
SGS Essen: Das sind die Neuzugänge im Kader
Bei der SGS Essen ist der Kaderumbruch nach dem Abstieg in die 2. Bundesliga riesig. Wir stellen euch die Neuzugänge vor und betrachten über den Sommer den Kader. Stand: 01.06.26, 16:35h
Allgemeines zur Situation nach dem Abstieg
Einen Abstieg zu verdauen ist immer schwer und kann auch bei den größten Frohnaturen mal eine Weile dauern. Dabei kommt es auch darauf an, wie die allgemeine Lage des betreffenden Vereins so ist. Den allerersten Abstieg nach 22 Jahren ununterbrochener Zugehörigkeit zur 1. Bundesliga der Frauen zu verdauen ist besonders hart. Lisa Seiler hat bei 11Frauen treffende Worte für das letzte Erstliga-Heimspiel vor Rekordkulisse gefunden.
Aufgrund der strukturellen Umwälzungen im Fußball der Frauen fühlt sich dieser Abstieg noch viel mehr nach einem heftigen Einschnitt an, als das in anderen Situationen der Fall ist: Zu ungleich sind die finanziellen Voraussetzungen zwischen selbstständigen Vereinen wie der SGS und Lizenzvereinen, aber auch zwischen den Ligen. Aktuell bringt der TV-Vertrag der 1. Bundesliga (der ursprünglich noch für 12 Vereine ausgehandelt wurde) jedem der 14 Teams rund 370.000 Euro pro Saison – die fallen bei der SGS nun weg. Eine vergleichbare Vermarktung gibt es in der 2. Bundesliga der Frauen schlicht nicht.
Durch die regionale Vernetzung ist die SGS für einen eigenständigen Klub sponsorentechnisch vergleichsweise gut aufgestellt, trotzdem ist anhand der fehlenden TV-Vertrag-Gelder der logische Schluss, dass gespart werden muss. Dementsprechend gibt es schon jetzt sehr viele offiziell feststehende Abgänge und die Zugänge sind größtenteils noch sehr jung. Stand 1. Juni ist außerdem auffällig, dass bisher nominell nur Spielerinnen für Abwehr und Angriff verpflichtet wurden (auch wenn Wirnsberger zwar als RV vorgestellt wurd, aber in Graz im Mittelfeld auflief).
Termine
Die 2. Bundesliga der Frauen 2026/27 startet am 1. und 2. August in die Spielzeit, wer die Aufsteigerinnen aus den Regionalligen sind, die die Liga komplettieren, stellt sich am 13. und 20. Juni heraus. Dann treffen der 1. FC Saarbrücken und Hertha BSC aufeinander, genauso wie entweder die U21 des 1. FC Köln und Holstein Kiel. Der DFB hat die Aufstiegsspiele inzwischen zeitgenau angesetzt. Bereits aufgestiegen ist die U21 der TSG Hoffenheim. Beim DFB-Pokal geht es für die SGS Essen als abgestiegenem Erstligaverein in der 1. Hauptrunde los, die findet vom bis 28. September statt. Infos zur Saisonvorbereitung gibt es bisher keine, wir halten euch auf dem Laufenden.
Neuzugänge
Helen Börner
von Carl Zeiss Jena, 19 Jahre, Stürmerin
Börner (s. Titelbild) kann im Angriff zentral und auf den Flügeln eingesetzt werden, Kraus hob bei ihrer Verpflichtung ihre Geschwindigkeit, Dynamik und Zweikampfhärte positiv hervor. Für Jena machte sie neun Bundesligaspiele, ihren bisher einzigen Startelfeinsatz hatte sie im Februar gegen Bayern München. Ihr bislang einziges Bundesligator erzielte sie ausgerechnet gegen die SGS bei der 3:4-Niederlage der Essenerinnen im April. Die U19-Nationalspielerin schoss Deutschland mit ihrem Treffer gegen Frankreich zur EM in Bosnien und Herzegowina in diesem Sommer, für die sie bereits nominiert wurde. Wie auch in dieser Partie ist sie in der U19 Einwechselspielerin. Durch ihren Transfer stehen nun vier U19-EM-Fahrerinnen im Kader der SGS.
Joëlle Steiner
von VfL Wolfsburg II, 21 Jahre, Verteidigerin
Steiner kommt aus der Zweitvertretung des VfL Wolfsburg. In der abgelaufenen Saison absolvierte sie 19 von 26 Zweitligapartien und erzielte dabei zwei Tore. Zuvor war sie Teil der U19 des FC Basel. Die Schweizerin ist damit die zweite Zugangsmeldung aus dem Wolfsburger Umfeld innerhalb weniger Wochen. Daniel Kraus, der sie aus seiner eigenen Zeit in Wolfsburg kennt, hebt Zweikampfstärke, Mentalität, Kopfballstärke und Führungsqualitäten hervor. In ihrer Heimat in der Schweiz absolvierte sie parallel zum Nachwuchsfußball eine Ausbildung als Fleischfachfrau.

