Die Essener Spielerinnen in ihren lila Trikots jubeln über ein Tor, in der Mitte umarmen sich Bröring und Spitzner.

SGS Essen gegen Eintracht Frankfurt II: Kurz falsch abgebogen, dann gewonnen

Nach dem Abstieg startete die SGS mit einem 3:1-Sieg gegen Eintracht Frankfurt II in die Saison 2026/27 der 2. Bundesliga. Spielbericht aus dem Stadion.

Auf dem Weg zum Spiel erlaubte sich das Leben einen kleinen Spaß mit den Zuschauer*innen der SGS Essen: Wegen einer Baustelle war die Zufahrt zum Stadion an der Hafenstraße auf einer Spur gesperrt, die Beschilderung aber unzureichend. So bogen viele Ankommende auf ihrem jahrelang gewohnten Weg zunächst in eine Sackgasse ab und mussten sich dann umorientieren. Hallo, zweite Bundesliga!

Zweitgrößtes Stadion-Publikum des Spieltags

Der Zweitliga-Auftakt endete für die SGS Essen mit einem überzeugenden 3:1 (2:1) gegen Eintracht Frankfurt II. Dazu kamen trotz Schwierigkeiten beim Dauerkartenversand und jeder Menge anderer aktueller Themen allein im Fußball 1.021 Zuschauer*innen im Stadion. Das ist nach dem Abstieg der letzten Saison, dem riesigen Umbruch und der – wenn man sich so umhört – durchaus nach wie vor vorhandenen Unzufriedenheit nicht selbstverständlich. Damit gelang bei den Besuchszahlen der zweithöchste Wert des 1. Spieltags, hinter dem offiziellen Eröffnungsspiel zwischen dem VfL Bochum und Aufsteiger Hertha BSC mit 2.002 Zuschauer*innen.

Essen startete mit einem 3-5-2 druckvoll und pressingstark und erspielte sich früh mehrere Chancen, darunter zwei Gelegenheiten für Anna Wirnsberger. Nachdem die Frankfurterinnen diese erste Druckwelle überstanden hatten, erspielten sie sich aus eigentlich ungefährlichen Situationen zwei Ecken und die Zweite war zum Zunge schnalzen. Mia Büchele zielte nämlich direkt aufs Tor, der Ball flog an allen vorbei und ging am langen Eck rein (8.). Der Jubel bei der SGE war groß und die Essenerinnen waren danach für mehrere Minuten sichtlich irritiert.

Das änderte sich ungefähr ab der 13. Minute wieder und dann dauerte es auch nicht mehr lang bis zum Ausgleich. Antonia Baaß steckte den Ball zentral in den Lauf von Laura Bröring, die auf die Frankfurter Abwehrkette zulief, ihre Gegenspielerinnen Eva Hell und Ronja Schaer stehen ließ und von halblinks zum 1:1verwandelte (17.).

Eine Gruppe von Spielerinnen der SGS und der SGE II versucht an einen hohen Ball zu kommen.
Das Spiel war intensiv und umkämpft, aber nicht unfair. Foto: IMAGO/Funke Foto Services

Nach dem Ausgleich entwickelte sich mehr und mehr eine einseitige Partie, in der die Frankfurterinnen es nur noch selten schafften, sich konsequent zu befreien, während Essen über die linke Seite mit Baaß oder Jule Schnieders Pässe aus dem zentralen Mittelfeld Dampf machte. Dabei ließen Lia Henkelmann und Kyra Spitzner durchaus einige gute Gelegenheiten liegen. Die von Leipzig gekommene Stürmerin verhielt sich dann in der 39. Minute aber sehr clever.

Ein Befreiungsschlag von Jule Schnieder segelte ungenau in Richtung Kyra Spitzner, deren Gegenspielerin Eva Hell den Ball nur auftupfen ließ, statt ihn zu klären. Spitzner nutzte den Moment, duckte sich unter dem Ball hindurch, drehte sich und sprintete los. Auch wenn die Frankfurter Abwehr sie noch einholte und der Abschluss vermutlich leicht abgefälscht wurde, rollte der Ball neben Janne Krumme vorbei ins Netz zum 2:1 (39.).

Doppelpack für Kyra Spitzner im ersten Spiel

Nach dem Seitenwechsel legte Essen nach: Joëlle Steiner brachte in der 53. Minute den Ball von der rechten Seite in den Strafraum, Bröring legte in der Mitte kurz zu Spitzner quer, die zu ihrem Doppelpack bei ihrem ersten Pflichtspiel im SGS-Trikot einschob. Danach verwaltete Essen die Führung kontrolliert und eine Zeit lang passierte recht wenig. In der Schlussphase musste Frankfurts Torhüterin Janne Krumme mit mehreren Paraden einen ansonsten höheren Rückstand verhindern. Die junge Keeperin überzeugte schon zuletzt bei der U19.

Die Spielerinnen der Eintracht sackten nach Abpfiff zum Teil deutlich frustriert auf dem Rasen zusammen. Nach 15 Abgängen und nur neun Neuzugängen im Sommer saßen bei nominell 25 Kaderspielerinnen gegen Essen lediglich vier Feldspielerinnen bei den Achtplatzierten der vergangenen Spielzeit auf der Bank.

Heleen Jaques von der Seite in schwarzer Trainingskleidung und mit Kappe hat beide Hände trichterförmig am Mund angesetzt und ruft etwas.
War im Spielverlauf immer wieder laut an der Seitenlinie vernehmbar: Essens Trainerin Heleen Jaques. Foto: IMAGO/Funke Foto Services.

Im Gegensatz dazu ließen sich die Spielerinnen der SGS von ihrem Heimpublikum feiern, während sich das Trainer*innen-Team im Hintergrund hielt. Das fast komplett neu zusammengestellte Team von Trainerin Heleen Jaques machte mit dem ersten Pflichtspiel auf jeden Fall Lust auf mehr. Auch wenn die SGE aktuell nicht der beste Gradmesser in dieser sowieso recht schwer einschätzbaren zweiten Liga ist, war der Sieg in seiner Entstehung spielerisch und taktisch verdient.

Für die SGS Essen geht es am kommenden Samstag (14 Uhr) auswärts bei Mitabsteiger Carl Zeiss Jena weiter, Eintracht Frankfurt II empfängt am Sonntag (ebenfalls 14 Uhr) zu Hause den FC Ingolstadt.

Beitragsbild: IMAGO/Fotografie73

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Annika Becker ist freiberufliche Journalistin aus Essen und berichtet u.a. für sportschau.de und die taz über den Fußball der Frauen. In ihrer Berichterstattung beleuchtet sie regelmäßig neben dem Sport selbst die strukturellen Themen im Sport und war dazu Co-Autorin von Videobeiträgen für die Sportschau. Seit 2022 ist Becker Teil der Jury des Guardian zur Wahl der „100 best female footballers in the world“. Im Jahr 2024 wurde sie vom Medium-Magazin auf den 6. Platz bei den Journalist*innen des Jahres im Sport gewählt. Seit 2022 ist Becker Teil der Crew von „FRÜF – Frauen reden über Fußball“, früher podcastete sie bei der inzwischen eingestellten „Halbfeldflanke“ über Schalker Taktik-Unzulänglichkeiten. Oder sie ist im Radio zu hören, zum Beispiel im DLF oder als Expertin bei der BBC. An den Wochenenden findet man sie auch privat meist im Stadion, denn Beckers Fußball-Herz schlägt für zwei Ruhrgebietsvereine: den FC Schalke 04 und die SGS Essen.

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