Luzie Zähringer im Zweikampf mit Alba Cerrato.

U19-EM: Spanien gewinnt fünften Titel in Folge

Das deutsche Team musste sich im Finale der U19-EM der Frauen mit 0:1 gegen Spanien geschlagen geben und wurde dabei von Torhüterin Janne Krumme noch lange im Spiel gehalten.

Im Finale von Sarajevo bei der U19-EM der Frauen 2026 in Bosnien und Herzegowina hoffte Deutschland auf den ersten Titel in diesem Turnier seit 15 Jahren, verlor am Ende trotz eines engagierten Auftritts der Spielerinnen aber verdient gegen überlegene Spanierinnen.

Deutschland mit der ersten guten Chance

Nach ihrer Gelbsperre im Halbfinale gegen Österreich stand Kapitänin Luzie Zähringer wieder in der Startelf und ersetzte Mia-Lena Maas in der Dreierkette. Zudem begann Leonie Köpp auf der rechten offensiven Seite anstelle von Paula Rintzner. Spaniens Trainer David Aznar veränderte sein Team im Vergleich zum 3:0-Sieg im Halbfinale gegen Schweden dagegen nicht.

Die ersten zehn Minuten gehörten dem DFB-Team. Bereits in der 3. Minute kam Laila Portella nach Vorlage von Börner aus etwa 17 Metern zum Abschluss, doch Spaniens Keeperin Laia López parierte sicher. Kurz darauf hatte Deutschland die bislang beste Gelegenheit der Partie: Nach einer Ecke von Lenelotte Müller köpfte Felicia Sträßer aufs Tor, López rettete, der Ball kam genau auf sie.

Danach übernahm Spanien zunehmend die Kontrolle und die deutsche Defensive wurde gefordert: Torhüterin Janne Krumme verhinderte gegen Celia Segura gleich zweimal den Rückstand, ehe auch Elene Gurtubay aus guter Position nur knapp am Tor vorbeischoss. Kapitänin Zähringer blockte in der 16. Minute stark einen Abschluss von Alba Cerrato aus kurzer Distanz.

Das Spiel kippte immer mehr in Richtung Spanien

Im weiteren Verlauf blieb Spanien das spielbestimmende Team. Rosalía Domínguez scheiterte aus kurzer Distanz an Krumme, Julia Torres köpfte eine Ecke über das Tor und kurz vor der Pause verpasste Ainoa Gómez nach einer Hereingabe von Emma Moreno nur um Zentimeter den Führungstreffer. Auch in der Nachspielzeit blieb es dabei: weder Cerrato noch die wegen Abseits abgepfiffene Rosalía kamen noch zum Erfolg.

Spaniens Kapitänin Irune Dorado läuft mit dem Ball von rechts nach links, von hinten versucht Deutschlands Laila Portella mit dem langen Bein an den Ball zu kommen.
Deutschland kam im Verlauf des Spiels bis auf wenige Phasen nur selten an den Ball und konnte diesen dann oft auch nicht lange halten, hier versucht Laila Portella Spaniens Kapitänin und spätere Torschützin Irune Doado vom Ball zu trennen. Foto: IMAGO/Aleksandar Djorovic.

Zur Pause stand es also durchaus etwas glücklich 0:0., nach starkem Beginn fand Deutschland gegen das spanische Pressing kaum noch Mittel zur Entlastung und war fast nur noch mit Abwehrarbeit beschäftigt.

Eine Ecke brachte die Führung für Spanien

Zur zweiten Halbzeit kam für Laila Portella als Einwechselspielerin Paula Rintzner ins Spiel und das brachte einen Formationswechsel mit sich. Rintzner sortierte sich bei gegnerischem Ballbesitz hinter der Doppelspitze aus Leonie Köpp und Helen Börner ein. Deutschland hatte wie in der ersten Hälfte zunächst eine gute Phase, aber es dauert nicht lange, bis Spanien erneut zu regelmäßigen Chancen kam, in der 53. Minute schoss Alba Cerrato aus guter Position knapp übers Tor. Die Abwehrreihe Deutschlands hatte immer wieder Probleme mit langen Bällen Spaniens.