Anja Heuschkel
von Carl Zeiss Jena, 28 Jahre, Innenverteidigerin

Heuschkel ist bisher der erfahrenste Neuzugang und hat in Jena Vereinsgeschichte geschrieben. Für den FF USV Jena spielte sie seit 2012 in der B-Jugend (vorher in der C-Jugend beim großartig benannten FSV Ilmtal Zottelstedt). Aus USV wurde Carl Zeiss Jena und aus Heuschkel schließlich die erste Kapitänin des FCC. Sie hat 159 Pflichtspiele für Jena absolviert, in der abgelaufenen Spielzeit stand sie allerdings nur in zwei Bundesliga-Partien auf dem Platz, saß ansonsten häufig auf der Bank.
Auch Kraus und Heuschkel kennen sich bereits aus seiner Zeit als Trainer des USV, auch wenn sie als noch sehr junge Spielerin erst danach so richtig zum Kader „der Ersten“ gehörte.
Laura Bröring
von SV Meppen, 19 Jahre, Stürmerin
Bröring wurde in Cloppenburg geboren, begann dort mit dem Fußball und kam über das emsländische NLZ zum SV Meppen, wo sie seitdem für ihr Alter schon jede Menge Zweitligaerfahrung gesammelt hat. In 69 Spielen für den SVM gelangen ihr 27 Tore, davon 14 in der abgelaufenen Spielzeit, dazu vier Vorlagen. Gegen den VfR Warbeyen gelang ihr ein Viererpack, der gleichzeitig einen lupenreinen Hattrick beinhaltete (deswegen musste sie „beim nächsten Heimspiel einen selbstgebackenen Kuchen mitbringen“).

Mit Essen geht sie bereits in ihre vierte Zweitliga-Saison. Im Interview mit dem DFB sagte sie im September 2025: „Ich bin jetzt vor dem Tor wesentlich abgezockter. Das habe ich mir im Training erarbeitet. Ich komme immer besser in die Abläufe, denke nicht mehr so viel nach, wenn ich vor dem Tor stehe.“
Kyra Spitzner
von RaBa Leipzig, 21 Jahre, Stürmerin
Spitzner startete beim VfB Auerbach und wechselte bereits mit 12 Jahren in die Jugend der Leipzigerinnen, wo sie sich über die Zweitvertretung und die Aufstiege über neun Jahre bis zur Bundesligaspielerin entwickelte. Dabei wurde sie immer wieder mal von Verletzungen ausgebremst, besonders von einem Mittelfußbruch im Jahr 2024 und war deshalb hauptsächlich Einwechselspielerin. Sie kommt insgesamt auf 53 Pflichtspiele in erster und zweiter Bundesliga sowie im DFB-Pokal, dabei erzielte sie 5 Tore. Am Ende lief ihr Vertrag in Leipzig aus. Ihr Wechsel wurde Anfang Mai bekanntgegeben.

Karla Brinkmann
von VfL Wolfsburg II, 19 Jahre, Verteidigerin
Brinkmann wechselte 2021 aus dem Nachwuchs des SV Alfeld in die Wolfsburger U17, für Wolfsburg II spielte sie 45-mal in der 2. Bundesliga der Frauen. In der ersten Liga wurde sie im Februar 2024 gegen Nürnberg zu ihrem Debüt als Linksverteidigerin eingewechselt, sie kann aber auch als Innenverteidigerin auflaufen.

