Die silberne Meisterinnenschale der Google Pixel Frauenbundesliga auf einem Podest. In der Mitte ist das DFB-Logo und rundherum sind die Namen der bisherigen titeltragenden Vereine eingraviert.

Aufbruch ohne Fahrplan – DFB und FBL e.V. im Konflikt

In Deutschland planten der DFB und die Vereine einen gemeinsamen Vorstoß zur Professionalisierung der Bundesliga der Frauen. Stattdessen ist der Konflikt zwischen Verband und Klubs eskaliert, mit ungewissem Ausgang. Dieser Artikel erschien zuerst im ballesterer.

Text: Annika Becker

„Wir wollen die Frauen-Bundesliga möglichst stark aufstellen“, sagt Heike Ullrich Anfang März im Rahmen des Länderspiels zwischen Deutschland und Norwegen dem ZDF. Die DFB-Vizepräsidentin für Frauen- und Mädchenfußball spricht davon, die Bundesliga besser zu vermarkten, die Infrastruktur auszubauen und einen Mindestlohn einzuführen. „Ob das am Ende der DFB besser kann oder die 14 Vereine selbst, ist fast egal.“ Die aktuelle Pattsituation bringt niemanden voran.

Angefangen hatte der Zwist zwischen DFB und Vereinen im Rahmen des DFB-Bundestags im März 2022. Bei dem wollte der Fußballverband Rheinland einen Antrag stellen, der die Unabhängigkeit der Bundesliga vom DFB forderte. Das sorgte für große Aufregung, aber noch vor dem Bundestag zogen die Klubs den Vorstoß zurück. Stattdessen war von einer nachhaltigen Professionalisierung innerhalb des DFB die Rede, der Antrag wurde entsprechend geändert.

Ende 2023 spitzte sich der Konflikt weiter zu: Der DFB soll die Vereine mit einem Plan überrumpelt haben, der wohl auch den Einstieg eines Investors anregte. Das passte den Vereinsverantwortlichen nicht, denn im Männerfußball liefen da gerade die Proteste gegen mögliche Investoren innerhalb der DFL heiß. Nach vielen Diskussionen folgte die grundsätzliche Einigung zwischen Vereinen und dem DFB, dass erstens die Klubs mit dem Frauen-Bundesliga FBL e.V. einen eigenen Ligaverband gründen.

Und dass zweitens dieser Ligaverband noch am selben Tag zusammen mit dem DFB ein Joint Venture eingeht, also eine FBL GmbH gründet. Das Ziel dieser GmbH sollten die weitere Professionalisierung und eine bessere Vermarktung der Bundesliga sein. Für diese Struktur wurden auf dem DFB-Bundestag im November 2025 die formellen Weichen gelegt.

Der Bruch

Der neue Ligaverband wurde dort als ordentliches Mitglied des DFB aufgenommen – allerdings ohne Stimmrecht. DFB-Präsident Bernd Neuendorf kündigte die Gründungen von Ligaverband und FBL GmbH für den 10. Dezember 2025 an, der DFB sollte symbolträchtig Gastgeber sein. Neuendorf sagte weiters, dass der Verband über acht Jahre rund 100 Millionen Euro investieren wolle, in Vermarktung, Nachwuchsarbeit und das Schiedsrichterinnenwesen.

Doch dann eskalierte der Konflikt. Anfang Dezember, am Tag nach der Vergabe der EM 2029 an den DFB, veröffentlichten die 14 Vereine sehr ähnlich lautende Pressemitteilungen, die den Verband hart kritisierten. Die Gründungsveranstaltung verlegten sie in Eintracht Frankfurts Waldstadion. Axel Hellmann, Vorstands­sprecher der Eintracht, trat als lauteste Stimme hervor: „Bei den Klubs liegt der Großteil der ökonomischen Last“, sagte er im ZDF-Interview. Der DFB habe sich nicht an Verabredungen gehalten und bereits unterschriftsreife Verträge nachträglich ändern wollen.

Dieser Darstellung widersprach DFB-Generalsekretär und Verhandlungsführer Holger Blask mehrfach, er sagte Ende März im Kicker: „Es gab zu dem Zeitpunkt Vertragsentwürfe, in denen insbesondere fünf wesentliche Punkte ausgemacht waren, zu denen es noch keine Einigung gab und denen der Aufsichtsrat der DFB GmbH & Co. KG auch nicht zugestimmt hat. Es können also keine unterschriftsreifen Verträge vorgelegen haben.“

Ähnlich wie Hellmann in Frankfurt traten auch bei den anderen Lizenzklubs die Chefs der Gesamtvereine in den Vordergrund, die sonst im Fußball der Frauen seltener zu sehen sind. Einer der größten Streitpunkte zwischen ihnen und dem DFB war das Stimmrecht im Führungsgremium der GmbH. Der DFB soll auf einer nötigen Zweidrittelmehrheit bestanden haben, sodass Entschlüsse ohne ihn nicht möglich gewesen wären. DFB-Generalsekretär Blask zeigte sich von all der öffentlichen Kritik überrascht.

Die Vereine hatten sich bis Anfang Februar offengehalten, doch noch gemeinsame Sache mit dem DFB zu machen. Weil sie dessen Forderungen nicht erfüllen wollten, folgte dann aber die Absage. Katharina Kiel, Direktorin für Frauenfußball bei Eintracht Frankfurt und Präsidentin des neu gegründeten FBL e.V., sagte: „Die Zukunft der Frauen-Bundesliga muss dort gestaltet werden, wo der sportliche und wirtschaftliche Motor liegt – bei den Klubs. Sie tragen die größte Investitions- und Umsetzungsverantwortung.“

Frau im grauen Wollmantel mit langen dunklen Haaren, schräg nach rechts blickend läuft über den Rasen im Stadion am Brentanobad. Hinter ihr verschwommen eine der Tribünen.
Beim Bundesligaspiel gegen Bayern München Anfang Dezember 2025: Eintracht Frankfurts Direktorin Frauenfußball und Präsidentin des neu gegründeten FBL e.V., Katharina Kiel. Foto: IMAGO/HMB-Media.

Zurück in die Zukunft?

Könnte passieren, was der DFB vor Jahrzehnten schon einmal verhindern wollte? Von 1955 bis 1970 verbot er seinen Mitgliedervereinen, Frauenteams zu gründen und ihnen Plätze zur Verfügung zu stellen. Die Frauen spielten außerhalb des DFB trotzdem und überlegten, einen eigenen Verband zu gründen. Um diese Parallelstrukturen zu unterbinden, hob der Verband sein Verbot auf, seit 1990 spielen auch die Frauen in einem Wettbewerb mit dem Namen Bundesliga.

Rufe danach, sie eigenständig aufzustellen oder auszugliedern, gab es immer wieder. Zuletzt befeuert durch den Blick auf die internationale Konkurrenz: Die besten deutschen Spielerinnen zieht es vermehrt ins Ausland, besonders ins sportlich wie finanziell attraktive England. Dort werden die ersten beiden Ligen seit 2024 nicht mehr vom Verband, sondern der Kapitalgesellschaft WSL Football organisiert. Während das relativ reibungslos verlief, spitzte sich die Lage in Deutschland bereits seit Jahren zu – und führte nun zu einer Trennung zwischen DFB und Vereinen.

Man mit kurzen dunkelblonden Haaren, Stoppelbart und schwarzem Hemd über weißem T-Shirt, mit Headset sitzt auf einer Bühne und gestikuliert mit einer Hand.
DFB Generalsekretär Holger Blask im Rahmen der SPOBIS 2026. Foto: IMAGO/Nico Herbertz.

Das bedauert der DFB, wie er in einer Mitteilung erklärte, er bleibe aber gesprächsbereit und wolle in den kommenden Jahren trotzdem die versprochenen 100 Millionen Euro in den Frauen- und Mädchenfußball investieren. Allerdings ohne Joint Venture „außer- und unterhalb der FBL“, so Blask. Das sei rechtlich nicht anders möglich, sagt Manuel Hartmann, Geschäftsführer Spielbetrieb des DFB, im Interview mit der Initiative „Rise of Women’s Football“. Im Unterbau sind diese Investitionen überfällig, den Erstligavereinen werden sie bei ihrer weiteren Planung fehlen.

Beim DFB ist man bemüht, die Klubs ins Licht der Verantwortung zu rücken: Für eine tatsächliche Unabhängigkeit der Frauenbundesliga müsse ein Grundlagenvertrag ausgehandelt werden, wie bei den Männern mit der DFL. Hartmann sagt, dazu sei ein konkretes Angebot seitens der Vereine nötig – er glaube nicht daran, dass das in naher Zukunft kommen wird. Ein Angebot vorzubereiten, setzt Einigkeit und Kapazitäten unter den Klubs voraus. Konkrete Äußerungen dazu, wie es weitergehen soll, gibt es von ihrer Seite nicht.

Die Spieltagsorganisation und die Rechte an der Bundesliga bleiben vorerst beim DFB, der aktuelle TV-Vertrag läuft noch bis Ende 2026/27. Es ist ein Schwebezustand, die Zukunft unklar. Die Ausschreibung der neuen TV-Rechte, ursprünglich für Anfang 2026 geplant, ist bereits auf den Herbst verschoben worden. Das Handeln der Vereine hat für den Moment zu genau jener stockenden Verwaltung geführt, die sie dem DFB sonst häufig vorgeworfen haben.

Beitragsbild: IMAGO/foto2press

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Der ballesterer wurde im Jahr 2000 in Wien gegründet, um anders über Fußball zu berichten – fannah, gesellschaftspolitisch und unabhängig. Angefangen hat es mit 300 selbstkopierten Exemplaren, die vor den Stadien verkauft wurden. Heute ist das Magazin mehrfach ausgezeichnet und eine Fixgröße in der Fußballberichterstattung. Der ballesterer erscheint neunmal jährlich, seit 2021 kommt einmal im Jahr die monothematische ballesterer bibliothek im Buchformat hinzu. Erhältlich sind beide in Österreich, im deutschen und Schweizer Bahnhofsbuchhandel und im Webshop.

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