
„Es war so eine Freude im Team“: U19 fährt zur EM 2026
Mit einem 2:1-Sieg gegen Frankreich gelingt Deutschlands U19 die Qualifikation zur EM-Endrunde 2026 in Bosnien Herzegowina. Dabei wurde es am Ende nochmal wild.
„Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sich das gerade anfühlt“, sagt Rosa Rückert nach dem Spiel, „ich freue mich einfach total!“
Hinter der Kapitänin der U19 feiern ihre Mitspielerinnen in dem Moment an der Bande mit Teilen der 831 Zuschauenden im Uhlenkrug die EM-Qualifikation. Nach zwei Siegen gegen Irland und die Slowakei hätte ein Unentschieden gereicht, weil Frankreich zwar ebenfalls gegen die Slowakei gewonnen hatte, aber gegen entschlossene Irinnen nicht über ein Unentschieden hinauskam.
Eine solche Ausgangslage kann in falscher Sicherheit wiegen, aber die Nachwuchs-Nationalspielerinnen legten mit Anpfiff stark vor: In der dritten Minute spielte Lina Szaraz einen langen Ball die rechte Seite des Spielfelds entlang, genau in den Lauf von Rückert. Und die 18-jährige Stürmerin des VfB Stuttgart schob den Ball nach gewonnenem Laufduell ganz cool ins lange Eck.

Rückerts fantastisches Hackentor nach Einwechslung gegen die Slowakei wurde in den letzten Tagen von Fußballfans gefeiert und verschaffte ihr eine für sie noch neue Art von Aufmerksamkeit. „Das war auf jeden Fall enorm, die Welle, die auf mich zugekommen ist über Social Media, deswegen habe ich mein Handy auch abgegeben. Ich hatte es jetzt drei Tage nicht“, erzählt sie, „Aber ich habe direkt am Anfang gesagt, dass es eine Teamleistung war und dann einfach nur eine Krönung von so einem guten Spiel und einer guten Leistung.“
Gegen die Französinnen stand sie erstmals in dieser Qualifikationsrunde in der Startelf, vorher wurde sie durch eine Erkältung ausgebremst. Nicht mit dabei sein konnte Lotta Wrede, ihr Verein, der HSV, hat inzwischen bekanntgegeben, dass sie aufgrund einer „strukturellen Verletzung im Fuß“ mehrere Monate ausfallen wird – Saisonaus. Ihre Mitspielerinnen bei der U19 hielten deshalb beim Teamfoto ihr Trikot mit der Rückennummer 8 in die Kamera. Auf der anderen Seite des Flügels stand außerdem Felicia Sträßer für Zoe Schick in der Startelf. Eine defensivere Variante gegen das erwartete Flügelspiel der Französinnen.
Das kam in der ersten Hälfte vor allem auf Deutschlands rechte Defensivseite zu, wo Lina Szaraz im Verbund mit Sträßer und der herausrückenden Luzie Zähringer es immer wieder mit Frankreichs Linksaußen Justine Rouquet und Stürmerin Léa Morissaint zu tun bekamen. Gegen die schnellen und technisch versierten Angreiferinnen Frankreichs war die Konzentration der deutschen Verteidigerinnen gefordert.

Rouquet prüfte Torhüterin Janne Krumme per Volley nach einer Ecke (5.), von denen gab es im weiteren Verlauf einige. Deutschland überließ Frankreich größtenteils das Spiel, behielt dabei aber die Kontrolle. Richtig gefährlich wurde es in dieser Phase selten: In der 28. Minute lief Morissaint allein auf Krumme zu, die Torhüterin von Eintracht Frankfurt II löste die Eins-gegen-Eins-Situation souverän auf. Danach wurde die Partie zum ersten Mal recht zerfahren, durch Fouls und Abseitsstellungen gab es immer wieder Unterbrechungen und Frankreichs Mittelfeldpressing führte in dieser Schlussphase der ersten Hälfte zu einigen Ballverlusten.
Nach der Pause kam die DFB-Elf mit mehr Schwung auf den Platz, suchte die Offensive und Rückert hatte die Chance auf das 2:0, Ceylin Yilmaz parierte aber sicher. Danach verflachte die Partie wieder und es gab mehrere Wechsel, für Rückert und Leni Eggert kamen Jonna Wrede und Helen Börner. Frankreichs Trainer Philippe Joly brachte Lina Gay und Tanté Diakité für Noémie Fatier und Maïssa Fathallah.

