Violetter Hintergrund, davor der Umriss des afrikanischen Kontinents und des Pokals des Women's Africa Cup of Nations, davor zwei große runde Icons mit den Flaggen von Kamerun und Malawi.

Afrika-Cup 2026: Vorschau aufs Finale und Rückblick Play-ins

Vorm Finale des Afrika Cups 2026 am kommenden Sonntag (21 Uhr, DAZN) zwischen Kamerun und Malawi steht fest: Es wird neue Champions geben! Am Samstag spielen Marokko und Algerien im Nachbarschaftsduell um Platz drei. Nigeria verpasst erstmals eine WM. Josephine Bonsu hat mit Ghana hingegen noch eine Chance auf die WM 2027 in Brasilien.

Heute geht’s schwerpunktmäßig um das anstehende Finale am Sonntag, aber schon heute Abend geht um den dritten Platz beim Women’s Africa Cup of Nations 2026. Marokko und Algerien treffen im Nachbarschaftsduell aufeinander. Außerdem gibt’s kurze Zusammenfassungen der Play-ins, schließlich ging es da um die letzte verbliebene WM-Ticket-Chance für Teams vom afrikanischen Kontinent. Wer sich für die Themen abseits des Platzes interessiert: Gestern habe ich über die verschiedenen mir bekannten Konflikte einiger Teams mit ihren eigenen Verbänden oder Sportministerien rund um dieses Turnier geschrieben.

Vorschau aufs Finale Kamerun – Malawi: Die „Torhüterin des Volkes“ gegen die stürmenden Schwestern

Fangen wir mal mit dem Finale an: Wie herrlich ist denn bitte diese Paarung? Auf der einen Seite Kamerun, sportlich ursprünglich gar nicht qualifiziert. Auf der anderen Seite die Cup-Debütantinnen aus Malawi, nach FIFA-Weltrangliste das am niedrigsten gerankte Team aller teilnehmenden Länder, dessen Spielerinnen dafür kämpfen mussten, dass ihr Verband sie dieses Mal überhaupt für die Qualifikation zum Afrika-Cup anmeldete.

Aufgrund der beiden Chawinga-Schwestern im Kader war Malawi der leidigen Weltrangliste zum Trotz für viele Bobachter*innen nie der ganz krasse Außenseiter, den die Platzierung vermuten lässt. Aber auch wenn Malawi zumindest bei ein paar Leuten als Geheimtipp für die WM-Quali, also das Erreichen des Halbfinales, auf dem Zettel stand, hätte vor dem ersten Spiel wohl absolut niemand damit gerechnet, dass die Südostafrikanerinnen bis ins Finale kommen.

Kamerun: Zweite Chance, sowas von genutzt

Kameruns Weg ins Finale war schon sehr besonders. In der Qualifikation scheiterten die Indomitable Lionesses mit einem 1:3 nach Hin- und Rückspiel an Algerien. Erst als die CAF das Turnier im November 2025 von 12 auf 16 Teams aufstockte und die vier in der Weltrangliste bestplatzierten gescheiterten Teams nachträglich einlud, durfte Kamerun doch noch für die Reise nach Marokko planen, zusammen mit Côte d’Ivoire, Mali und Ägypten.

Nur wenige Wochen vor Turnierstart übernahm mit Valentine Nguele erstmals überhaupt eine Frau als Cheftrainerin der kamerunischen A-Nationalmannschaft. Sie trainierte vorher in der heimischen Liga sehr erfolgreich den Verein FC Ebowola und ging den interessanten Weg von der Torhüterinnen-Trainerin zur Cheftrainerin.

