
Felicia Schröder: Schwedens großes Sturm-Talent
Vier Tore im Finale: Felicia Schröder ist gerade 19 Jahre alt geworden, trumpft aber im UEFA Women’s Europa Cup für BK Häcken schon auf wie eine Routinier. Was bedeutet ihr Erfolg mit Häcken für die Damallsvenskan?
BK Häcken hat im rein schwedischen Finale über Hin- und Rückspiel gegen Hammarby IF den erstmals ausgetragenen UEFA Women’s Europa Cup gewonnen. Alle vier Tore für die 4:2-Gesamtwertung erzielte eine Teenagerin: Im Hinspiel machte Felicia Schröder das einzige Tor zum 1:0. Im Rückspiel schnürte sie sogar einen Dreierpack. Schröder traf in der 6. und 9. Minute und erzielte in der 54. Minute völlig cool den 3:2-Endstand. Zwischendurch hatten Svea Rehnberg und Elin Sørum das Team von Hammarby zurück ins Rennen gebracht.
Wenig überraschend wurde Schröder zur Spielerin des Spiels gekürt, sie ist mit acht Treffern in der Turnierphase ab dem Achtelfinale zudem die Torschützenkönigin des Wettbewerbs. Dafür hätte man ihr und auch den beiden Vereinen eine größere Bühne gewünscht, aber wie der Wettbewerb insgesamt flogen auch die beiden Endspiele ziemlich unter dem Radar.
Große Spiele, kleines Schaufenster
Das war nicht anders zu erwarten, weil für den UEFA Women’s Europa Cup in seiner ersten Ausgabe keine klassischen TV-Rechte vergeben worden waren. Wer die Final-Partien sehen wollte, musste aktiv suchen und wurde dann zwar auf den Kanälen der UEFA fündig. Groß mit ausreichend zeitlichem Vorlauf beworben wurde die Streams vorher aber nicht. Innerhalb Schwedens gab es einen Stream von Aftonbladet, großflächige internationale TV-Partner gab es aber keine.

Der Kontrast zur UEFA Women’s Champions League ist in dieser Hinsicht riesig, zumal sich das auch auf die ausgeschütteten Prämien auswirkt. Während in der Champions League gestaffelt nach Erfolg rund 37,7 Millionen Euro an alle Vereine ausgeschüttet werden, sind es im Europa Cup gerade mal 5,6 Millionen Euro.
Zu diesen Problemen kommt dann noch die Diskussion über das Finalformat. Hin- und Rückspiel im Finale ist ziemlich oldschool und erinnert an die Jahrzehnte, als es teilweise keine Gastgeber für große Turniere gab, weil niemand den Aufwand und die damit verbundenen Kosten auf sich nehmen wollte. Ein einzelnes Finalspiel an neutralem Ort hätte eine größere Kulisse schaffen können und die mediale Aufmerksamkeit gebündelt.
Zwei Partien in zwei Städten, eine Woche auseinander, parallel zum europäischen Ligabetrieb teilen hingegen den Fokus und verwässern den Effekt des Besonderen. Dass das Rückspiel mit dem 3:2 trotzdem dramatisch genug war, um für sich zu stehen, lag an der ausgeglichenen Paarung zwischen zwei Teams, die sich aus der Damallsvenskan bestens kennen. Und an dem besonderen Talent Schröders, die auf dem Platz einfach jede Menge Spaß macht.
Von der Insel aufs Festland – und noch viel weiter?
Mit vollem Namen heißt Schwedes Offensivtalent Felicia Maria Shakira Schröder. Sie wurde am 13. April 2007 geboren, ihren 19. Geburtstag feierte sie also vor wenigen Wochen. Aufgewachsen ist sie auf der Insel Björkö einige Kilometer westlich von Göteborg. In der Jugend spielte sie für den lokalen Verein IFK Björkö.
Anfang 2023 ging es von dort weiter aufs Festland zum Göteborger Klub BK Häcken, wo sie vorher schon einige Monate trainiert hatte, während sie gleichzeitig noch für IFK spielte. Die Coaches von Häcken waren schnell überzeugt von ihr, sie gehörte zu den auffälligsten Talenten im Nachwuchsbereich. Deshalb dauerte es auch nicht lang, bis sie im April 2023 als Einwechselspielerin zu ihrem Debüt in der Damallsvenskan kam, der obersten Spielklasse im schwedischen Fußball der Frauen. Und Schröder stellte sich gleich mal mit einem Tor in der sechsten Minute der Nachspielzeit gegen Vittsjö GK vor.