Kurz darauf in der 66. Minute traf Morrisaint zum 1:1-Ausgleich. Sie erlief einen zu kurz geratenen Rückpass von Sträßer, ging an Krumme vorbei und schob ein. In der 75. Minute hätte Justine Rouquet das Spiel sogar drehen können, traf aber nur den Pfosten. Die DFB-Elf hatte in dieser Phase Schwierigkeiten, kämpfte sich aber wieder in die Partie. Und wie schon in den vorherigen Spielen griffen die Wechsel.
Denn in der 79. Minute traf die eingewechselte Börner (Carl Zeiss Jena II) zur erneuten Führung für Deutschland nach Vorlage von Leonie Köpp – das entscheidende Tor zur EM. Kurz zuvor musste Szaraz nach einem Zusammenprall ausgewechselt werden, Sträßer ging auf ihre Position und Zoe Schick kam ins Spiel. Das wurde jetzt unruhig, Frankreich drängte nach vorne, es kam zu einigen Fouls und rund um einen Freistoß Frankreichs in der Nachspielzeit zu einer Rangelei. Krumme pflückte noch einige hohe Bälle herunter und letztendlich brachte die deutsche U19 das Ergebnis über die Zeit.

Damit, dass es am Ende noch einmal eng werden könnte, habe sie fast schon gerechnet, so Trainerin Behringer, „weil dafür sind sie ja auch noch keine gestandenen Spielerinnen. Frankreich musste unbedingt ein Tor schießen und wir wussten, ein Unentschieden reicht, aber wollten unbedingt gewinnen. Dann bist du trotz allem immer so ein bisschen offen. Frankreich hat einfach eine Qualität, das kannst du auch nicht immer weg verteidigen. Aber sie haben sich brutal in jeden Zweikampf gehauen.“
Nachdem im Jahr 2025 sowohl U17 als auch U19 die Teilnahme an der EM-Endrunde verpasst hatten, sind in diesem Jahr beide qualifiziert. Die internationale Konkurrenz ist größer geworden und Deutschland im Nachwuchsbereich gerade nicht so dominant, wie zum Teil in den 2000er- und 2010er-Jahren. „Letztes Jahr war es für beide Jahrgänge nicht einfach“, sagte Behringer dazu, „Das muss man dann ja auch erstmal im Kopf verarbeiten. Du weißt ja immer, ‚okay, ich muss jetzt irgendwie gewinnen‘. Das geht ja mit. Deswegen bin ich umso stolzer, dass sie das jetzt so gemacht haben, wie sie es gemacht haben.“
Die Entwicklung innerhalb ihrer U19 sei seit dem letzten Jahrgang unabhängig von den Ergebnissen positiv gewesen. „Wir hatten sehr gute Maßnahmen in Spanien mit zwei Länderspielen, da hat man schon eine brutale Entwicklung gesehen. Auch drumherum, in der Persönlichkeitsentwicklung. Da war es schade, dass wir nach dem Italienspiel heimreisen mussten“, erzählt Behringer, „Jetzt haben wir es geschafft, direkt da wieder anzuknüpfen. Ich fand die letzten zehn Tage unfassbar schön. Es war einfach so eine Freude im Team.“

Für die Spielerinnen geht es am Freitag zurück zu ihren Vereinen, vorher werde „im gewissen Rahmen“, so Behringer, aber wohl noch gefeiert. „Ungefähr 24 Stunden haben wir ja noch“, sagte Kapitänin Rückert dazu.
Bei der U19-EM in Bosnien Herzegowina vom 27. Juni bis zum 10. Juli sind bisher neben den Gastgeberinnen und Deutschland außerdem schon die Schweiz, Island und Österreich qualifiziert. Die übrigen drei Länder werden Freitag und Samstag noch folgen. Die Auslosung der Endrunde findet am 22. April statt. Für die U17 geht die EM schon bald los: vom 4. bis 17. Mai wird in Nordirland gespielt, Deutschland trifft in der Gruppe A auf die Gastgeberinnen, Norwegen und England.
Beitragsbild: IMAGO/Maximilian Koch