Behringer reagierte und brachte in der 60. Minute Leni Eggert für Felicia Sträßer und damit eine starke Dribblerin. Allerdings gab es eine Ecke für Spanien, der halbhohe Ball von Rosalía Domínguez kam durch bis zu Kapitänin Irune Dorado am Fünfer, die aus dem Gewühl heraus ins rechte untere Eck zum 1:0 für die Titelverteidigerinnen verwandelte. Sie war ihrer Gegenspielerin mit einem klugen Lauf entwischt. Janne Krumme im deutschen Tor hatte keine Chance. Spaniens Führung war zu diesem Zeitpunkt längst überfällig.

In der 74. Minute wechselte erstmals auch Spaniens Trainer David Aznar und brachte für Angreiferin Celia Segura die Mittelfeldspielerin Adriana Folgado auf den Platz. Krumme parierte wenige Minuten später am kurzen Pfosten stark gegen Rosalía Domínguez und in der 79. Minute gab es dann einen Dreifachwechsel auf deutscher Seite für Helen Börner, Emma Memminger und Leonie Köpp kamen Tessa Zimmermann, Mia-Lena Maas und Elira Terakaj. Zimmermann verpasste kurz nach ihrer Einwechslung eine Freistoßflanke nur knapp mit dem Kopf. Aber danach ging es wieder nur in die andere Richtung.

Offizielle Spielerin des Turniers: Rosalía Domínguez

Am Ende blieb es beim 0:1 für die Spanierinnen, die damit jetzt bereits den fünften U19-EM-Titel in Folge erreicht haben und dabei so dominant spielten wie eh und je. Insgesamt acht Titel sind zudem zwei mehr als Deutschland, das vormals den Rekord stellte. Rosalía Domínguez wurde zudem als beste Spielerin des Turniers ausgezeichnet, sie hatte mit vier Torvorlagen die meisten der EM und war außerdem zusammen mit drei weiteren Spielerinnen mit drei Treffern eine der besten Torschützinnen.

Die Technische Beobachtungsgruppe der UEFA begründete das mit den folgenden Worten: „Während des gesamten Turniers stellte sie von der linken Seite eine ständige Gefahr dar und verband dabei ihre Fähigkeiten im Eins-gegen-Eins mit intelligenten Laufwegen, einer guten Abstimmung mit ihren Mitspielerinnen und hervorragenden Abschlussaktionen. Ihre Fähigkeit, die Breite zu halten, nach innen zu ziehen, Überzahlsituationen zu schaffen und in entscheidenden Momenten zu punkten, machte sie zu einer Schlüsselspielerin im spanischen Angriffsspiel, wobei sie zudem eine große defensive Einsatzbereitschaft zeigte.“

Der Blick auf das deutsche Abschneiden

Für den deutschen Jahrgang ist das Abschneiden beim Turnier zunächst einmal ein Erfolg, nachdem in den letzten beiden Jahren die K.O.-Runde nicht erreicht wurde und im vergangenen Jahr nicht einmal die Endrunde erreicht worden war. Viele von ihnen haben mit ihrem Einsatz und Talent auf sich aufmerksam machen können, im Finale war dies zum wiederholten Mal Torhüterin Janne Krumme, die bei weiterer Entwicklung sicherlich die Chance hat, in Zukunft auch eine Kandidatin für ganz große Aufgaben zu werden.

Sie sagte nach dem Spiel: „Wir sind gerade am Anfang richtig gut gestartet, hatten dann mit dem Eckball auch direkt eine große Möglichkeit, die wir leider nicht nutzen konnten. Spanien hat danach besser ins Spiel gefunden und wir sind nicht mehr gefährlich vors Tor gekommen. Dennoch war es für uns alle ein sehr besonderes Turnier. Ich freue mich natürlich, dass ich mit guten Leistungen der Mannschaft helfen konnte. Aber ich glaube, dass jede Einzelne von uns hier ihr Bestes gegeben hat, wir als Team richtig gut funktioniert haben und auch zu Recht im Finale standen. Wir haben alles gegeben.“