Schon 2024 folgte dann der nächste Entwicklungsschritt: Mit mehr Spielzeit in zwölf Einsätzen standen zwölf Tore und zwei Assists in der Bilanz. Die Kurve zeigte steil nach oben. Im Jahr 2025 überraschte sie dann selbst die aufmerksamsten Beobachter*innen des schwedischen Fußballs mit einer regelrechten Leistungsexplosion.
In der Damallsvenskan-Saison 2025 gelangen Schröder in 26 Spielen 30 Tore und neun Vorlagen und spätestens jetzt erregte sie europaweit große Aufmerksamkeit. Sie war die Topscorerin der Liga, wurde zur „MVP des Jahres“ gewählt, erhielt die Auszeichnung als beste Nachwuchsspielerin und wurde zur Stürmerin des Jahres ernannt. Drei individuelle Titel in einer einzigen Saison wären für eine gestandene Profi-Spielerin herausragend,Schröder war damals keine 18 Jahre alt. Eingebettet war das in einen großen Teamerfolg, BK Häcken gewann erstmals seit 2020 die schwedische Meisterschaft.
Was macht Felicia Schröder so gefährlich?
Felicia Schröder ist eine Instinkt-Stürmerin. Weil sie so früh debütiert hat, kommt sie trotz ihres jungen Alters bereits auf über 100 Spiele für Häcken und diese Erfahrung sieht man ihrem Spiel an. Neben ihrer Geschwindigkeit und Beidfüßigkeit ist ihre größte Qualität nämlich, Räume zu erkennen und sich im richtigen Moment im Rücken der gegnerischen Abwehr wegzuschleichen. Und sie fühlt sich sehr wohl damit, Abseitsfallen zu knacken, das konnte man im Europa-Cup-Finale immer wieder beobachten.
Im Finale gegen Hammarby gaben ihre drei Treffer einen ganz guten Einblick: Schröders erstes Tor war ein präziser Abschluss vom Strafraumrand nach einer abgefälschten Flanke, die sie mit dem Rücken zum Tor annehmen und sich dann drehen musste. Sie zögerte nicht, sondern zog direkt ins untere rechte Eck ab. Beim zweiten Treffer war die Vorlage von Anna Anvegård aus zentraler Mittelfeldposition entscheidend. Diese legte den Ball per Direktabnahme in den Lauf von Schröder, die an ihrer Verteidigerin vorbeiging und erneut einschob, während Hammarbys Abwehr kollektiv den Abseits-Reklamierarm hob, zu Unrecht.

Beim Entscheidungstor zum 3:2 war es erneut das Zusammenspiel mit Anvegård, das Schröder in gute Position brachte. Sie leitete im rechten Halbraum mit dem Rücken zum Tor per Hacke den Ball zu ihrer Mitspielerin und machte sich sofort auf den Weg in den Sechzehner. Obwohl der Hackenpass etwas ungenau kam, konnte Anvegård mit all ihrer Klasse einen Doppelpass in Schröders Lauf spielen. Die Abwehr war ausgehebelt und der Abschluss saß platziert.
Vorbilder auf dem Platz: Sam Kerr, Aivi Luik, Didier Drogba
Die Frage nach Vorbildern ist bei manchen Spielerinnen durchaus unbeliebt, Schröder aber spricht gerne über ihre Einflüsse. Gegenüber Forbes nannte sie Sam Kerr und Didier Drogba („Seine Stärke und Beweglichkeit im Strafraum sowie seine Fähigkeit, in großen, entscheidenden Momenten zur Stelle zu sein, sind Eigenschaften, die ich wirklich bewundere.“)
Rund um die Finalpartien bekam aber auch ihre Mitspielerin Aivi Luik jede Menge Komplimente vom Offensivtalent. Die 41-jährige Australierin brach – und auch das ging durch die geringe Aufmerksamkeit größtenteils unter – den Rekord der Brasilianerin Formiga. Luik wurde nämlich zur neuen ältesten Spielerin in einem europäischen Vereins-Wettbewerbs-Finale. „Sie weiß einfach alles auf dem Platz, wie man Situationen löst, wenn es vielleicht nicht läuft. Sie sieht Räume, die niemand sonst sieht. Ihre Defensivarbeit ist unglaublich. Ich schaue täglich zu ihr auf, sie ist wirklich ein Vorbild für mich“, so Schröder.

