nachlesen.
Die Heim WM 2011 ohne nachhaltigen Effekt für die Bundesliga
Mit Blick auf die strukturellen Umwälzungen sollte die Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland den großen Schwung bringen. Das Turnier ist inzwischen 15 Jahre her, hatte diesen Sommer wenn man so will ein kleines Jubiläum.
Die Heim-WM 2011 wurde von einer großen Marketing-Offensive durch die dafür zuständige Doris Fitschen begleitet. Die mediale Öffentlichkeit reagierte oftmals mit sehr viel Überforderung und Sexismus darauf, dass plötzlich überall Fußball-Nationalspielerinnen zu sehen waren. Je nach Alter und dem eigenen Interesse während dieser Zeit selbst kann man sich das aus heutiger Sicht vielleicht gar nicht mehr so richtig vorstellen oder sich daran erinnern.

Was auch daran liegt, dass die Entwicklung nach dem frühen Viertelfinal-Aus des deutschen Nationalteams nicht so lief wie wohl erhofft. Die Publikumszahlen der Bundesliga stiegen zwar etwas, schwankten aber in den Folgejahren.
Das ging einher mit Bemühungen Sponsor*innen zu finden: Ab Juli 2014 gab es erstmals einen Namenspartner der Bundesliga, das hatte es bis dahin bei keinem vom DFB geleiteten Wettbewerb gegeben. Der Versicherungskonzern Allianz sicherte sich die Rechte für fünf Jahre, jeder Verein erhielt aus dem Vertrag pro Saison 100.000 Euro.
In der zuvor zum Zeitpunkt der Bekanntmachung fast abgelaufenen Saison 2013/14 hatte es einen zwischenzeitlichen Rekord von im Schnitt 1.185 Zuschauenden pro Partie gegeben, der Schnitt fiel aber bis 2016/17 wieder unter die Tausender-Marke. Die Covid-19-Pandemie war, wie im gesamten Sport, eine Zäsur, weil zeitweise Spiele ohne oder nur mit stark begrenztem Publikum stattfinden konnten. Bei den Namensrechten folgte von 2019 bis 2023 die Würzburger Druckerei Flyeralarm, eine Sponsoringsumme aus dem Vertrag wurde nie öffentlich bekanntgegeben.
Die EM 2022 und der (noch) aktuelle TV-Vertrag
Den bislang größten Schub brachte die Phase nach der Europameisterschaft 2022 in England mit dem Vize-Titel für Deutschland. Der Zuschauer*innen-Schnitt in der Bundesliga stieg binnen eines Jahres von rund 800 auf über 2.700 pro Spiel, und auch finanziell machte sich die Entwicklung bemerkbar. Zum einen gab es für die Bundesliga mit Google Pixel mal wieder einen neuen Namenspartner.

Zum anderen erhöhte der DFB durch einen nach der EM 2022 ausgehandelten TV-Vertrag ab der Saison 2023/24 die jährlichen Einnahmen aus Übertragungen der Liga um das 16-Fache auf 5,175 Millionen Euro. Also eine deutliche Verbesserung, allerdings können die meisten Bundesligistinnen aus sich heraus aktuell nicht kostendeckend arbeiten.
Bei den Lizenzvereinen machen die Frauenabteilungen ein mehr oder weniger großes Minus, das vom Gesamtverein aufgefangen werden kann. Bei eigenständigen Vereinen ohne Männerabteilung oder einer außerhalb des Profifußballs funktionierte das zwangsläufig nicht, sie können nur kostendeckend arbeiten. Dementsprechend ist durch die immer größer werdende finanzielle Schere ab 2026/27 kein einziger solcher Verein mehr in der ersten Bundesliga vertreten.
Gerechnet auf die ursprünglichen 12 Vereine ergab der TV-Vertrag rund 388.000 Euro pro Verein pro Saison bis Sommer 2027. Allerdings wurde die erste Bundesliga der Frauen mitten in der Laufzeit des Vertrages zur Saison 2025/26 auf 14 Klubs erweitert. Das war gleichzeitig die erste Veränderung an der Liga selbst seit 1997, dazwischen hatte es besonders in den letzten Jahren zwar immer wieder Änderungen an den Zulassungskriterien für die Vereine gegeben. Aber die Tabelle hatte die ganze Zeit aus zwölf Teams bestanden.
Die Ausgliederung der Bundesliga
Der nächste, vermutlich noch deutlich größere Umbruch steht unmittelbar bevor: Im Dezember 2025 gründeten die 14 Bundesligistinnen mit dem Frauen-Bundesliga FBL e.V. einen eigenen Ligaverband, der die Liga künftig eigenständig organisieren und vermarkten soll. Denn nach der Übergangssaison 2026/27 soll die Verantwortung zum 1. Juli 2027 vollständig vom DFB auf den FBL übergehen, dazu wird auch eine GmbH gegründet.
Dazu haben der Ligaverband und der DFB einen Grundlagenvertrag (vergleichbar zu dem zwischen DFL und DFB im Fußball der Männer) und einen Pachtvertrag ausgehandelt. Damit die Ausgliederung voranschreiten kann, müssen auf dem einebrufenen außerordentlichen DFB-Bundestag die entsprechenden Satzungsänderungsanträge angenommen werden. Das Datum dafür wurde ganz aktuell bekanntgegeben, am 18. September 2026 wird entschieden.
Zudem steht die Neu-Ausschreibung des auslaufenden TV-Vertrages an und womöglich gibt es geknüpft daran eine weitere Veränderung, denn es steht im Raum, dass es Playoffs um die Meisterinnenschaft geben könnte. Die Bundesliga der Frauen steht also 2027 nach dann 37 Jahren unter alleiniger Verantwortung des DFB zum wiederholten Mal in ihrer Geschichte vor einem großen Wendepunkt.
Text: Sandra Kreiner und Annika Becker
Beitragsbild erstellt mit Canva, Fotos in der Collage: IMAGO/Horstmüller (Wörrstadt und Siegen), IMAGO/Alfred Harder (FSV Frankfurt und Prinz), IMAGO/Matthias Koch (Bajramaj), IMAGO/Eibner (Popp) und IMAGO/HMB-Media (Stanway)
