Jubel beim Abpfiff gegen Schweden, die deutschen U19-Spielerinnen klatschen miteinander ab.

Deutschlands U19 gewinnt gegen Schweden und steht im EM-Halbfinale

Im letzten Gruppenspiel der U19-EM der Frauen traf Deutschland in Zenica auf Schweden und holte sich die Tabellenführung. Im Halbfinale geht es gegen Österreich oder Spanien.

Deutschland: Száraz und Rintzner in der Startelf

Vor dem Spiel lagen die Schwedinnen mit sechs Punkten auf dem ersten Tabellenplatz, während Deutschland durch das Unentschieden gegen Polen mit vier Punkten auf dem zweiten Platz stand. Bei Deutschlands 3-4-3, angeführt von Kapitänin Luzie Zähringer, gab es gegenüber der letzten Partie gegen Polen zwei Änderungen in der Startelf: Lina Száraz ersetzte Mia-Lena Maas in der Dreierkette, und Paula Rintzner startete anstelle von Tessa Zimmermann in den Sturm. Maria Penner saß zudem zumindest wieder auf der Bank, nachdem sie gegen Polen nicht hatte mitwirken können.

Schweden: Mexikanische Trainerin und viel Rotation

Trainerin der Schwedinnen ist die 32-jährige ehemalige mexikanische Nationalspielerin Briana „Bri“ Campos, die ihre Vereinskarriere bei verschiedenen Vereinen in Schweden verbracht hat und seit September 2025 für die U18 und die U19 zuständig ist. Auffällig in ihrem Team bislang war die erst 16-jährige Torhüterin Hanna Karlsson, die allerdings dieses Mal auf der Bank saß. Campos wollte der anderen Torhüterin Saga Andersson unbedingt ihr EM-Spiel geben, sie war als einzige aus dem Kader bisher nicht eingesetzt worden.

Schwedens U19 Trainerin Briana Campos sitzt auf der Bank, ein Bein über das andere gelegt und beobachtet das Spiel.
Briana Campos beim EM-Spiel gegen Polen vor ein paar Tagen. Foto: IMAGO/Bildbyran

Insgesamt gab es bei Schweden erneut viele Wechsel in der Startelf: Tilde Karlsson und Olivia Okara kamen in der Abwehr in die Startformation, Nova Selin und Nathalie Staaf erhielten im Mittelfeld den Vorzug und Agnes Ekberg startete im Sturm. Filippa Andersson Widén, die gegen Bosnien einen Doppelpack erzielte, fehlte dagegen im Kader. Taktisch zeigte Schweden bisher beim Turnier einen Fokus auf einen tiefen Defensivblock und Konterspiel. Gegen Deutschland ordnete sich der tiefstehende Block in einem 5-2-3 an, offensiv verschob sich das Ganze zu einem 3-4-3.

Viele der Spielerinnen sammeln regelmäßig Minuten in der Damallsvenskan, Außenverteidigerin Tilde Karlsson und Mittelfeldspielerin Fanny Peterson standen sich mit ihren Vereinen im Finale des UEFA Women’s Europa Cups 2026 gegenüber.

Erste Halbzeit

Die Schwedinnen hatten in der vierten Minute mit Agnes Ekberg zwar den ersten Vorstoß des Spiels, aber es zeichnete sich schnell ab, dass Deutschland wie erwartet mehr vom Ball haben und Mittel gegen die sehr kompakt stehenden Schwedinnen würde finden müssen. Eingestellt auf ein Geduldsspiel fiel dann aber doch schon in der 12. Minute das 1:0 per Elfmeter: Tilde Karlsson foulte Emma Memminger, Laila Portella trat an, schickte Schwedens Keeperin Andersson in die falsche Richtung und verwandelte unten rechts ins Eck.

Die Schwedinnen, sowieso schon für das Halbfinale qualifiziert, änderten zunächst nichts an ihrer Herangehensweise, hatten allerdings in der 22. Minute einen gefährlichen Vorstoß über Ekberg. Sie zog von rechts aus spitzem Winkel ab, der Ball ging abgefälscht von Zähringers Hacke zur Ecke ins Aus. Ähnliche Nadelstiche gab es vereinzelt immer wieder, wenn der deutsche Spielaufbau abgefangen wurde.

Die DFB-Auswahl übte sich in Geduld und wollte gegen die konterstarken Schwedinnen nicht zu viel Risiko gehen – das führte allerdings auch dazu, dass mancher Spielzug etwas zu lang dauerte. Die Verbindung aus der Abwehr ins Mittelfeld war häufig zu, immer wenn Paula Rintzner sich ins zentrale Mittelfeld fallen ließ, kamen Bewegung und Dynamik rein. In der 40. Minute hatte sie zudem mal Platz auf dem rechten Flügel für einen gefährlichen Sololauf. Lenelotte Müllers Schuss am Ende dieser Aktion ging aber über das Tor.

Luzie Zähringer passt einen Ball mit der Innenseite, hinter ihr lauert die schwedische Stürmerin.
Luzie Zähringer am Ball vor Agnes Ekberg. Zähringer wird das Halbfinale aufgrund einer Gelbsperre verpassen. Foto: IMAGO/Bildbyran

Weil Schwedens Torhüterin Saga Andersson zwischendurch nach einem Zusammenprall länger behandelt werden musste, gab es vier Minuten Nachspielzeit. Die Schwedinnen versuchten sich an einer Schlussoffensive für den Ausgleich und wieder zeigte Ekberg einen ihrer gefährlichen Läufe, verzog aber ihren Abschluss.

