Violetter Hintergrund, davor der Umriss des afrikanischen Kontinents und des Pokals des Women's Africa Cup of Nations, daneben mehrere Dollarbündel und eine stilisierte Hand, die ein Megaphon hält

Afrika-Cup: Wenn die Prämien nicht ankommen

Die Spielerinnen Ghanas fordern ausstehende Prämienzahlungen. Auch andere Teams sind im Rahmen des Afrika-Cups 2026 im Konflikt mit Verbänden oder Sportministerien.

Der Kontinentalverband CAF gab kurz vor dem Turnier bekannt, dass das Preisgeld für den Titelgewinn auf 2 Millionen US-Dollar (ca. 1,7 Millionen Euro) erhöht wurde. Ob und wie viel von dem Geld tatsächlich bei den Spielerinnen ankommt, ist aber in unschöner Regelmäßigkeit ein großer Streitpunkt, nicht nur beim Afrika-Cup. Rund um dieses Turnier gab und gibt es erneut mehrere öffentlich bekannte Fälle, in denen Spielerinnen und/oder Trainer*innen im Clinch mit ihren eigenen Verbänden oder Sportministerien liegen. Es geht um bessere Bedingungen, finanziell wie strukturell.

Besonders viel Öffentlichkeit bekommen gerade die Statements von Ghanas Spielerinnen über u.a. ausstehende Zahlungen und zu dem besseren Umgang und besseren Bedingungen, die sie für sich einfordern. Burkina Fasos Nationaltrainer Pascal Sawadogo äußert Gesellschaftskritik und Algeriens Spielerinnen sollen laut einer Recherche des Investigativjournalisten Romain Molina vom eigenen Verband mit dem Ende ihrer Karriere im Nationalteam bedroht worden sein. Ein mögliches Beispiel dafür wie es besser laufen kann gibt es aus Kamerun.

Ghanas Spielerinnen fordern ausstehende Zahlungen

Kurz vor dem Playoff-Spiel gegen Côte d’Ivoire haben die Spielerinnen der Black Queens in einem öffentlichen Statement via Instagram ausstehende Prämien eingefordert, darunter noch offene Zahlungen für Spiele aus dem Jahr 2025 in Ägypten, die Qualifikationsprämie für den Afrika-Cup sowie Gruppenphasen-Prämien und Tagegelder. Zusätzlich fordern sie bessere Betreuung und mehr Unterstützung für die mentale Gesundheit.

Das Sportministerium widersprach danach öffentlich und verwies auf unterschriebene Auszahlungsbelege für die Tagegelder und, dass die Prämie für die Gruppenphase folgen werde. Es gebe allerdings keine noch ausstehende Qualifikationsprämie für die Spiele gegen Ägypten, eine solche sei nicht vorgesehen.

Die Spielerinnen Ghanas antworteten darauf ihrerseits in einem neuen Statement am 13. August: Ihr offizielles Camp habe bereits am 11. Juli begonnen, das Ministerium rechne die Tagegelder aber erst ab dem 26. Juli. Bei den Prämien verweisen sie darauf, dass Ministerium und Minister im Vorjahr durchaus schon einmal eine Qualifikationsprämie ausgezahlt hätten, weshalb die jetzige Position sie überrasche.

Der Minister habe beim Training persönlich angekündigt, der Buchhalter bringe die Qualifikationsprämien für die Spiele gegen Ägypten mit, das seien dann 700 Dollar gewesen, nicht die ihnen kommunizierte Summe. Die Spielerinnen betonen, es gehe ihnen nicht um Sonderbehandlung, sondern um „bessere Behandlung“, und fragen abschließend, wann eigentlich zum ersten Mal ein eigenes Budget für die Black Queens bereitgestellt wurde. Abschließend wünschten sie sich selbst viel Erfolg für die Partie gegen Côte d’Ivoire.

Burkina Faso: Trainer Pascal Sawadogo packt aus

Burkina Faso belegte in er Gruppe B den letzten Platz, holte aber immerhin einen Sieg gegen Tansania. In einem Interview mit dem Fernsehsender RTB nach dem Ausscheiden äußerte sich Nationaltrainer Pascal Sawadogo offen über die schwierigen Bedingungen, unter denen er und sein Team arbeiten müssen. Ein Ausschnitt davon machte aufgrund seiner gesellschaftskritischen Aussagen in der französischsprachigen Fußball-Community online an verschiedenen Stellen die Runde:

„Ihr verliert die Frauen. Frauenfußball ist durch zwei Faktoren geprägt. Da sind die späte Heirat und die späte Mutterschaft. Wir Männer sind ein bisschen materialistisch. Es fließt kein Geld an eine Frau, ohne dass man weiß, was sie finanziell zu bieten hat, im Geschäftsleben, im Beruf, am Monatsende. Aber wenn [Spielerinnen ihre] Karriere beenden, sind das 2 Millionen Francs. Davon kann man sich nicht einmal ein Grundstück leisten. Deshalb sagen wir oft, es ist zwar wahr, dass es das Nationalteam ist. Aber was die Vergütung angeht: Wenn wir das Frauen-Nationalteam zu einem nationalen Kulturgut machen wollen, wenn sich die Burkinabé versammeln und die Spiele von ihrem Wohnzimmer aus verfolgen sollen, dann müssen wir uns besser vorbereiten können. Denn wenn wir so verlieren, verlieren wir selbst.“

Seit Sawadogos Amtsantritt 2021 habe es kein einziges Trainingslager für sein Team gegeben. Für die Qualifikation gegen Togo im Oktober war für das Hinspiel im Stade du 4-Août eine Siegprämie von 350.000 CFA-Francs (umgerechnet rund 534 Euro) und eine Vorbereitungsprämie von 250.000 CFA-Francs (381 Euro) vom Sportministerium zugesagt worden. Ausgezahlt wurden am Spieltag zunächst nur 100.000. Team und Verband entschieden sich, die Sache auf sich beruhen zu lassen und einfach beide Spiele zu bestreiten; nach dem 2:0-Sieg kam man mit einer „Korrektur“ auf 200.000 zurück, weiterhin deutlich unter der ursprünglichen Zusage.

