Lena Oberdorf steht an der Seitenlinie vor ihrer Einwechslung, Bernadette Amani, die für sie rausgeht, geht auf sie zu und die beiden klatschen ab. Daneben hält die Linienrichterin die Anzeigetafel hoch. Oberdorf lächelt.

Bundesliga: Das war der 2. Spieltag

Ganze 316 Tage nach ihrem letzten Spiel stand Lena Oberdorf wieder auf dem Platz, Bayern und Leverkusen gaben kurzfristig wichtige Spielerinnen an internationale Vereine ab und im Top-Spiel setzte sich der VfL Wolfsburg knapp gegen Bayer Leverkusen durch. Der 2. Spieltag der Bundesliga der Frauen im Überblick.

Die Ergebnisse

1. FC Köln – TSG Hoffenheim 1:0 (0:0)

SC Freiburg – 1. FC Union Berlin 1:0 (0:0)

VfB Stuttgart – Hamburger SV 2:1 (1:1)

Eintracht Frankfurt – 1. FC Nürnberg 1:1 (0:1)

Bayer 04 Leverkusen – VfL Wolfsburg 1:2 (0:1)

SV Werder Bremen – RaBa Leipzig 2:0 (2:0)

FC Bayern München – 1. FSV Mainz 05 2:0 (1:0)

Zahl des Spieltags

316

316 Tage lagen zwischen Lena Oberdorfs letztem Spiel am 19. Oktober 2025 und ihrem erneuten Comeback an diesem Spieltag. Gegen Mainz wurde sie in der 71. Minute eingewechselt und zeigte nach einigen Minuten gleich eine ihrer kernigen, aber fairen Grätschen.

Bolznotizen

Das Topspiel: Leverkusen gilt als Herausforderer Nummer Eins auf die internationalen Plätze und das direkte Duell gegen die Wölfinnen war optisch auf den ersten Blick über weite Strecken auf Augenhöhe. Die Leverkusenerinnen hätten in der Schlussphase sogar den erneuten Ausgleich schaffen können. Es gibt in der Liga leider keinen öffentlich verfügbaren Expected Goals Wert mehr, seit Opta Fbref die Nutzung seiner Daten verboten hat. Damit ließe sich der subjektive Eindruck eventuell zu untermauern. Insgesamt war der Sieg des VfL für mich jedenfalls folgerichtig, weil ich die Torgefahr (oder in Taktik-Sprech: Chancenqualität) hier als höher empfunden habe. Indizien dafür sind die etwas höhere Anzahl von Ballkontakten im gegnerischen Strafraum (30:20) und die Anzahl der Großchancen, also Szenen, die zwar nicht zu Toren führten, aber gefährlich waren (3:0 für Wolfsburg).

Mind the Gap: In Sachen Präzision beim Passspiel klafften die Werte bei gleich drei Partien an diesem Spieltag deutlich auseinander. Kölns 69 Prozent gegen Hoffenheims 80 missfielen Trainerin Britta Carlson (siehe O-Töne), Freiburg und Union teilten die Werte genauso untereinander auf und interessanterweise gewann auch hier das Team mit dem niedrigeren Wert. Nirgendwo aber war der Abstand so heftig wie bei Bayern (88 Prozent) gegen Mainz 05 (56 Prozent). Das ist gegen Bayern auch schon ganz anderen Teams passiert, nach den bisherigen Eindrücken tun sich die 05erinnen allerdings von allen Teams am schwersten im Spiel mit Ball.

Gute Abstände: Die Freiburgerinnen überzeugten gegen Union mit guten gruppentaktischen Abläufen. So hatte der SC zwar nur 36 Prozent Ballbesitz und eine schlechte Passquote, machte den Berlinerinnen das Leben aber durch kurze Abstände und kluges Laufspiel richtig schwer. Oft stand eine Unionerin allein gegen zwei oder drei Freiburgerinnen und wusste sich dann nur über eine Einzelaktion zu helfen. So setzte der SC immer wieder Akzente nach vorne, allein die Abschlüsse waren zu harmlos.

Angekommen? Vollends ausgehebelt wurde Union dann durch die Einwechslung von Amira Arfaoui in der 86. Minute, die sich im Rücken der ausgepowerten Berlinerinnen für kurze Pässe anbot und in der kurzen Zeit jede Menge Alarm machte. Vielleicht ist die vierte Bundesliga-Station der Schweizerin ja die, die richtig passt, zu wünsche wäre es ihr.

Das macht Hoffnung: Nürnbergs Leistung beim 1:1 gegen Eintracht Frankfurt, mussten zwar den Ausgleich hinnehmen, präsentierten sich nach der Klatsche gegen Wolfsburg aber gefestigt und immer wieder gefährlich in der Offensive. Auffälligste Spielerin war nicht nur aufgrund ihres Treffers Louna Lapassouse mit vier Schüssen aufs Tor (den meisten aller Spielerinnen der Partie) sowie vier Balleroberungen. Die Nürnbergerinnen hatten beim Gegentor zudem etwas Pech, dass Vorbereiterin Memeti der Ball zweimal zurück vor die Füße prallte, hinten heraus ging dem FCN etwas die Kraft aus.

Zwischen den Pfosten: Ich finde die Qualität der Torhüterinnen in dieser Saison trotz der Wackler am ersten Spieltag überwiegend richtig gut. Die Save Percentage, also der Prozentsatz der gehaltenen Bälle, ist natürlich nicht alles, auch hier fehlt uns leider der Expected Goals Wert, mit dem sich die tatsächliche Gefahr der Schüsse bewerten ließe, die eine Keeperin aufs Tor bekommen hat.

Anna Reimann in Freiburgs Tor, sie steht leicht gebeugt in Erwartung einer Gegenspielerin, unscharf am rechten Bildrand mit Ball, die auf sie zugelaufen kommt.
Anna Reimann hat im Jahr 2026 einen steilen Weg nach oben genommen, auch aufgrund von Verletzungen anderer Torhüterinnen beim SC. Sie war beim Debüt am ersten Spieltag die drittjüngste Freiburger Torhüterin jemals. Foto: IMAGO/Urs Ottinger.

Aber wenn man sich das trotzdem spaßeshalber mal anschaut, haben wir eine klare Top vier mit Frankfurts Lina Altenburg, der erst in diesem Jahr 17 gewordene Anna Reimann vom SC Freiburg, die spielt als hätte sie 30 Jahre nichts anderes gemacht, als Bundesliga zu zocken, Mariella El Sherif von Werder Bremen und last but not least Nadine Böhi von Union. Persönlich fand ich bisher zudem Mamiko Matsumoto von Mainz 05 überzeugend, sie liegt in der Liste erst auf Platz elf, hat aber vermutlich in beiden bisherigen Spielen wohl auch gefährlichere Schüsse abwehren müssen.

Mamiko Matsumoto mitten in der Bewegung, sie ist gerade dabei den Ball aus einer Hand abrollen zu lassen und ist dafür in der Laufbewegung leicht Richtung Boden gebeugt.
Die 29-jährige Japanerin Mamiko Matsumoto beschützt den Kasten der Mainzerinnen seit der Saison 2024/25, also schon seit der Regionalliga. Der FSV ist ihre erste Station außerhalb Japans. Foto: IMAGO/Nordphoto

Von den Tribünen

Die Proteste gegen Montagsspiele gehen weiter, bei der Partie an eben jenem Wochentag zwischen Bayern München und Mainz 05 hatten sich die Fans beider Vereine zu einer gemeinsamen Aktion verabredet. Für Mainz war es das zweite Montagsspiel in Folge – schon eine besondere Art, erstmals überhaupt in der 1. Bundesliga anzukommen.

Bayern-Fans halten weiße Blätter und außerdem ein großes rotes Banner, beides mit der Aufschrift Für fanfreundliche Anstoßzeiten.
Foto: IMAGO/STEINSIEK.CH
Auswärtsfans von Mainz halten eine Tapete mit der Aufschrift Montagsspiele abschaffen!
Foto: IMAGO/STEINSIEK.CH

In Freiburg wurde gefeiert.

Lisa Karl im Fanblock, jemand hält ihr ein Megaphon, sie singt oder ruft mit ausgebreiteten Armen etwas hinein.
Freiburgs Kapitänin Lisa Karl, sie hatte in der 54. Minute das entscheidende Tor geköpft. Foto: IMAGO/STEINSIEK.CH

Meilensteine

Der 1. FC Köln hat zu dieser Saison sein Awareness-Konzept erstmals auf das Franz-Kremer-Stadion und somit alle Heimspiele der Frauen ausgeweitet. Das „PANAMA“-Konzept richtet sich an Personen, die sich unsicher oder belastet fühlen aufgrund von Ängsten, Überforderung, Diskriminierung, Gewaltandrohungen oder (sexualisierten) Übergriffen. Das Stadionpersonal kann in diesen Fällen mit dem Codewort „Panama“ angesprochen werden. Dieses Konzept gab es beim FC bislang nur beiden Spielen im Rheinenergie Stadion.

Momoko Tanikawa machte gegen Mainz ihr 50. Pflichtspiel für Bayern München.

Sophie Weidauer machte vereinsübergreifend gegen Freiburg ihr 150. Bundesligaspiel.

Kaderblick

Kurzfristige Abgänge: Beim FC Bayern München verließ die italienische Nationalspielerin Arianna Caruso die amtierenden Meisterinnen gen Real Madrid. Angeblich für eine Ablösesumme in Höhe von 600.000 Euro. Gerüchte hatte es auch lange um Carlotta Wamser gegeben, die sich letztendlich für Manchester City entschied, wo sie bis 2030 unterschrieb, Leverkusen soll 650.000 Euro plus Boni erhalten. Fun Fact: Obwohl sie gegen Wolfsburg nicht mal mehr im Kader war, ist Wamser nach dem 2. Spieltag nach wie vor die Spielerin mit den meisten Balleroberungen im gegnerischen Drittel pro 90 Minuten (3). Beide Abgänge tun den jeweiligen Teams und auch der Bundesliga insgesamt weh.

O-Töne: Viersinger und Carlson über Pressing und Präzision

Eva-Maria Viersinger, TSG Hoffenheim: „In der ersten Halbzeit ging erst mal der Matchplan auf. Wir kamen sehr, sehr gut ins Überspielen des Kölner Pressings rein, konnten viele Bälle sehr gut festmachen. Leider haben wir es da verpasst, dann wirklich noch mehr Torgefahr uns rauszuspielen.“

Britta Carlson, 1. FC Köln: „Ich denke, dass wir gerade in der ersten Halbzeit den Gegner immer wieder gut unter Druck gesetzt haben. Auf jeden Fall das Pressing auch durchgezogen haben. Selbst wenn es mal überspielt wurde, haben wir eigentlich fast jeden zweiten Ball spätestens dann zurückgewonnen, was uns dann fehlt im Moment und was auch mich und die Mannschaft glaube ich noch stört, ist die Präzision nach Ballgewinn. Da haben wir dann viel zu wenig rausgeholt. […] Und das weiß die Mannschaft auch, weil es ärgert sie genauso, dass der Invest immer so hoch ist und wir zu wenig Zählbares da rausholen. Das sieht man auch an der Passquote. Ich habe noch nicht reingeschaut, aber die wird auf jeden Fall nicht exorbitant hoch sein.“

Das steht an

Am Mittwoch stehen für Frankfurt und Wolfsburg die Rückspiele in der 3. Qualifikationsrunde zur UEFA Women’s Champions League an. Die Eintracht spielt bei PSG nach einem 1:1 im Hinspiel, der VfL reist mit einem 2:0 im Gepäck zu Inter Mailand.

In der Bundesliga geht es am Freitag weiter mit der Partie Hoffenheim gegen Leverkusen, Samstag treffen der HSV auf Leipzig und Mainz auf Köln. Sonntag treffen Wolfsburg und Bremen aufeinander sowie Bayern auf Freiburg und Nürnberg auf Stuttgart. Das Montagsspiel tragen dieses Mal Union und Frankfurt aus.

Das war der erste Spieltag.

Beitragsbild: IMAGO/ActionPictures

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Annika Becker ist freiberufliche Journalistin und berichtet u.a. für sportschau.de und die taz über den Fußball der Frauen. Sie beleuchtet regelmäßig strukturelle Themen im Sport und ist Co-Autorin zweier Videobeiträge für die Sportschau. Seit 2022 ist Becker Teil der Jury des Guardian zur Wahl der „100 best female footballers in the world“. 2024 wurde sie vom Medium-Magazin auf den 6. Platz bei den Journalist*innen des Jahres im Sport gewählt. Seit 2022 ist Becker Teil der Crew von „FRÜF – Frauen reden über Fußball“, früher podcastete sie bei der „Halbfeldflanke“ über Schalker Taktik-Unzulänglichkeiten. Sie ist auch im Radio zu hören, z.B. im DLF oder als Expertin bei der BBC. An den Wochenenden findet man sie auch privat im Stadion, Beckers Fußball-Herz schlägt für den FC Schalke 04 und die SGS Essen.

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