Zweite Halbzeit

Nach der Pause ging es ohne Wechsel weiter. Deutschland hatte gleich Glück, dass Nova Selin in der 50. Minute allein vor Torhüterin Janne Krumme nicht mehr an die flache Flanek von Klingspor kam, es wäre vermutlich der sichere Ausgleich gewesen. Kurz darauf war es dann wieder die schon vorm Elfmeter negativ auffällige Tessa Karlsson, die den Schwedinnen einen Bärendienst erwies: Im Zweikampf an der Auslinie mit Helen Börner wurde sie mit Rot vom Platz gestellt. Ganz auflösen ließ es sich nicht, es wirkte in der Übertragung aber so, als habe sie Börner an den Haaren gezogen: Tätlichkeit. Karlsson ging ohne Beschwerde vom Platz.

Behringer wechselte: Leni Eggert und Leonie Köpp kamen für Sträßer und Portella und das Spiel tröpfelte etwas vor sich hin. Aber dann gab es einen schönen Spielzug über die rechte Seite: Paula Rintzner setzte sich auf dem Flügel auf Höhe der Mittellinie gut durch, drehte sich um ihre Gegenspielerin und passte in die Tiefe auf Helen Börner, die nach innen kurvte und querlegte auf Maj Schneider. Die Freiburgerin machte mit ihrem 2:0 den Deckel auf das Spiel. Angestachelt von diesem Erfolg und mit etwas mehr Platz als vorher wollte die DFB-Auswahl jetzt mehr. Einige weitere Wechsel nahmen andererseits den Rhythmus auch wieder etwas raus. Rintzner hatte in der 78. Minute einen Versuch aus aussichtsreicher Position, der Ball kam aber zu zentral. Danach verlief das Spiel ohne größere Ereignisse. Insgesamt tat sich Deutschlands U19 sowohl gegen Polen als auch gegen Schweden teilweise sehr schwer im Spiel mit Ball, hat sich aber mit dem Weiterkommen aber zum 19. Mal das Halbfinale erarbeitet.

Spielerinnen des Spiels

Deutschland: Paula Rintzner

Die 18-jährige Mittelfeldspielerin von FC Bayern München II wurde kurz vor dem Turnier von Melanie Behringer herausgehoben, als eine Akteurin, die man auf dem Zettel haben sollte. Das hat die umtriebige Rintzner ihren bisherigen Auftritten bei dieser EM deutlich bestätigt. Ihre Aufgabengebiete bei der U19 liegen auf dem rechten Flügel und im zentralen Mittelfeld, sie hat ein gutes Gespür dafür, welcher Raum gerade besetzt werden sollte und ist zudem recht durchsetzungsstark, kann das Spiel sowohl mit als auch ohne Ball durch ihre Bewegungen schnell machen.

Schweden: Nova Selin

Nova Selin von vorne in der Laufbewegung mit Blick auf den Ball, der links im Bild in der Luft hängt.
Vielseitig: Schwedens Nova Selin. Foto: IMAGO/Bildbyran

Die 18-jährige von AIK Fotboll ist nur schwer vom Ball zu trennen, selbst dann, wenn gleich mehrere Gegenspielerinnen sie unter Druck setzen. Dadurch wurde die Spielerin mit der Rückennummer 10 sie auf der linken Seite des Spielfelds zum Dreh- und Angelpunkt für Schwedens Offensivbemühungen. Sie zog sich wie ihre Kolleginnen beim Verteidigen tief in die eigene Hälfte zurück und war nach Ballgewinn aufgrund ihrer Pressingresistenz häufig erste Anspielstation. Sie ließ ihre Gegenspielerinnen mit kurzen Drehungen ins Leere laufen und versuchte dann Konter einzuleiten. In der 50. Minute fehlten nur Zentimeter und sie hätte den Ball zum Ausgleich ins Tor grätschen können.

Wie geht es weiter?

Im Parallelspiel trennten sich Polen und Bosnien und Herzegowina mit 5:1 (3:0), Deutschland übernahm also die Tabellenführung von Schweden und die Polinnen konnten nicht mehr vorbeiziehen.

Die Spiele der Gruppe B finden morgen um 17 Uhr statt, Spanien trifft auch Österreich und Island auf die Schweiz. Die Österreicherinnen führen die Tabelle nach zwei Siegen an, die Spanierinnen stehen mit vier Punkten dahinter, dann entscheidet sich also endgültig, auf wen Deutschland im Halbfinale treffen wird. Dabei wird Melanie Behringer auf Luzie Zähringer verzichten müssen, weil diese eine Gelbsperre absitzen muss.

Beitragsbild: IMAGO/Bildbyran

Written by 

Annika Becker berichtet als freiberufliche Journalistin unter anderem für sportschau.de über die Bundesliga der Frauen und beleuchtet die strukturellen wie sportlichen Themen im Fußball. Seit 2022 gehört sie zur Jury des Guardian für die Wahl der „100 Best Female Footballers In The World“. Becker ist Teil der Crew von „FRÜF – Frauen reden über Fußball“, ansonsten ist als Expertin zum Beispiel im DLF oder bei der BBC zu hören - und natürlich bei "Becker & Pfeiffer - Der Fußballpodcast". An den Wochenenden findet man sie auch privat meist im Stadion, denn Beckers Fußball-Herz schlägt für zwei Ruhrgebietsvereine: den FC Schalke 04 und die SGS Essen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert