Zwei Fußbälle, der hintere steckt im Schnee fest, der vordere liegt auf frei gelegtem Rasen.

Bundesliga auf Eis: Spiel-Absagen, Rasenheizungen und das Klima

Schon wieder eine Spielabsage in der Bundesliga der Frauen. Das verdichtet den engen Spielplan noch weiter, aber die Thematik geht über Wettbewerbs-Fragen hinaus.

Die Bundesliga der Frauen ist in dieser Saison zum Teil eingefroren: durch das anhaltende Winterwetter gibt es massive Terminprobleme. Seit Wiederaufnahme des Spielbetriebs nach der Pause mussten bereits fünf Partien der Spielzeit 2025/26 verschoben werden, aktuell die Begegnung zwischen Werder Bremen und dem VfL Wolfsburg.

Das für Samstag angesetzte Match fällt aus, weil die Anlage am Platz 11 nicht nutzbar ist: Eis auf den Rängen und Zugangswegen, jede Menge Schnee und ein gefrorener Rasen verhindern ein reguläres Spiel und sichere Bedingungen auch für alle, die nicht auf dem Feld stünden. Selbst eine Austragung im deutlich größeren Weserstadion wäre laut der Mitteilung des SV Werder Bremen nicht möglich gewesen.

Besonders hart getroffen hat es aber Carl Zeiss Jena: Das Team aus Thüringen konnte bislang noch gar nicht in die Rückrunde starten. Nach zwei Absagen steht erst an diesem Wochenende beim Auswärtsspiel bei Union Berlin der erste Einsatz im Jahr 2026 an. Damit die verspätet endlich einsetzende Spielpraxis nicht direkt wieder ausgebremst und der Spielplan nicht weiter zerpflückt wird, ruft Jena aktuell die Fans zum Schneeschippen auf. Mit ihrer Hilfe soll in der kommenden Woche das Nachholspiel gegen Bayern München und das Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt stattfinden können.

Eine moderne Rasenheizung gibt es im Ernst-Abbe-Sportfeld eigentlich, aber diese bleibt aus Kostengründen ausgeschaltet. Die wasserbasierte und ohne Frostschutzmittel betriebene Heizung müsste die gesamte Kälteperiode durchlaufen, ein kurzzeitiges Anschalten vor Spielen funktioniert nicht. Männer- und Frauenteam spielen im selben Stadion, die Männer in der Regionalliga, aus welcher der Verein noch weniger Geld verdient als durch die Teilnahme an der Bundesliga der Frauen. Die laufenden Kosten für die Rasenheizung wären nicht zu stemmen, vor der Saison habe man sich laut lokaler Medienberichte deshalb intern geeinigt, die Anlage nicht zu nutzen.

Carl Zeiss Jena durch Ausfälle zwei Wochen später aus der Winterpause

Isabelle Knipp, Sportdirektorin von Carl Zeiss Jena, bestätigte im Gespräch mit dem Kicker, dass die vielen Nachholspiele unter der Woche für ihr Team durchaus eine Herausforderung seien. Der FCC ist einer der wenigen Klubs, bei denen Spielerinnen zusätzlich zum Fußball noch einer anderen Arbeit nachgehen. Die fehlende Spielpraxis habe man laut Knipp durch „spielnahe Situationen“ im Training zu kompensieren versucht und interne Tests absolviert: „Insofern haben wir keine großen Bedenken, dass uns das diese Woche auf die Füße fallen könnte.“

Eine Frage, die sich nicht leicht beantworten lässt, aber aufgebracht werden muss, ist die nach dem psychologischen Druck durch die verzerrte Tabelle. Die Jenaerinnen sind akut abstiegsgefährdet und auch wenn Essen und Hamburg sich ein Schneckenrennen liefern und Knipp sich zuversichtlich zeigt, hat der FCC doch einen Nachteil im Wettbewerb. In einer sportlich weniger bedrohlichen Lage gilt ähnliches für Bayern München, den VfL Wolfsburg und Eintracht Frankfurt weiter vorne in der Tabelle.

Bayern Münchens Vanessa Gilles kniet auf dem schneebedeckten Rasen und hält sich ihr Knie, ihr Gesicht ist schmerzverzerrt.
Die Bundesliga-Partie zwischen dem FC Bayern München und Leipzig am 15. Spieltag fand unter schwierigen Bedingungen statt, Verteidigerin Vanessa Gilles hatte zwischendurch Schmerzen im Knie. Foto: IMAGO/Eibner.

Schwierige Terminsuche durch dichten Spielplan

Denn die Suche nach Ersatzterminen ist aufgrund des dichten Spielplans schwierig und verschärft die Situation gleichzeitig. Wolfsburg, bisher von zwei Ausfällen betroffen, spielt außerdem in der Champions League und im DFB-Pokal. Dazu kommen die Abstellungsphasen der FIFA. Eine bereits abgesagte Auswärtsfahrt nach Jena konnte erst für Mitte März terminiert werden, weil vorher keine Lücke im Kalender war.

Falls die Wölfinnen gegen Turin weiterkommen, reiht sich bis in den Frühling eine englische Woche an die nächste. Realistisch erscheint eine Austragung der Bremen-Partie damit erst im späten April. Eintracht Frankfurt musste seine Heimpartie gegen Hoffenheim bereits zweimal verschieben, auch hier steht nun ein Märztermin. Das alles stellt die betroffenen Vereine vor sportliche Herausforderungen und sorgt für Frust bei den Fans.

