
Bundesliga: Das war der erste Spieltag 2026/27
Der 1. Spieltag der Bundesliga der Frauen 2026/27 hatte einige Themen: Acht Tore in einer Halbzeit, zwei Bundesliga-Debüts und eine Playoff-Debatte, welche die Liga wohl noch länger beschäftigen wird. Unser Überblick mit Zahlen, Beobachtungen und O-Tönen vom Wochenende.
Die Ergebnisse
1. FC Union Berlin – FC Bayern München 1:4 (0:1)
Eintracht Frankfurt – 1. FC Köln 2:0 (2:0)
1. FC Nürnberg – VfL Wolfsburg 2:8 (2:0)
TSG Hoffenheim – VfB Stuttgart 1:2 (1:1)
RaBa Leipzig – Bayer 04 Leverkusen 0:2 (0:0)
Hamburger SV – SC Freiburg 1:1 (0:0)
1. FSV Mainz 05 – SV Werder Bremen 1:2 (1:2)
Bolznotizen
On fire: Frankfurts Kapitänin Laura Freigang und ihre Vize Erëleta Memeti bildeten im Spiel gegen Köln ein kongeniales Duo, ihre Bewegungsabläufe und gegenseitigen Zuspiel stellten Kölns Abwehr immer wieder vor große Probleme. Memeti legte Freigang das 1:0 auf (12.) und machte dasselbe in der 45. Minute gleich nochmal zum 2:0.

Vertraut in doppeltem Sinn: Der 1. FC Köln machte Schlagzeilen damit, das ehemalige DFB-Duo aus Marina Hegering und Kathrin Hendrich in der Innenverteidigung wiedervereint zu haben, die beiden kennen sich bestens. Marina Hegering fing laut FotMob vier Pässe ab war die beste Innenverteidigerin des Spieltags in Sachen Eröffnung mit 12 angekommenen langen Bällen. Allerdings bringt das neben allen Qualitäten der beiden auch die Probleme wieder zum Vorschein, die es in der Schlussphase dieser Kombination beim Nationalteam gab, nämlich Schwierigkeiten, wenn die Abwehr schnell überspielt werden soll. Kölns Defensive stand trotzdem oft vergleichsweise hoch.
Hohes Pressing: Bayer Leverkusen hat gemeinsam mit Bayern München die meisten Balleroberungen im gegnerischen Drittel mit jeweils sieben. Das bestätigt den Seh-Eindruck, dass die Leverkusenerinnen gegen Leipzig sehr aktiv waren und in der gruppentaktischen Abstimmung eines der besseren Teams beim Ligastart.
Startschwierigkeiten: Auffällig vielen Toren an diesem Spieltag gingen gröbere Fehler von Abwehr oder Torhüterin voraus, das war bei keiner Partie so offensichtlich wie – auf beiden Seiten – bei Nürnberg gegen Wolfsburg. Aber auch beispielsweise in Hamburg und Leipzig gab es dickere Patzer. Einiges zu tun in den nächsten Wochen.
Vielversprechender Einstand: Die eingewechselte Sophie Proost traf für Bayern München zum 4:1-Endstand gegen Union. Auf Vorlage von Pernille Harder von der linken Strafraumseite dribbelte sie kurz explosiv in Richtung Tor, ließ ihre Gegenspielerin aussteigen, indem sie sich einmal um sich selbst drehte und zog dann direkt flach ins lange Eck ab.
Zahl des Spieltags


Acht Tore schoss der VfL Wolfsburg gegen den 1. FC Nürnberg. So viele Treffer oder mehr eines Teams innerhalb einer Halbzeit gab es zuletzt am 21. Spieltag der Saison 2009/10 als der 1. FFC Frankfurt mit 13:0 gegen Tennis Borussia Berlin gewann und bereits zur Pause 8:0 führte.
Schaut man auf Auswärtsteams, ist ein ähnlicher Erfolg aber noch ein paar Jahre länger her. In der Spielzeit 2005/06 am vierten Spieltag verlor der FSV Frankfurt 0:13 gegen Turbine Potsdam, zehn der Treffer fielen in der zweiten Halbzeit.
Von den Tribünen
Union Berlin