Sie gilt aufgrund des Erfolgs ihres Teams beim Turnier als Top-Kandidatin für die Auszeichnung als Trainer*in des Turniers. Sie hatte nach dem gewonnen Halbfinale eine Botschaft an andere Trainerinnen: „Ich möchte auch meinen Schwestern, die diesen Beruf ausüben, zeigen, dass man bis zum Ende durchhalten muss. Es ist keineswegs einfach. Seid bereit, euch weiterzubilden, und haltet allen möglichen Stürmen stand. Ich widme diesen Sieg allen Trainerinnen.“

Von den vier „Nachrückerinnen“ ist Kamerun bei diesem Afrika-Cup schon jetzt das erfolgreichste Team. Ungeschlagen ging es durch die Gruppenphase, dann folgte ein 1:0 gegen Titelverteidiger Nigeria im Viertelfinale, Kameruns erst zweiter Sieg gegen die Nigerianerinnen bei 14 Aufeinandertreffen. Dieser Sieg war durchaus glücklich, das Tor erzielte in der 20. Minute die 19-jährige Verteidigerin Myriam Maéva Nyadjou (Amazone FAP), es war der einzige Schuss aufs Tor ihres Teams in der gesamten ersten Hälfte. Nigeria hatte neun, fünf davon aufs Tor, aber Michaely Bihina hielt über das ganze Spiel 2.94 Expected Goals.

Im Halbfinale gegen Gastgeber Marokko ging es noch dramatischer zu: 120 torlose Minuten, sehr viel Ballbesitz für Marokko, sehr viele Ecken für Marokko, keine einzige klare Torchance für Kamerun und eigentlich auch nur eine für Marokko: ein von Torhüterin Michaely Bihina (22, Benfica) gehaltener Foulelfmeter (verursacht von Nyadjou) in der Verlängerung (118.).

Im Elfmeterschießen wurde Bihina von den rund 19.000 marokkanischen Fans ausgepfiffen, sobald sie sich auf die Linie stellte, ließ das alles an sich abprallen und hielt drei weitere Elfer. Was man halt so macht. Den entscheidenden Elfmeter verwandelte übrigens Nyadjou, die bereits das Halbfinale klargemacht hatte und in der 97. Minute zwischendurch mal mit einem Krampf vom Platz getragen worden war. Wer sich das in all seiner Dramatik anschauen möchte, findet hier ein Video mit dem kompletten Elfmeterschießen.

Am Ende stand es 3:1 für Kamerun, gleichbedeutend mit dem ersten Finaleinzug seit zehn Jahren und dem insgesamt erst vierten überhaupt. Bihina wurde für ihre Paraden sowohl im Viertel- als auch im Halbfinale jeweils zur Woman of the Match gewählt. Fabrice Ondoa, Kameruns ehemaliger Nationaltorwart der Männer bei deren Cup-Sieg 2017, verpasste ihr nach dem Finaleinzug den Titel „gardienne du peuple“ – (Tor)Hüterin des Volkes.

Malawi: Das Märchen geht weiter

Was Malawi bei diesem Afrika-Cup zeigt, ist historisch in jeder Hinsicht. Direkt im Auftaktspiel schlugen die „Scorchers“ die Titelverteidigerinnen aus Nigeria, wurden trotz einer Niederlage gegen Sambia im letzten Gruppenspiel durch den direkten Vergleich Gruppensiegerinnen, bezwangen im Viertelfinale Ghana mit 2:1 nach Rückstand und im Halbfinale dann Algerien mit 3:1. Das Spiel gegen Ghana war ziemlich ausgeglichen von der Anzahl der Chancen, allerdings gelangen Malawi die Abschlüsse von höherer Qualität, bei den Angriffen der Scorchers wurdes viel häufiger brenzlig.

Gegen Algerien spielte die frühe und unnötige Rote Karte gegen Algeriens Morgane Belkhiter eine große Rolle (dazu später mehr aus algerischer Sicht), Malawi hatte bis zum Platzverweise von Rose Kadzere über 20 Minuten Überzahl und traf zweimal. Nach der Pause geriet die Abwehr unter Druck, der Anschlusstreffer Algeriens kam nicht überraschend. Aber auch hier zeigte sich wieder wie präzise und gefährlich Malawis Angriffe und insbesondere die beiden Chawinga-Schwestern sind, während Algerien zwar am Ende mehr Schussversuche hatte, die meisten davon aber harmlos und kein Problem für Torhüterin Sikelo.