Dass für die U19-Nationalspielerin keine weiteren Einsätze folgten, lag womöglich auch an einem Kreuzbandriss im April 2025. Von dem hat sie sich inzwischen wieder erholt und war mit dem VfL Anfang 2026 auch im Wintertrainingslager in Malta. Wie auch Steiner kennt sie Kraus durch die gemeinsame Zeit in Wolfsburg. Ihr Wechsel steht bereits seit Ende April fest.
Anna Wirnsberger
von SK Sturm Graz, 21 Jahre, Mittelfeldspielerin/rechte Schienenspielerin

Die 21-jährige Österreicherin kommt aus Lieserhofen in Kärnten. Schon mit 15 zog es sie nach Graz, wo sie Stammspielerin in der österreichischen Bundesliga wurde. Wirnsberger wurde von der SGS als Rechte Verteidigerin vorgestellt, in den österreichischen Medien wird sie aber immer als Mittelfeldspielerin vorgestellt, weil Graz sie in der Zentrale eingesetzt hat. Sie selbst sagte in einem Interview im Februar 2025, auf die Frage, warum nicht Abwehr oder Sturm: „Die Wahl fiel auf diese Position, weil sie am besten zu meinen Stärken und Spielweisen passt. Sie ermöglicht mir nämlich das Spiel zu gestalten und sowohl in der Offensive als auch in der Defensive aktiv zu sein.“
Wettbewerbsübergreifend machte Wirnsberger über 120 Pflichtspiele für Sturm in Bundesliga, Pokal und Champions-League-Quali, traf 20-mal und bereitete sieben Treffer vor. Mit den österreichischen U-Nationalteams nahm sie an der U20-WM 2024 in Kolumbien und der U19-EM 2023 in Belgien teil.
Selina Albrecht
von SCR Altach, 19 Jahre, Linke Verteidigerin und Innenverteidigerin
Albrecht ist beim FC Alberschwende im Vorarlberg aufgewachsen und 2021 mit 14 Jahren zum SCR Altach gewechselt, wo sie sich zur unangefochtenen Stammspielerin entwickelt hat. Sie studiert neben dem Fußball Soziale Arbeit. Bis zum Sommer 2025 war sie als Linke Verteidigerin eingeplant, nachdem sie in der Jugend viele verschiedene Positionen gespielt hatte, darunter auch lange als Innenverteidigerin. Ihren Durchbruch wenn man so will hatte sie in der Spielzeit 2025/26 dann auch als rechte Innenverteidigerin in einer Viererkette. Auf der linken Seite wurde sie nur noch gelegentlich bei Ausfällen eingesetzt. Trotz ihres jungen Alters galt sie zuletzt als Abwehrchefin von Altach.