Der DFB steht also vor einem organisatorischen Puzzle aus Nachholspielen, das die verbleibende Spielzeit erheblich verdichtet und die reguläre Saisonplanung durcheinanderbringt. Die Problematik mag gerade in der Bundesliga der Frauen mal wieder besonders deutlich aufkommen, ist aber eine, mit der sich der Fußball als Ganzes durch die Klimakrise noch intensiver wird beschäftigen müssen.

Fußball, Rasenheizungen und die Klimakrise

Durch die Klimakrise sind die Winter in Deutschland durchschnittlich bereits wärmer und die Frosttage zulasten der Natur weniger geworden. Das bedeutet aber nicht, dass kalte Winter wie der Aktuelle gar nicht mehr vorkommen. Viel mehr verstärkt die globale Erwärmung starke Kälteeinbrüche wie in diesem Winter, weil Luftströmungen wie der Polarwirbel und Jetstream beeinflusst werden.

Wenn es dann zu solchen Kälteeinbrüchen kommt, fallen diese intensiver aus, davon gehen Wissenschaftler*innen der European Space Agency (ESA) und der Wetter- und Ozeanografiebehörde der Vereinigten Staaten (NOAA) aus. Und: Kommt es zu Schneefällen, sind diese ebenfalls stärker, weil durch die globale Erhitzung mehr Wasser verdunstet. Wärmere Luft nimmt mehr Feuchtigkeit auf – und die kommt dann bei Extremwetterereignissen wie starken Regen- oder Schneefällen in größerer Masse herunter als noch vor Jahren.

Die ganze Thematik ist also sehr komplex. Rasenheizungen mögen im Winter kurzfristig Abhilfe schaffen und werden im Fußball der Frauen häufig gefordert. Ein Bericht der Deutschen Welle von Anfang 2023 führt allerdings sehr genau auf, dass diese viel Energie verbrauchen, viele Modelle nicht ökologisch nachhaltig sind. In Jena hat man sich wie bereits erwähnt für eine Variante mit Wasser ohne Frostschutzmittel entschieden (statt z.B. Gas) und will an einer „Energielösung“ arbeiten, um in Zukunft einen kostengünstigeren Betrieb zu ermöglichen. Das könnte z.B. bedeuten, dass man die nötige Energie zumindest zum Teil selbst erzeugt.

Anstatt mit diesen Bedingungen zu kämpfen, könnte man aber auch (oder zusätzlich) versuchen ihnen auszuweichen und den Spielkalender verändern. Zu weit in den Sommer rücken kann man allerdings auch nicht, denn auch extreme Hitze wird im Sport mehr und mehr zum Thema. Es wäre ein Umdenken auf höherer Ebene bei den Verbänden, den übertragenden Medien und auch Fans erforderlich, um den Fußball-Kalender grundlegend anzufassen. Erste andere Schritte gibt es schon: In der Saison 2025/26 waren die Nachhaltigkeitskriterien des DFB für u.a. die Bundesliga der Frauen erstmals verpflichtend, darunter auch Maßnahmen zur ökologischen Nachhaltigkeit (einsehbar hier im PDF ab Seite 107).

Völlig unabhängig davon, wie es mit der Bundesliga der Frauen in den nächsten Jahren weitergeht, ist es leider wahrscheinlich, dass uns witterungsbedingte Spielausfälle immer wieder mal beschäftigen werden.

Beitragsbild: Im Rahmen eines Freundschaftsspiels zwischen dem FC Carl Zeiss Jena und dem 1. FFV Erfurt am 04.02.2026. Foto: IMAGO/Beautiful Sports

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Annika Becker berichtet als freiberufliche Journalistin unter anderem für sportschau.de über die Bundesliga der Frauen und beleuchtet die strukturellen wie sportlichen Themen im Fußball. Seit 2022 gehört sie zur Jury des Guardian für die Wahl der „100 Best Female Footballers In The World“. Becker ist Teil der Crew von „FRÜF – Frauen reden über Fußball“, ansonsten ist als Expertin zum Beispiel im DLF oder bei der BBC zu hören - und natürlich bei "Becker & Pfeiffer - Der Fußballpodcast". An den Wochenenden findet man sie auch privat meist im Stadion, denn Beckers Fußball-Herz schlägt für zwei Ruhrgebietsvereine: den FC Schalke 04 und die SGS Essen.

2 thoughts on “Bundesliga auf Eis: Spiel-Absagen, Rasenheizungen und das Klima”

  1. Früher gab es mal eine längere Winterpause im Fußball und das ist und bleibt nicht verkehrt. Man spart sich das gefährliche Spielen auf vereisten Plätzen, die immensen Kosten einer Rasenheizung und die Fußballerinnen bekommen auch mal eine etwas längere Pause, die es so im Sommer ja nicht gibt. Die Fans müssen nicht bei ranzigen Temperaturen und/oder Glatteis anreisen und in der Kurve steht es sich halt auch angenehmer, wenn kein Frost ist.

  2. @news Alles, was Fußball verhindert ist willkommen.

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