Paula Rintzner und Sophie Hoke im Kampf um den Ball.

U19-EM: Deutschland erreicht Finale gegen Spanien

Deutschland steht dank des Treffers von Tessa Zimmermann in der Verlängerung im U19-EM-Finale gegen Spanien. Beide Halbfinal-Partien in der Zusammenfassung.

Deutschland – Österreich 1:0 n.V.

Vor dem Spiel: So startete Deutschland

Da Abwehrchefin Luzie Zähriger gelbgesperrt fehlte, rückte Mia-Lena Maas vom SC Freiburg rechts in die Dreierkette im erprobten 3-4-3 und Lina Száraz auf die zentrale Position von Zähringer. Maas stand bereits in den ersten beiden Gruppenspielen in der Startelf und wurde gegen Schweden eingewechselt. Mit Maj Schneider übernahm eine andere Freiburgerin in Abwesenheit von Zähringer die Kapitäninnenbinde. Im Interview mit dem DFB erwartete Schneider vor dem Spiel von Österreich eine „richtig unangenehme Mannschaft. Sie sind zweikampfstark und können gut kontern.“ Die fehlende Zähringer bezeichnete sie als „Taktgeberin“.

Österreich: Erstmals im U19-EM-Halbfinale

Die Österreicherinnen waren bereits für das Halbfinale qualifiziert, als sie im letzten Gruppenspiel knapp mit 1:2 gegen Spanien verloren. Eigentlich hatte Markus Hackl sein Team mit Blick auf das nächste Spiel laut eigener Aussage ein wenig schonen wollen und rotierte kräftig. Es ergab sich aber dennoch eine sehr enge Partie, weil Spanien Schwierigkeiten mit dem Pressing der Gegnerinnen hatte.

Die Österreicherinnen hatten so beste Möglichkeiten auf ein Unentschieden, beispielsweise durch einen Alutreffer. „Wir müssen an unserer grundsätzlichen Idee nicht viel ändern, sondern wollen genauso spielen, wie wir in den anderen Spielen, sprich Druck zu erzeugen und Deutschland zu Fehlern zwingen“, so Hackl. Er ist seit 2024 Coach der U19 und U20 und hat seit 2016 verschiedene Positionen im weiblichen Nachwuchsbereich des ÖFB innegehabt.

Bitter für sein Team war die Knieverletzung von Mittelfeldspielerin Sara Grabovac gegen Ende des Spiels, zumal Anna Osl sich früh im Turnier bereits einen Kreuzbandriss zugezogen hatte. Lars Søndergaard, Österreichs Teamchef des A-Nationalteams, unterstützt das Team vor Ort, er erwartete laut ÖFB ein „enges Spiel auf Augenhöhe, das in beide Richtungen gehen kann.“

Zurück in die Startelf rückten Kapitänin Valentina Illinger, Maja Keckeis, Ronja Leidler und Alina Kerschbaumer in der Abwehr sowie Valentina Pötzl und Teresa Frizberg im Mittelfeld.

Viele Fouls, aber keine Tore in der regulären Spielzeit

Deutschland machte mit Anpfiff in den ersten zehn Minuten früh Druck, danach war Österreich stabiler in der Partie. Es entwickelte sich ein Geduldsspiel. Deutschland hatte zwar konstant mehr vom Ball, kam aber kaum in wirklich gefährliche Positionen, weil die Gegnerinnen alles dicht hielten. Die beste Gelegenheit hatte Laila Portella erst in der 32. Minute nach einem tollen Solo-Lauf von Helen Börner über die rechte Seite, nachdem diese den Ball von der Grundlinie in den Rückraum gelegt hatte. Allerdings ging Felicia Sträßer gleichzeitig zum Ball und letztendlich störten sich beide gegenseitig.

Deutschlands Helen Börner schirmt den Ball ab gegen Ella Herbst.
Ein umkämpftes Geduldsspiel. Foto: IMAGO/Aleksandar Djorovic

Österreichs Kapitänin Valentina Illinger musste in der 39. Minute ausgewechselt werden, für sie kam Anika Hofschweiger positionsgetreu auf der rechten Abwehrseite. Die Partie wurde danach immer ruppiger und Chancen blieben Mangelware: In der 43. Minute flankte Sträßer aus dem Halbfeld auf Memminger. Österreichs Torhüterin Vivien Grabenhofer tauchte ab und hielt den Ball sicher vor der Linie fest.

