
USWNT: Trinity Rodman, Sophia Wilson und Mallory Swanson erstmals wieder vereint
Erstmals seit dem Olympia-Gold 2024: Trinity Rodman, Sophia Wilson und Mallory Swanson stehen wieder gemeinsam im Kader der USA. Die drei sprachen über ihre besondere Verbindung, Mutterschaft und die anstehenden Auswärtsspiele gegen Brasilien.
604 Tage. So lange ist es her, dass Trinity Rodman (24), Sophia Wilson (25) und Mallory Swanson (28) zuletzt gemeinsam für die USA auf dem Platz standen. Es war der 10. August 2024, das olympische Goldmedaillenspiel in Paris gegen Brasilien, wir berichteten damals von vor Ort im Podcast. Gegen die Gastgeberinnen der im kommenden Jahr anstehenden WM geht es für das US-Nationalteam auch jetzt, und zwar gleich zweimal, am Samstag in São Paulo (06.06., 23:30 Uhr deutscher Zeit) und am Dienstag (bzw. Mi., 10.06., 02:30 Uhr deutscher Zeit) in Fortaleza. Nachteulen hierzulande können beide Spiele bei Sky sehen.
Der Kader des USWNT soll bis zur WM 2027 noch an Erfahrung gewinnen. Nur drei haben mehr als 100 Länderspiele vorzuweisen: Lindsey Heaps (170), Rose Lavelle (116) und Emily Sonnett (113). Und nur zwei haben zwischen 50 und 100 Einsätze, nämlich Naomi Girma (mit genau 50) und Emily Fox (71). Für Trinity Rodmans wäre ihr nächster Einsatz allerdings ihr 50. Spiel.
Beim Pressecall am Mittwoch saßen Rodman, Wilson und Swanson nebeneinander. Und die Stimmung ließ keinen Zweifel daran, dass bei dieser Reunion die Freuden-Funken sprühen.
Trinity Rodman: „Meine Schwestern sind zurück“
Auf die Frage, wie es sich anfühle, nach so langer Zeit wieder zusammen im Kader zu sein, sagte Rodman: „Ich freue mich sehr, sie wiederzuhaben, besonders abseits des Platzes. Ihre Persönlichkeiten sind einfach toll fürs Team, und meine Schwestern einfach wiederzuhaben ist großartig.“ Auf dem Platz fügte sie hinzu, sei die Verbindung sofort wieder da gewesen.
Wilson, die im Frühjahr bereits ins Nationalteam zurückgekehrt war, beschrieb, wie das Trainer*innen-Team dieses Comeback vorbereitet hatte: „Sie haben in der Zeit, in der Mal und ich weg waren, wirklich viel geleistet, um sicherzustellen, dass wir auf dem aktuellen Stand sind, dass es sich anfühlt, als hätten wir keinen Schritt verpasst, wenn wir zurückkommen, und wir einfach wieder loslegen können.“
Für Swanson (ehem. Pugh) war Mittwoch erst der zweite Tag zurück beim USWNT. „Es war schon viel, aber es war auch unglaublich aufregend alle wiederzusehen und wieder auf den neuesten Stand zu kommen“, sagte sie.
Vertrauen und Geduld
Viel Lob hatten alle drei für Cheftrainerin Emma Hayes und deren Umgang mit ihren langen Abwesenheiten. Es sei nicht nur an sich angenehm, ab und zu kontaktiert zu werden, sagte Rodman. Es gebe auch das Gefühl, in alles eingebunden zu sein. „Emma macht einen wirklich guten Job, keinen Druck zu erzeugen und keine zu hohen Erwartungen zu stellen, wenn wir zurückkommen. Sie unterstützt uns, wenn wir zurück in dieser Umgebung sind. Sie geht es sehr langsam an, gibt uns nicht zu viel Verantwortung auf einmal und lässt uns einfach erst mal ankommen. Das habe ich bei mir erlebt, und jetzt auch bei Soph und Mal. Es ist beeindruckend zu sehen, welches Vertrauen sie in uns hat und gleichzeitig, wie viel Geduld.“

Hayes selbst hatte die Rückkehr des Trios bei der Kaderbekanntgabe klar eingeordnet: Die drei hätten sich Kredit erarbeitet. Man habe mit ihnen eine Goldmedaille gewonnen. Jetzt gehe es darum, ihre Verbindung untereinander neu aufzubauen.
Wilson und Swanson: Mutterschaft und Brasilien-Reise
Während es bei Rodmans Ausfallzeit im Jahr 2025 um Verletzungen ging, waren Swanson und Wilson jeweils in Mutterschutz, ihre Töchter Josie und Gigi sind ein paar Monate alt. Beide Spielerinnen gehören zu einer neuen Generation, die – dank mancherorts stark verbesserter Bedingungen – sehr selbstbewusst Elternschaft und Fußball verbindet und eben nicht bis nach der Karriere abwartet. Dafür hagelte es an diesem sonderbaren Ort namens Internet teilweise höchst übergriffige Kritik, so als würden die Spielerinnen der Allgemeinheit schulden für ihre Fußballerinnen-Karriere und besonders das US-Nationalteam alles andere hintenan stellen zu müssen. Zum Glück interessiert das weder Wilson noch Swanson. Aber neu ist für sie die Erfahrung, erstmals nach der Geburt mehrere Tage ohne ihre Kinder zu sein. Aufgrund der langen Anreise nach Brasilien blieben die beiden Töchter zu Hause.