Die möglichen nächsten Schritte
Ein offensichtliches Ziel für sie ist es, sich im schwedischen A-Nationalteam zu etablieren, nachdem sie schon die U-Teams durchlaufen hat. Während sie es unter Peter Gerhardsson noch etwas schwer hatte und von ihm auch nicht für EM 2025 nominiert wurde (sehr zum Unmut vieler Fans), ist sie unter dessen Nachfolger Tony Gustavsson häufig in der Startelf, spielt aber nicht immer durch.
Dieser Umschwung liegt am Trainerwechsel und gleichermaßen an ihrer Entwicklung in der Zwischenzeit in ihrem sehr jungen Alter. In den Nations-League-Partien für Schweden wird außerdem deutlich, dass es bis zur internationalen Top-Spielerin völlig natürlich noch ein weiterer Weg für sie ist und die EM vermutlich zu früh für sie gewesen wäre.

Ein anderer Schritt dürfte auch deshalb der unvermeidliche Wechsel aus der Damallsvenskan und der schwedischen Heimat heraus sein, um sich gegen stärkere Teams weiterentwickeln zu können. Spekulationen gab es schon im letzten Jahr viele. Trotz des gehandelten Interesses großer europäischer Top-Klubs hat Schröder aber ein klares Zeichen gesetzt: Letzten Sommer verlängerte sie ihren Vertrag bei Häcken bis Ende Juni 2029.
Das Umfeld beim Verein helfe ihr sehr. Mit einem Vertrag bis 2029 hat Häcken eine starke Verhandlungsposition. Aber: Die Problematik, das eines der größten schwedischen Talente der heimischen Liga schon allzu bald entwachsen sein könnte, ist exemplarisch für den schwedischen Fußball der Frauen aktuell.
Damallsvenskan: Eine Liga verliert ihre Besten
Die Damallsvenskan ist in den vergangenen Jahren immer mehr Ausbildungsliga geworden und wird vor allem von der englischen Women’s Super League geradezu ausgeblutet. Sowohl Häcken als auch Hammarby haben zuletzt regelmäßig Leistungsträgerinnen vor allem an mittelmäßig starke englische Klubs verloren, die ihre Kader mit verlässlich gut ausgebildeten und für sie vergleichsweise günstigen Spielerinnen auffüllen wollen.
Andere Ziele wie Frankreich, Italien, Deutschland oder die USA sind seltener, tragen aber auch zur allgemeinen Entwicklung bei. Deswegen konnte man das rein schwedische Finale mit gemischten Gefühlen beobachten: Einerseits zeigt es die Stärke der Liga unterhalb der absoluten Top-Nationen. Dazu hat Häcken durch den Titelgewinn einen garantierten Platz in der Champions League Ligaphase 2026/27, weil gleichzeitig Arsenal als Champions-League-Titelverteidiger über die WSL bereits qualifiziert ist.
Andererseits steht aber auch die Frage im Raum, wie dieses Finale in der Bestbesetzung der letzten Jahre hätte aussehen können. Und wie es mit der Damallsvenskan im internationalen Vergleich in den nächsten Jahren weitergeht. Klar scheint: Felicia Schröder wird in Zukunft eines der prägenden Gesichter des schwedischen Fußballs sein.
Beitragsbild: IMAGO/TT

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