Die deutsche U19 jubelt nach dem 2:0 durch Lany Bäcker, sie steht in der Mitte des Bildes und klatscht mit ihren Mitspielerinnen ab.

U19-EM-Quali: Das war beim 3:0 von Deutschland gegen Irland auffällig

Die deutsche U19 traf im ersten Spiel der zweiten EM-Qualifikationsrunde auf Irland, offiziell waren 733 Zuschauer*innen beim Spiel im Uhlenkrug Stadion in Essen, gefühlt hätte die Zahl sogar höher liegen können. Die Stimmung war jedenfalls auf gute Art laut, nicht zuletzt durch einige vertraute Gesichter und Trommeltakte unter den Fans.

Ebenfalls anwesend waren einige ehemalige Nationalspielerinnen wie z.B. Annike Krahn, die im Jahr U19-Vize-Europameisterin und -Weltmeisterin wurde, bevor sie einige Jahre später mit dem A-Nationalteam zweifache Europameisterin, Weltmeisterin und Olympiasiegerin wurde. Die heutige „Direktorin Fußball der Frauen“ des VfL Bochum dürfte also für einige der U-Nationalspielerinnen ein großes Vorbild sein.

Für die U19 von Trainerin Melanie Behringer stand am Ende eines unterhaltsamen Spiels ein überzeugendes 3:0-Sieg gegen Irland auf dem Papier. Was führte zum Erfolg und was war sonst noch auffällig?

Der linke offensive Flügel

Das Team von Trainerin Melanie Behringer startete gegen den Ball mit einem 4-4-2. Mit Ball schob die linke Verteidigerin Leni Eggert allerdings auf ihrem Flügel dann sehr weit nach vorn und Lotta Wrede rückte vom Flügel häufig auf die Zehnerinnen-Position oder zog mit dem Ball nach innen. Eggert und Wrede kennen sich vom HSV bestens und dementsprechend gut abgestimmt waren diese Rochaden in der Offensive. Das führte auch schon sehr früh zu Chancen.

Leonie Köpp bewegte sich aus dem Sturmzentrum immer wieder auf den linken Flügel, sodass sie, Wrede und Eggert sich auf engem Raum die Bälle zuspielen konnten. Köpp setzte im Verlauf der Partie immer wieder ihre Robustheit ein, um Bälle festzumachen oder ging in den Sprint. Nach einem solchen hätte sie gleich in der zweiten Minute treffen können.

Wie gut ist Lotta Wrede? Ja!

Am auffälligsten war aber Lotta Wrede, die mehrfach im Spiel durch drei, vier Gegenspielerinnen hindurchspazierte und das so relaxt aussehen ließ wie Eis-Essen auf Inlineskates am Baldeneysee. Was man freitagnachmittags eben so macht. Irlands rechter Flügel mit Lillie Coulson und Sophia Leonard kam jedenfalls nicht hinterher. So war sie auch die erste Torschützin, wenn auch aus einer weniger typischen Situation.

Lotta Wrede im Deutschlandtrikot von vorn und mit Ball am Fuß, sie führt den Ball mit dem Außenrist und schaut dabei zum linken Bildrand wie auf der Suche nach einer Anspielstation. Links im Bild Madison McGuade im Irland-Trikot, fixiert auf den Ball.
Irlands Madison McGuane versucht Lotta Wrede zu stellen. Foto: IMAGO/Maximilian Koch.

In der 22. Minute geriet nämlich ein Pass aus der irischen Defensive zu kurz und landete bei Laila Portella. Die Angreiferin von Bayern München II ging durch bis zur Grundlinie und spielte in den Rückraum, Wrede musste im Fünfer nur noch einschieben. Bis zur Pause stand es 1:0.

Weitestgehend sicher bei gegnerischen Ecken

Allerdings ergaben sich durch die beschriebenen Bewegungen auf dem Flügel und das durchaus griffige irische Pressing hin und wieder Gelegenheiten für Irland zu kontern. Besonders auffällig in der Hinsicht waren Ella Kelly und nach ihrer Einwechslung Della Cowper-Grey, beide gingen immer wieder über die Flügel.

Richtig gefährliche Abschlusssituationen für Irland gab es nicht, aber das Team von Keith O’Halloran holte vor allem in der ersten Hälfte einige Ecken heraus. Da hatte die deutsche Abwehr um Luzie Zähringer (FC Bayern) und Lenelotte Müller (VfB Stuttgart) ein paar Mal etwas Glück, letztendlich war Torhüterin Janne Krumme (Eintracht Frankfurt) immer zur Stelle und hinterließ besonders bei hohen Flankenbällen über das gesamte Spiel einen sicheren Eindruck.

Und auf der anderen Seite trifft Bäcker

In der zweiten Halbzeit nutzte dann das DFB-Team eine Ecke für sich: Die eingewechselte Lany Mia Bäcker traf nach einer solchen, getreten von Leni Eggert, per Kopf zum 2:0 (62.). Bäcker, Innenverteidigerin der SGS Essen, lief als Mittelfeldspielerin auf und schaltete sich spielerisch immer wieder gut in die Offensive mit ein. Defensiv orientierte sie sich stark am Irlands Madison McGuane.

Die erst 16-jährige zentrale Mittelfeldspielerin von Treaty United wirkte mit ihrem abgeklärten Spiel nicht wie die Jüngste auf dem Platz und hat in Irland mit ihren Leistungen schon große Aufmerksamkeit auf sich gezogen: Sie wurde schon mit 15 Spielerin des Monats in Irland erster Liga und später beste junge Spielerin des Jahres 2025. Sie spielte einige gute „vorletzte Pässe“ oder was man in der Statistik wohl als key passes aufführen würde. Nur wurden diese Angriffe im weiteren Verlauf dann eben gestoppt oder führten zu Ecken.

Die Einwechslungen greifen

Nach ihrem eigenen Tor bediente Bäcker auch noch die ebenfalls eingewechselte Jonna Wrede zum 3:0. Sie spielt wie Lotta Wrede beim HSV. Aber weil die Frage immer wieder auftaucht: Die beiden sind nicht miteinander verwandt. Der Treffer war der schönste der Partie, weil es vorher mehrere Kombinationen zwischen dem rechten Flügel und dem Mittelfeldzentrum mit Maj Schneider (SC Freiburg) gab. Am Ende der Stafette flankte Bäcker vom rechten Strafraumeck. Lotta Wrede versuchte mit der Hacke an den Ball zu gehen, ließ aber durch zu ihrer Vereinskollegin, die Volley rechts unten ins Eck verwandelte.

Lotta Wrede im Vordergrund leicht unscharf mit dem Rücken zur Kamera läuft auf die sie anschauende und jubelnde Jonna Wrede zu. Links im bild eine enttäuschte irische Spielerin.
Jonna Wrede (16) jubelt mit Lotta Wrede (8). Foto: IMAGO/Fotografie73.

Aber auch die anderen Einwechselspielerinnen machten einen guten Eindruck, in der 74. Minute kam Julie Terlinden für Zoe Schick auf dem rechten Flügel und war in der kurzen Zeit auffällig. Das galt aber auch für die andere Seite: In der Schlussphase versuchten die Irinnen noch zumindest ein Anschlusstor zu erzielen. Die bereits angesprochene Cowper-Grey zwang Torhüterin Krumme zu einer Parade (87.), sie konnte den Ball im Nachfassen festhalten. Das Endergebnis war nach 9:2 Abschlüssen aufs Tor für Deutschland dem Spielverlauf entsprechend.

So geht’s weiter

Durch das bessere Torverhältnis steht die deutsche U19 zunächst auf dem ersten Tabellenplatz der Qualifikationsgruppe A6 – nur der führt zur EM-Endrunde vom 27. Juni bis 10. Juli in Bosnien und Herzegowina. Die andere Partie zwischen Frankreich und der Slowakei endete 2:1 nach Toren von Justine Rouquet (1:0, 16.), Lina Gay (2:0, 61.) und Victoria Havalec (2:1, 74.).

Frankreich spielt am Montag (13. April) um 12:00 Uhr in Essen gegen Irland, Deutschland um 17:00 Uhr in Velbert gegen die Slowakei. Am Donnerstag kommt es dann zum Aufeinandertreffen der Slowakei mit Irland in Velbert und zum vermuteten Duell um den Gruppensieg zwischen Deutschland und Frankreich, beide Partien sind um 17:00 Uhr.

Beitragsbild: IMAGO/Maximilian Koch

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Annika Becker berichtet als freiberufliche Journalistin unter anderem für sportschau.de über die Bundesliga der Frauen und beleuchtet die strukturellen wie sportlichen Themen im Fußball. Seit 2022 gehört sie zur Jury des Guardian für die Wahl der „100 Best Female Footballers In The World“. Becker ist Teil der Crew von „FRÜF – Frauen reden über Fußball“, ansonsten ist als Expertin zum Beispiel im DLF oder bei der BBC zu hören - und natürlich bei "Becker & Pfeiffer - Der Fußballpodcast". An den Wochenenden findet man sie auch privat meist im Stadion, denn Beckers Fußball-Herz schlägt für zwei Ruhrgebietsvereine: den FC Schalke 04 und die SGS Essen.

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