„Mal und ich haben in den letzten sechs und neun Monaten buchstäblich jede wache Stunde mit unseren Babys verbracht, also ist es definitiv schwer, weg zu sein“, sagte Wilson. „Ich glaube, es sind die Stunden, in denen man nicht beschäftigt ist, in denen es besonders hart ist. Aber ihre Väter verbringen gerade sehr wertvolle Zeit mit ihnen, sie werden geliebt und gut versorgt, das müssen wir uns einfach immer wieder sagen.“
Swanson, die neben Wilson saß, lachte dabei sichtlich berührt.
Rodman ließ sich grinsend seitlich auf den Schoß ihrer beiden Mitspielerinnen fallen: „Dann bin ich so lange euer Baby!“
Warum ausgerechnet jetzt Brasilien?
Die USA reisen rund ein Jahr vor großen Turnieren traditionell in die Austragungsländer. Das wird seit 2003 so gemacht, weil die daraus gezogenen Erfahrungswerte als wertvoll und Erfolgs-fördernd gesehen werden. „Ich glaube, jedes Mal, wenn wir in einem Umfeld sein können, das repliziert, wie es beim Turnier aussehen wird, ist das unglaublich wichtig“, sagte Wilson. „Es gibt so viele Faktoren, an die man vielleicht nicht denkt, an die wir uns anpassen und mit denen wir uns wohlfühlen müssen. Oder eben lernen, uns mit dem Unwohlsein wohlzufühlen. In Brasilien zu spielen, vor diesen Fans, mit dieser Energie, in einem Land, das Fußball lebt und atmet ist wertvoll für uns.“
São Paulo und Fortaleza, die Spielorte dieser Länderspielreise, sind auch WM-Austragungsorte 2027. Für die müssen sich die USA allerdings noch qualifizieren. Dafür reicht ein Sieg gegen El Salvador in der CONCACAF Championship voraussichtlich im November, weil alle Halbfinalistinnen zur WM fahren.
Über den Gegner: vorsichtig formuliert
Auf detaillierte Fragen zum brasilianischen Team antworteten die drei wie oft üblich eher zurückhaltend. „Brasilien ist immer ein sehr schwieriger Gegner“, sagte Rodman. „Ich denke, das Wichtigste für uns ist die Spielkontrolle. Sie sind mental sehr stark. Sie sind gut darin, Standardsituationen und Einwürfe zu erzwingen.“ Darüber würde Brasilien den Takt des Spiels vorgeben wollen. „Also wird es wichtig sein, das Spiel in unserem Sinne zu kontrollieren und den Ball im Spiel zu halten. Sie sind talentiert, sehr aggressiv, und sie starten immer sehr schnell. Wie wir gegen sie ins Spiel kommen, wird entscheidend sein.“
Einzelspielerinnen wolle sie nicht hervorheben: „Das ist sehr schwierig, weil sie als Kollektiv wirklich gut spielen. Fast jede auf dem Platz kann ein Tor schießen und eine gefährliche Chance kreieren. Sie sind sie alle ziemlich gefährlich.“
Verbale Steilvorlagen
Und dann war da noch der Spitzname. Fast keine Frage kam Anfangs ohne die Erwähnung des selbst gegebenen Spitznamens „Triple Espresso“ aus. Die drei Spielerinnen schienen sich darüber untereinander ein bisschen lustig zu machen und verübeln kann man ihnen das angesichts solcher Knallerfragen nicht: Wie sie diese „kollektive Identität“ inzwischen angenommen hätten, während sie gleichzeitig Individuen seien? Oder ist es einfach ein lustiger Name unter Freundinnen?
Sophia Wilson setzte zuerst zur Antwort an: „Ich finde, es ist einfach ein lustiger Name unter….“ Kurze Pause. „Einfach allen!“
Auflachen von Rodman.
Wilson: „Ich glaube, wir machen einen guten Job, unsere eigene Identität zu bewahren und so aufzutreten. Jede von uns bringt das ein, was sie ausmacht. Und dabei harmonieren wir im Spiel auch noch wirklich gut zusammen. Also, der Name hat sich einfach so ergeben, und ist dann…“
Rodman: „…komplett abgegangen!“
Wilson: „… wie eine Rakete!“
Lachen von allen.
Die drei spielen sich die Bälle also auch verbal zu.
Beitragsbild: Screenshot aus dem Video-Call, Bildrechte: U.S. Soccer/Verizon.

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