Verteidigerin Luzie Zähringer und Torhüterin Janne Krumme stehen nebeneinander auf dem Rasen, beide haben die Hände in die Hüften gelegt, und schauen in die Ferne, Krumme hat den Ball am Fuß liegen.
Spielten beide ein starkes Turnier: Bayern Münchens Innenverteidigerin Luzie Zähringer und Torhüterin Janne Krumme von Eintracht Frankfurt II, die Deutschland gegen Spanien im Spiel hielt. Hier während der Partie gegen Polen. Foto: IMAGO/Aleksandar Djorovic

Neben weiteren waren auch Felicia Sträßer und Helen Börner im Turnierverlauf auffällig, die nach einer schwierigen Saison im Verein Carl Zeiss Jena bei der EM in vielen Partien richtig viel Alarm machten und so befreit aufspielten, wie es nicht selbstverständlich ist.

Einige herausragende Spielerinnen dieser Altersklasse fehlten zudem verletzt, am offensichtlichsten war das vermutlich bei Lotta Wrede, die mit ihrer Ballsicherheit gerade im Finale sehr gutgetan hätte. Auf ihre Dribblings und individuelle Klasse über Außen war das Spiel während der Qualifikation bis zu ihrer Verletzung ausgerichtet gewesen. Dazu fehlte mit Rosa Rückert die kaltschnäuzige Torjägerin in der Spitze. All das versuchte das Team als ebensolches so gut es ging zu kompensieren.

Gleichzeitig machten sich bei diesem Turnier Dinge bemerkbar, die sich allgemein durch den deutschen Fußball zu ziehen scheinen, egal ob man beim DFB nun auf die Frauen oder die Männer schaut: Es fehlte nämlich ein spielerischer Fingerabdruck, eine DNA bei der Herangehensweise, die unabhängig ist von der reinen numerischen Anordnung der Aufstellung oder der individuellen Klasse einzelner Spielerinnen.

Das haben die anderen Teams dieser Endrunde besser gemacht. Bei Spanien ist das seit Jahren bekannt und offensichtlich, zumal es dort eine ganz bestimmte Philosophie in der fußballerischen Ausbildung gibt, die dann je nach tatsächlichem Bedarf abgerufen und vielleicht ein bisschen abgewandelt wird. Aber auch bei Polen, Österreich und Schweden war über mehrere Partien klar erkennbar, was der Plan ist und, dass es klare Muster gibt, auf welche die Spielerinnen zugreifen können, wenn es eng wird. Dagegen tat sich die deutsche U19 schon vor dem Finale immer wieder schwer damit, Lösungen zu finden, Dreiecke zu bilden, sich richtig anzubieten oder mal eine Steil-Klatsch-Situation aufzubauen. Das ist dann auch im Jugendfußball auf dem Niveau zu wenig und ein strukturelles Thema für Verbände und Vereine.

Beitragsbild: IMAGO/Aleksandar Djorovic.

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Annika Becker ist freiberufliche Journalistin aus Essen und berichtet u.a. für sportschau.de und die taz über den Fußball der Frauen. In ihrer Berichterstattung beleuchtet sie regelmäßig neben dem Sport selbst die strukturellen Themen im Sport und war dazu Co-Autorin von Videobeiträgen für die Sportschau. Seit 2022 ist Becker Teil der Jury des Guardian zur Wahl der „100 best female footballers in the world“. Im Jahr 2024 wurde sie vom Medium-Magazin auf den 6. Platz bei den Journalist*innen des Jahres im Sport gewählt. Seit 2022 ist Becker Teil der Crew von „FRÜF – Frauen reden über Fußball“, früher podcastete sie bei der inzwischen eingestellten „Halbfeldflanke“ über Schalker Taktik-Unzulänglichkeiten. Oder sie ist im Radio zu hören, zum Beispiel im DLF oder als Expertin bei der BBC. An den Wochenenden findet man sie auch privat meist im Stadion, denn Beckers Fußball-Herz schlägt für zwei Ruhrgebietsvereine: den FC Schalke 04 und die SGS Essen.

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