Tabitha (30, OL Lyonnes) und Temwa Chawinga (27, KC Current) schossen gegen Algerien alle drei Tore und sind beide im Rennen um die Torjägerinnen-Trophäe. Temwa und Barbra Banda (Sambia) haben jeweils fünf Treffer, Tabitha und Inès Konan (Côte d’Ivoire) jeweils vier. Malawi ist das siebte Team, das seit der Einführung des aktuellen Turnierformats im Jahr 1998 das Finale erreicht hat. Seitdem hat das kein anderes bei der ersten Teilnahme geschafft. Sollte Malawi am Sonntag gewinnen, wären sie zudem das erste afrikanische Team seit Südafrikas Männern 1996, das einen kontinentalen Titel bei seiner allerersten Turnierteilnahme holt.

Perfekt lief es aber auch für Malawi nicht: Neben den Chawingas gibt es weitere Spielerinnen Malawis, die beim Turnier positiv auf sich aufmerksam gemacht haben und sehr wichtig für das Spiel des Teams sind. Eine davon ist eigentlich Rose Kadzere (20, Montpellier), die bisher immer in der Startelf stand, sich im Halbfinale gegen Algerien aber für ein völlig unnötiges und hartes Foul einen Platzverweis abholte. Sie fehlt damit also im Finale, Trainer Lovemore Fazili ist sich sicher, sie im Finale gut ersetzen zu können.

Was im Finale am Sonntag zu erwarten ist

Kamerun hat im Verlauf des Turniers mehrfach starke Defensivleistungen gezeigt und hat dazu mit Bihina eine Torhüterin in absoluter Top-Form zwischen den Pfosten: Ohne Elfmeterschießen hat Kamerun ein Torverhältnis von fünf zu zwei. Ebenfalls mehrere Male zeigten sich aber auch Schwierigkeiten im Spiel mit Ball, weil sich immer wieder eine gewisse Hektik und Ungenauigkeit breit macht.

Dann wird die Kugel lang gebolzt, was hier auf der Bolztribüne durchaus Sympathisant*innen findet, aber wenn niemand eine Chance hat, an diese Bälle auch ranzukommen, sorgt es nur für mehr Probleme. Gegen Konterexpertinnen wie Malawis Spielerinnen kann es sogar im Gegenzug sofort sehr gefährlich werden, weil sie im Gegensatz zu Marokko mit all seinem Ballbesitz eben keine Zeit lassen.

Dabei gibt es immer wieder auch Spielphasen während derer Kamerun zeigt, dass es auch anders geht, wenn der Ball nicht über die Köpfe von Monique Ngock (21, FC Fleury) und Achta Toko (21, Real Madrid) im Mittelfeld drüber fliegt, sondern sie ihn verteilen dürfen. Das ist worauf ich unabhängig vom Ausgang des Finales für die WM gespannt bin, ob Trainerin Nguele bis dahin mehr Struktur und Ruhe reinbekommt.

Für die aktuelle Situation und das Finale muss man allerdings klar sagen, dass Kamerun große Probleme hat, aus dem Spiel heraus Chancen zu erspielen, wahrscheinlich werden sie also auf ihre Defensive setzen und versuchen Standards zu bekommen.