Bewegend an dem Ausschnitt ist auch, dass die Moderatorin sagt, sie habe sich eigentlich darauf vorbereitet, Sawadogo aufgrund des Abschneidens seines Teams sehr kritisch zu befragen. Sie zeigt sich dann aber einfach nur schockiert ist über die Zustände und versteht, dass zu diesen Bedingungen einfach nicht mehr möglich ist.

Algerien: Drohte Verband mit Nicht-Berufung?

Noch vor dem Auftakt des Turniers gab es einen anderen Fall in Algerien. Dort hatten die Nationalspielerinnen ihre ausstehenden Qualifikationsprämien beim Verband FAF eingefordert, offenbar ermutigt vom Trainer, Farid Benstiti. Laut Recherchen des Investigativjournalisten Romain Molina, über die Afrik-Foot berichtete, sollen sie daraufhin sogar mit dem Ende ihrer Länderspielkarriere bedroht worden sein. So heftig unter Druck gesetzt, lenkten sie laut Molina in einem zweiten Schreiben ein. Ähnliche Zahlungsrückstände soll es auch bei der U17 und der Männer-A-Nationalmannschaft gegeben haben.

Während des laufenden Turniers veröffentlichte das Wirtschaftsmagazin Maghreb Émergent mögliche Gehaltszahlen der Spielerinnen und des Nationaltrainers Farid Benstiti. Dieser verdiene demnach zwischen 20.000 und 25.000 Euro im Monat. Mehr, als viele seiner Spielerinnen in ihren Vereinen im Jahr bekommen. Die meisten von ihnen verdienen ihr Gehalt in Frankreich. Für Verteidigerin Roselène Khezami (Marseille) werden etwa rund 2.000 Euro brutto im Monat angegeben. Prämienzahlungen aus internationalen Begegnungen würden für sie also einen sehr großen Unterschied machen.

Kamerun: Regierung dementiert Gerücht und macht Prämien öffentlich

Nach allem, was bislang bekannt ist, zeigt Kamerun, wie es auch anders gehen kann. Kurz vor dem Halbfinale gegen Marokko kursierten in den sozialen Medien Vorwürfe, die nicht von Spielerinnenseite kamen. Das kamerunische Sportministerium habe die Prämien der Spielerinnen einbehalten oder unterschlagen, wurde vielfach behauptet. Sportminister Narcisse Mouelle Kombi wies das scharf zurück und sprach von einer „böswilligen Desinformationskampagne“. Laut seiner Erklärung seien die Teilnahmeprämien (30 Millionen FCFA, rund 45.700 Euro pro Spielerin) bereits vollständig ausgezahlt, dazu kämen gestaffelte Erfolgsprämien von umgerechnet rund 12.200 Euro fürs Viertelfinale bis zu potenziell insgesamt 79.300 Euro pro Spielerin im Falle des Titelgewinns. Diese Zahlen machte er in der Mitteilung transparent, eine Beschwerde der Spielerinnen Kameruns ist wie gesagt bislang öffentlich nicht bekannt.

Immer wieder Proteste bei gleichzeitiger Entwicklung

Diese vier unterschiedlichen Schlaglichter auf die Situation der jeweiligen Teams macht deutlich, dass es noch sehr viel zu tun gibt. Es haben rund um den Women’s Africa Cup of Nations 2026 sehr viele Akteur*innen betont, dass sich der Fußball der Frauen auf dem afrikanischen Kontinent in den letzten Jahren rasant entwickelt hat, weil einige Verbände mehr für diese Entwicklung tun, indem sie Geld in bessere Bedingungen wie z.B. angemessene Trainingslager investieren. Das lässt sich an den Spielen deutlich ablesen und sorgt dafür, dass andere Verbände, wie der Nigerianische, aber dazu morgen mehr, von den anderen eingeholt werden. Gleichzeitig stehen diese Fälle, in denen Spielerinnen ihrem Geld hinterherrennen müssen und z.T. stark unter Druck gesetzt werden, wenn sie einfordern, was ihnen zusteht in scharfem Kontrast zu dieser sportlichen Entwicklung. Ob und wie sich das in den kommenden Jahren ändert, hängt u.a. davon ab, ob und wie Spielerinnen und Trainer*innen solche Themen künftig öffentlich ansprechen können, ohne dafür Konsequenzen befürchten zu müssen.

Beitragsbild: Canva/CAF

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Annika Becker ist freiberufliche Journalistin und berichtet u.a. für sportschau.de und die taz über den Fußball der Frauen. Sie beleuchtet regelmäßig strukturelle Themen im Sport und ist Co-Autorin zweier Videobeiträge für die Sportschau. Seit 2022 ist Becker Teil der Jury des Guardian zur Wahl der „100 best female footballers in the world“. 2024 wurde sie vom Medium-Magazin auf den 6. Platz bei den Journalist*innen des Jahres im Sport gewählt. Seit 2022 ist Becker Teil der Crew von „FRÜF – Frauen reden über Fußball“, früher podcastete sie bei der „Halbfeldflanke“ über Schalker Taktik-Unzulänglichkeiten. Sie ist auch im Radio zu hören, z.B. im DLF oder als Expertin bei der BBC. An den Wochenenden findet man sie auch privat im Stadion, Beckers Fußball-Herz schlägt für den FC Schalke 04 und die SGS Essen.

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