Nach der Pause schickte Helen Börner mit einem Steilpass Emma Memminger ins Eins-gegen-Eins mit Torhüterin Grabenhofer, die gerade so vor der Angreiferin an den Ball kam. Ansonsten ging die Partie genauso weiter wie zuvor, inklusive der Nickeligkeiten und Fouls. Dazu kamen einige Wechsel auf beiden Seiten, die aber nicht viel veränderten, es fehlten die Ideen. Memminger probierte es in der 88. Minute aus der Distanz, schoss aber übers Tor. Auf der anderen Seite zischte Denise Luegers Versuch ebenfalls knapp am Kasten vorbei. Nach 90 Minuten stand es nach Torschüssen 13:6 für Deutschland, nur waren all diese Versuche zu ungefährlich gewesen.

In der 109. Minute der Verlängerung war es dann eine der vielen deutschen Ecken (Verhältnis bis dahin 11:2), die das 1:0 durch Tessa Zimmermann brachte. Die Frankfurterin stand am zweiten Pfosten in Erwartung des langen Balls von Müller, ging leicht in die Knie und nickte den Ball direkt neben dem Pfosten ein. Zimmermanns Tor war der 50. Treffer des laufenden Wettbewerbs und brachte der deutschen U19 den zwölften EM-Finaleinzug und den Ersten seit 2023. Den letzten Titel gab es im Jahr 2011, damals ging es gegen Italien. Dieses Mal wird gegen Spanien gespielt, Anpfiff ist am Freitag um 18 Uhr.

Spanien – Schweden 3:0 (1:0)

Handshake von David Aznar und Briana Campos.
Handshake der beiden Trainer*innen David Aznar und Briana Campos vor dem Spiel. Foto: IMAGO/Bildbyran.

Im ersten Halbfinale des Tages setzten sich – beobachtet von A-Nationaltrainerin Sonia Bermúdez auf der Tribüne in Zenica – die Spanierinnen mit 3:0 gegen die Schwedinnen durch. Diese liefen schon aber 3. Spielminute einem 0:1-Rückstand hinterher und taten sich schwer damit, den Schalter von ihrer sonst defensiven Spielweise gegen gewohnt spielerisch dominant auftretende Spanierinnen so richtig umzulegen. Schweden hatte im ganzen Spiel nur zwei Schussversuche. So fielen die Tore:

3. 1:0 Vorlage von Rosalía Domínguez, sie passte zu Alba Cerrato links im schwedischen Sechzehner, die sich einmal um sich selbst drehte und den Ball dann in einem schönen Bogen ins obere lange Eck setzte, Torhüterin Karlsson hatte keine Chance gegen die Mittelstürmerin des FC Sevilla.

60. 2:0 Wieder war Rosalía Domínguez involviert, dieses Mal sogar als Torschützin und mit Cerrato als Vorlagengeberin. Beim Konter aus der eigenen Hälfte spielte Alba Cerrato auf Rosalía und wieder war der Abschluss absolut sehenswert, mit viel Gefühl und Effet ins rechte obere Eck. Die 17-Jährige hat bereits zwei Einsätze für Barcelona.

64. 3:0 Schon wieder Vorlage von Rosalía Domínguez, ihre Flanke von links köpfte Ainoa Gómez aus kurzer Distanz humorlos ins schwedische Tor. Spätestens durch diesen Doppelschlag innerhalb weniger Minuten war die Partie für Schweden gegessen, zumal die Spanierinnen defensiv umsichtig agierten.

Spanien hat damit zum fünften Mal in Folge das Finale der U19-EM erreicht und seinen zwischen 2014 und 2018 eingestellt, Ziel ist jetzt der fünfte Titel in Folge.

Beitragsbild: IMAGO/Aleksandar Djorovic.

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Annika Becker berichtet als freiberufliche Journalistin unter anderem für sportschau.de über die Bundesliga der Frauen und beleuchtet die strukturellen wie sportlichen Themen im Fußball. Seit 2022 gehört sie zur Jury des Guardian für die Wahl der „100 Best Female Footballers In The World“. Becker ist Teil der Crew von „FRÜF – Frauen reden über Fußball“, ansonsten ist als Expertin zum Beispiel im DLF oder bei der BBC zu hören - und natürlich bei "Becker & Pfeiffer - Der Fußballpodcast". An den Wochenenden findet man sie auch privat meist im Stadion, denn Beckers Fußball-Herz schlägt für zwei Ruhrgebietsvereine: den FC Schalke 04 und die SGS Essen.

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