1. FC Nürnberg

Meilensteine: Erstliga-Debüts von Stuttgart und Mainz
Für die beiden Liga-Debütantinnen Stuttgart und Mainz war der Spieltag natürlicherweise von besonderer Bedeutung. Der VfB konnte sein erstes Bundesligaspiel dann auch gleich gewinnen und drehte dabei einen Rückstand gegen Hoffenheim. Aufgrund von zwei vergebenen Großchancen hätte das Ergebnis sogar noch deutlicher ausfallen können.
Das erste Tor der Stuttgarterinnen in der 1. Bundesliga erzielte Kapitänin Maximiliane Rall, ihr Kopfballaufsetzer zum Ausgleich nach einer Ecke von Dafina Redzepi kurz vor der Pause hatte jede Menge Dampf dahinter. Kurz nach Wiederanpfiff staubte sie einen Abpraller zum 2:1 Endstand ab.
Rall dazu: „Es ist heute ein absolut perfekter Tag. Ich bin super stolz auf die ganze Mannschaft. Wir haben gefightet und viel gelitten in diesem Spiel, aber wir haben alle zusammengestanden. Und dass der Nachmittag dann so verläuft, ist natürlich ein Traum.“
Für sie persönlich war es außerdem die Rückkehr in die Bundesliga nach ihrem Wechsel von Bayern München zu den Chicago Stars im Januar 2024, seit Anfang 2025 ist sie beim VfB.
Matheis trifft für Mainz
Für die Mainzerinnen gab es ebenfalls das erste Bundesligator. Nach einem direkt geschossenen Freistoß von Vital Kats ging Saskia Matheis dem Ball nach, den Bremens Torhüterin Mariella El Sherif nur prallen lassen konnte. Matheis‘ ersten Versuch blockte sie auch noch, dann aber verwandelte die Ex-Bremerin gegen ihre früheren Teamkolleginnen. Es war das 1:2-Anschlusstor nach einem unglücklichen Start.
Das erste Gegentor fiel bereits in der 1. Minute, als Mei Shimada eine Flanke von Elena Dhont einköpfte. In der 30. Minute hatte Mainz‘ Torhüterin Mamiko Matsumoto zunächst einen Strafstoß von Isabella Jaron pariert, aber keine Minute später verwandelte Jaron aus abseitsverdächtiger Position aus kurzer Distanz.
Kaderblick
Die erste Sperre der Saison holte sich Fany Proniez mit ihrer Gelb-Roten-Karte beim Spiel des 1. FC Nürnberg gegen den VfL Wolfsburg ab. Die 23-jährige Französin hatte ihr Team vorher mit dem 1:0 in Führung gebracht.
O-Töne: Playoffs ab der Saison 2027/28?
Während der Übertragung des Eröffnungsspiels zwischen Union Berlin und Bayern München ging es um die Pläne des Frauen-Bundesliga FBL e. V., womöglich ab der Saison 2027/28 Play-offs um die deutsche Meisterinnenschaft einzuführen. Eine solche Entscheidung ist eng an den TV-Vertrag gekoppelt, der im Herbst neu ausgeschrieben werden muss. Das Thema wird uns in den nächsten Monaten voraussichtlich noch begleiten, daher hier einmal etwas ausführlicher, was im Rahmen des Auftaktspiels gesagt wurde.
Dirk Zingler, Präsident von Union Berlin (ZDF, Interview vor dem Spiel gegen Bayern):
„Wir haben die Idee leidenschaftlich diskutiert im Kreise der Vierzehn und am Ende haben wir uns zwölf zu zwei dafür entschieden. Dass der FC Bayern München und Wolfsburg dieser Idee nicht so viel abgewinnen können, das verstehen wir.“
„Dass wir so in die Ausschreibung gehen der Medienrechte, ist verabschiedet. […] Wir tun das nicht, um mehr Geld einzunehmen. Wir müssen die Sichtbarkeit erhöhen, die Attraktivität und auch die Spannung. […] Wir haben auch gesagt, dass wir uns ausprobieren, wir wollen ja nur für zwei Jahre ausschreiben, weil wir nicht wissen, ob das richtig ist, was wir heute entscheiden. Aber ein Weiter so kann es nicht geben.“
Klara Bühl, Bayern München (ZDF, Einspieler vor der Partie gegen Union Berlin):
„Für mich persönlich ist es so, dass der Ligatitel einfach der ehrlichste und konstanteste Titel ist, den du gewinnen kannst […]. Das würde in dem Fall mit dem neuen Format ein Stück weit komplett hinten runterfallen und nimmt diesem Wettbewerb einfach den Anreiz. Play-offs hast du im Pokal, am Ende von der Champions League. Deswegen würde ich als Spielerin mich jetzt einfach dagegen aussprechen.“
Bundestrainer Christian Wück (ZDF, Interview in der Halbzeitpause):
„Wir sollten die Spielerinnen in den Mittelpunkt stellen. Da ist es wichtig, das richtige Maß zu finden. Ich glaube, dass die Experten und Expertinnen, die sich das überlegt haben, schon wissen, um was es geht. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass wir die Meisterschaft schon auf ein gewisses Niveau heben. Aber das haben andere entschieden. Ich bin nur der, der dann mit den besten Spielerinnen aus Deutschland versucht, eine Weltmeisterschaft zu spielen.“
Das steht an
Am Mittwoch spielen Eintracht Frankfurt und der VfL Wolfsburg in der Champions-League-Qualifikation. Die SGE empfängt Paris Saint-Germain, die Wölfinnen treffen zu Hause auf Inter Mailand und bekommen so ein Wiedersehen mit Lina Magull.
In der Bundesliga treffen sich am Freitagabend (18:30 Uhr) der 1. FC Köln und die TSG Hoffenheim. Samstag spielen der SC Freiburg und Union Berlin sowie der VfB Stuttgart und der HSV gegeneinander. Sonntag geht es für Eintracht Frankfurt gegen den FCN, die anderen beiden Partien sind Leverkusen gegen Wolfsburg und Bremen gegen Leipzig. Die Mainzerinnen haben zum zweiten Mal hintereinander ein Montagsspiel und müssen zum FC Bayern München reisen.
Beitragsbild: IMAGO/foto2press