Auf der anderen Seite liegen Malawis Stärken eindeutig in der Offensive, auch wenn sich die Abwehr von Trainer Lovemore Fazili über das Turnier etwas besser gefunden zu haben scheint. Ihr Torverhältnis liegt bei zwölf zu sieben. Torhüterin Mercy Sikelo (28, Civil Service Women) hatte zwar noch kein so auffälliges Spiel wie ihr Gegenüber, lässt sich aber nicht leicht verunsichern. Ohne sie sähe die Torbilanz wohl noch schlechter aus, Malawi hat von allen Halbfinalistinnen die meisten Gegentore im Turnierverlauf gesammelt. Ansonsten spielt auch Malawi viel mit langen Bällen auf die beiden Außenspielerinnen Tabitha Chawinga und die Leichtathletin Asimenye Simwaka (29, MDF Lionesses) auf Rechtsaußen.

Über hohe Flanken wird es dann selten gefährlich, aber die flachen Steilpässe zwischen den offensiven vier – den beiden Chawinga-Schwestern, Simwaka und normalerweise Kadzere, die aber ja nun mal gesperrt ist – sind zum Zungeschnalzen schön, die Dribblings der Chawingas spektakulär. Über diese Ballsicherheit und die Übersicht in all diesen Aktionen wird Malawi auch dann gefährlich, wenn sie mal keinen direkten Konter fahren können und die gegnerische Defensive sich eigentlich erfolgreich zurückgezogen hat.

Entscheidend wird also sein, wie schwer der Ausfall von Kadzere wiegt und ob Kameruns Abwehr auch dieser Offensive standhalten kann, selbst auch mal etwas nach vorn entwickeln kann, um Malawi in Bedrängnis zu bringen. Ein anderer Faktor könnte die Regeneration sein, weil Kamerun bis ins Elfmeterschießen musste und Malawi nicht.

Vorschau aufs Spiel um Platz drei: Marokko – Algerien

Es gibt bereits heute, am Samstag, auch noch das Spiel um Platz drei, immerhin ein Nachbarschaftsduell. Die beiden nordafrikanischen Teams trennten sich in der Gruppenphase bereits mit einem 1:0 für Marokko 1:0 durch ein spätes Tor von der 26-jährigen Sanaâ Mssoudy (84.). Es war eines der schlechteren Spiele dieses Turniers, beide Seiten hatten vom Treffer mal abgesehen, keine echten Torchancen und es gab viele Ungenauigkeiten im Spiel.

Gastgeber Marokko verpasste die dritte Finalteilnahme in Folge nach einem nicht überragenden, aber trotzdem überlegenen Spiel gegen Kamerun und wird den Titel damit erneut nicht gewinnen. Das war eines der erklärten Ziele des marokkanischen Verbandes für diese Phase von drei aufeinanderfolgenden Heimturnieren und der Amtszeit von Jorge Vilda.

Vilda hat einen Vertrag gültig bis Sommer 2027, aber laut Afrik-Foot wird in einigen marokkanischen Medien die Frage gestellt, ob er tatsächlich wird weitermachen dürfen. Einen Wunschnachfolger hat man dort auch bereits auf dem Zettel, den Marokkaner Mohamed Amine Alioua, zweifacher Gewinner der CAF Champions League der Frauen mit dem AS FAR Rabat (2022, 2025).

Algerien wiederum war nach dem Spiel gegen Malawi zurecht bestürzt. Schon früh in der ersten Hälfte sah Morgane Belkhiter (30, Saint-Étienne) nach VAR-Prüfung Rot wegen Verhinderung einer klaren Torchance. Die Schiedsrichterin Yemisi Eunice Akintoye stand sehr lange am Monitor und war über die Außenmikrofone mehrfach zu hören, wie sie gegen eine Notbremse argumentierte, indem sinngemäß sagte, dass aus ihrer Sicht genügend andere Spielerinnen nah genug oder sogar in der Situation waren.

Sie ließ sich dann aber umstimmen. Ausgerechnet in den gut 20 Minuten Unterzahl Algeriens (bis zum Platzverweis von Kadzere) fielen die ersten beiden Gegentore. Algerien kämpfte sich durch Ikram Adjabi zwar noch einmal heran (60.), am Ende aber setzte sich Malawi durch. Ihre Art zu spielen ist in manchen Phasen unfassbar schön, mit tollen Kombinationen durchs Mittelfeld und die Halbräume.