Nicht unerwähnt bleiben kann, dass Albrecht ebenso wie ihre gesamten SCR-Teamkolleginnen (auch die schon im Winter zur SGS gekommene Maria Olsen) abseits des sportlichen eine echte Horrorsaison hinter sich hat, nachdem im Herbst Ermittlungen gegen den ehemaligen langjährigen Sportchef öffentlich wurden. Dieser wurde im Frühjahr für das jahrelange heimliche Filmen in der Kabine verurteilt.
Hochgezogene Jugendspielerinnen
Abigail Enobore
SGS Essen II, 19 Jahre, Innenverteidigerin
Abigail Enobore stammt aus Rauischholzhausen in Mittelhessen. In ihrer Jugend spielte sie zwölf Jahre lang beim JFV Ebsdorfergrund, die Hälfte der Zeit hatte sie ein Zweitspielrecht bei der TSG Wieseck, einem Jungen-Team. Von dort ging es weiter in die U17 des FSV Hessen Wetzlar, dort spielte sie auch schon in der Regionalliga Süd. Im Sommer 2024 folgte dann der Schritt zur U21 der SGS Essen, für die sie 41-mal in der Regionalliga West spielte. Enobore trainierte mehrfach mit dem Bundesliga-Team und stand im Winter dreimal im Kader, ohne jedoch eingesetzt zu werden. Sie hatte laut Oberhessischer Presse schon früh in ihrer Karriere, in der U15, einen Kreuzbandriss und auch immer wieder mal mit Sprungelenksproblemen zu kämpfen. Ihr großes Vorbild ist Lena Oberdorf.
Teresa Buonarotti
SGS Essen II, 20 Jahre, Innenverteidigerin
Die Düsseldorferin Teresa Buonarotti wird seit ihrem 13. Lebensjahr im Nachwuchsbereich der SGS ausgebildet. In der abgelaufenen Saison stand sie bereits neunmal im Bundesligakader und kam zu zwei Kurzeinsätzen, beim 0:0 in Freiburg und beim 1:1 in Wolfsburg. Zwischendurch verbrachte sie ein Jahr an der University of Minnesota, wo sie für die Minnesota Golden Gophers in der NCAA spielte. Trainerin Heleen Jaques hob ihre Dynamik, Kopfballstärke und Geschwindigkeit hervor.
Emilia Watermeier
SGS Essen U19, 15 Jahre, Mittelfeld
Im März wurde Emilia Watermeier zur bislang jünsgten Spielerin der SGS-Geschichte: Bei ihrem Bundesligadebüt gegen RaBa Leipzig wurde sie im Alter von 15 Jahren und 98 Tagen eingewechselt. Damit ist sie gleichzeitig nach aktuellem Stand die viertjüngste Spielerinnen der Bundesliga–Gescichte. Aufgewachsen ist sie in Marl und seit der U11 Teil des Nachwuchses der SGS Essen, seit November 2025 trainiert sie beim Bundesliga-Team mit.
Abgänge
Der Kaderumbruch ist riesig. Nach aktuellem Stand sind folgende Abgänge offiziell bestätigt:
Ramona Maier (zu Borussia Dortmund)
Natasha Kowalski (zu Bayer Leverkusen)
Paulina Platner (zu Bayer Leverkusen)
Lilli Purtscheller (zu Werder Bremen)
Kassandra Potsi (zu FC Bayern)
Beke Sterner (zum 1. FC Köln)
Ella Touon (Leihende, zurück zum 1. FC Köln)
Vanessa Fürst (zu Viktoria Berlin)
Maike Berentzen (Ziel noch unbekannt)
Paula Flach
Laureta Elmazi
Julia Debitzki
Luisa Palmen
Shari van Belle
Lena Ostermeier
Alle Bundesliga-Transfers in der Übersicht.
Abschied von Co-Trainerin Jessica Wissmann
Auch auf der Bank gibt es einen Abgang: Co-Trainerin Jessica Wissmann verlässt die Essenerinnen nach rund einem Jahr. Die 34-Jährige war im Sommer 2025 aus dem Nachwuchsbereich des 1. FC Kaiserslautern zur SGS gewechselt und hatte zunächst als Assistentin unter Robert Augustin und Thomas Gerstner gearbeitet. Nach deren Freistellung im Oktober übernahm Wissmann interimsweise als Cheftrainerin und führte die SGS am Ende der Rückrunde durch vier ungeschlagene Spiele und auf einen Nichtabstiegsplatz.
Dabei stand sie dank einer DFB-Ausnahmegenehmigung an der Seitenlinie, weil sie noch nicht die nötige UEFA-Pro-Lizenz hat. Im Januar übernahm Heleen Jaques und Wissmann machte als Co-Trainerin weiter. Gleichzeitig absolvierte sie ihre A-Lizenz.
„Ich empfinde in erster Linie viel Dankbarkeit für alle Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten durfte“, sagte sie zu ihrer Verabschiedung, „Es war eine intensive und manchmal auch anstrengende Zeit, aber das macht sie auch sehr schön und ich habe viele Erfahrungen sammeln können. Ich wünsche dem Verein viel Erfolg für die kommenden Aufgaben, alles Gute für die neue Saison und dass es mit dem Wiederaufstieg schnell klappt!“
Beitragsbild: Helen Börner (links), Zoe Schick und Leonie Köpp freuen sich über das Tor zum 2:1 Endstand der eingewechselten Börner in der 79. Minute beim entschiedenden U19-EM-Quali-Spiel gegen Frankreich nach einer schönen Kombination zwischen Portella und Köpp. Foto: IMAGO/HMB-Media.