Aber leider vertrauen sie oder vielleicht auch ihr Trainer nicht konsequent auf diese Fähigkeit. Vielmehr schießen sie viel zu häufig aus viel zu großer Distanz. Dadurch gelang der ein oder andere Sonntagsschuss gegen Teams mit schwächeren Torhüterinnen, aber in den meisten Partien wirkt es geradezu arrogant gegenüber der gegnerischen Torfrau. Ähnlich wie bei Kameruns Spiel mit Ball ist das ein Aspekt, von dem ich gespannt bin, wie er sich bis zur WM im nächsten Jahr entwickeln wird.

Unabhängig vom Ausgang dieses Spiels hat Algerien nämlich etwas Besonderes erreicht, die „Vertes“ standen erstmals überhaupt im Halbfinale des Afrika-Cups der Frauen und sind somit nächstes Jahr zum ersten Mal bei einer Weltmeisterschaft dabei.

Im Rückblick: Die Play-ins und die zweite Chance auf die WM 2027

Am Donnerstag entschied sich in den beiden Partien zwischen Côte d’Ivoire gegen Ghana sowie Südafrika gegen Nigeria, wer von den vier Viertelfinal-Verliererinnen noch eine Chance auf die interkontinentalen FIFA-Playoffs (November 2026 bis Februar 2027) bekommt. Das ist die letzte verbliebene Route zur WM 2027 für Teams vom afrikanischen Kontinent. Die Auslosung für die Vorrunde der WM-Play-offs wird am 20. August stattfinden, am selben Tag wird die FIFA auch den Spielplan der WM 2027 bekanntgeben. Da die WM-Gruppen aber natürlich noch nicht ausgelost sind, werden dabei erstmal nur die Spielorte- und Zeiten allgemein festgelegt, einzig Staff und Fans von Gastgeber Brasilien können dann schon mal planen.

Ghana lag im Play-in gegen Côte d’Ivoire nach einem frühen Foulelfmeter (Ines Konan, 4.) zunächst zurück, drehte die Partie aber in der zweiten Hälfte: Princess Marfo glich in der 59. Minute aus, ehe Josephine Bonsu in der 72. Minute per Elfmeter zum 2:1-Endstand traf.

Die ehemalige Jenaerin wurde entsprechend gefeiert. Auf der Seite der CAF gab es gestern einen längeren Artikel über die offensive Flügelspielerin, die für Ghana bei diesem Turnier jedoch als Außenverteidigerin auflief. Da erzählt sie u.a., dass bis vor kurzem eigentlich gar keine Elfer geschossen hat: „Das ist eine lustige Geschichte. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie einen Elfmeter geschossen, aber seit der WAFCON im letzten Jahr stand mein Name ganz oben auf der Liste, was mich ziemlich überrascht hat. Inzwischen gehöre ich jedoch zu den Ersten, die für die Mannschaft Elfmeter schießen. Ich fühle mich mittlerweile wohl dabei und dieser hier war ziemlich wichtig.“

Für Ghana bietet sich damit die Chance, nach 20 Jahren Abstinenz erstmals wieder bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein. Für Côte d’Ivoire und Bayern Münchens Bernadette Amani endete dagegen der Traum von der zweiten WM-Teilnahme nach 2015.

Nigerianerinnen unter hohem Druck

Bei der zweiten Partie wurde es um Nigeria wurde schon vor dem Spiel turbulent: NFF-Präsident Ibrahim Gusau entschuldigte sich öffentlich bei Präsident Tinubu und der nigerianischen Bevölkerung für das verpasste direkte WM-Ticket, während Trainer Justin Madugu scharfe Kritik an seiner Aufstellungspolitik zurückwies: „Wenn wir gewinnen, sagt ihr, es liegt an den Spielerinnen. Wenn wir verlieren, ist plötzlich der Trainer schlecht.“

Kapitänin Rasheedat Ajibade (26, PSG) wiederum warb vor dem Spiel gegen Südafrika um Rückhalt aus der Heimat. Gleichzeitig sagte sie, was viele verschiedene Spielerinnen und Trainer*innen rund um dieses Turnier geäußert haben, dass nämlich der afrikanische Fußball der Frauen insgesamt deutlich zugelegt und sich in den letzten Jahren rasant entwickelt habe: „Wir sehen jetzt, dass sich die Realität verändert hat. Das wird kein Spaziergang mehr.“

Ihr Trainer stimmte ihr zu: „Alle investieren viel, um sich weiterzuentwickeln. Diese Tatsache sollte uns bewusst werden. Wir müssen viel tun, um sicherzustellen, dass wir nicht nur auf dem Stand bleiben, auf dem wir sind, sondern versuchen, uns auch weiter zu verbessern.“

Brasilien 2027 wird die erste FIFA-WM ohne Nigeria

Das Spiel gegen Südafrika ging dann allerdings verloren, Banyana Banyana gewann mit 2:1 und darf dadurch selbst weiter auf die WM hoffen. Nigeria hingegen verpasst erstmals überhaupt eine Weltmeisterschaft. Bisher waren die Super Falcons bei jedem Turnier seit 1991 dabei.

Im Anschluss an eine chancenarme erste Halbzeit hatte Thembi Kgatlana Südafrika nach einem schnellen Konter in der 56. Minute in Führung gebracht, ehe Refiloe Jane in der 76. Minute nach einem abgewehrten Ball aus dem Gewühl heraus auf 2:0 erhöhte. Südafrikas Torhüterin Kaylin Swart wurde völlig zurecht zur Woman of the Match gewählt, unter anderem für eine starke Parade gegen einen Kopfball von Uchenna Kanu.

Erst tief in der Nachspielzeit gab es für Nigeria noch mal Hoffnung: Nach VAR-Check gab es Foulelfmeter wegen Handspiels von Jane, die dafür mit Gelb-Rot vom Platz flog und Christy Ucheibe verwandelte zum 2:1-Anschlusstreffer und letztlich auch Endstand. Für eine echte Schlussoffensive reichte die Zeit nicht mehr.

Der nigerianische Verband, der sich in den letzten Jahren an die Leistungen der Frauen geklammert hatte, ohne sie aber vollumfassend zu supporten, braucht ein Umdenken. Denn während die Männer mit mehr Ressourcen bereits die letzten beiden WMs verpasst hatten, galt die Qualifikation der Frauen bisher immer als sicher. Dazu, wenn ihr noch tiefer einsteigen möchtet, zum Schluss einige Textempfehlungen aus den letzten Tagen: einmal bei The Cutback und einmal bei ESPN (via Franzi <3 ).

Beitragsbild: Canva/CAF

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Annika Becker ist freiberufliche Journalistin und berichtet u.a. für sportschau.de und die taz über den Fußball der Frauen. Sie beleuchtet regelmäßig strukturelle Themen im Sport und ist Co-Autorin zweier Videobeiträge für die Sportschau. Seit 2022 ist Becker Teil der Jury des Guardian zur Wahl der „100 best female footballers in the world“. 2024 wurde sie vom Medium-Magazin auf den 6. Platz bei den Journalist*innen des Jahres im Sport gewählt. Seit 2022 ist Becker Teil der Crew von „FRÜF – Frauen reden über Fußball“, früher podcastete sie bei der „Halbfeldflanke“ über Schalker Taktik-Unzulänglichkeiten. Sie ist auch im Radio zu hören, z.B. im DLF oder als Expertin bei der BBC. An den Wochenenden findet man sie auch privat im Stadion, Beckers Fußball-Herz schlägt für den FC Schalke 04 und die SGS Essen.

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