Lizbeth Ovalle im Trikot von Tigres scheint in der Luft zu schweben, die hat im Sprung beide Beine, das Linke besonders, hinter ihren Rücken geworfen, rechts oben im Biild fliegt der Ball, den sie so mit der Hacke gespielt hat.

Türchen 24. Lizbeth Ovalles magischer Moment

Shrimp, Skorpion: Wie auch immer man das eingesprungene Tor von Lizbeth Ovalle betiteln möchte, es macht glücklich.

So, das war’s für dieses Jahr. 24 Türchen, 24 Geschichten, und jetzt stehen ein paar ruhigere Tage an – oder auch nicht, je nachdem, wie eure Feiertage so laufen.

Was auch immer die nächsten Tage für euch bedeuten: ob ihr mit Familie am Tisch sitzt, bewusst Abstand haltet, arbeiten müsst, auf der Couch chillt oder einfach froh seid, wenn ein neues Jahr anfängt: Wir hoffen, ihr findet ein bisschen Zeit für euch.

Das Jahr 2025 hatte wieder alles: Jubel, Drama, EM-Hoffnungen, Abstiege von Traditionsklubs, lang herbeigesehnte Aufstiege, kuriose Flutlicht-Ausfälle und Momente, in denen wir uns gefragt haben, warum wir uns das eigentlich antun.

Und dann gab es da bereits im März auch noch dieses eine Tor: Lizbeth Ovalle, die den Ball nach Vorlage von Jennifer Hermoso mit der Hacke über den eigenen Körper hinweg ins Netz befördert. Mit dem Rücken zum Tor, im Lauf abgesprungen, in der Drehung, gegen jede Wahrscheinlichkeit. Völlig abgefahren. Völlig unmöglich. Und trotzdem drin. Ihr Treffer für Tigres gegen Guadalajara wurde völlig zu Recht mit dem Marta Award 2025 für das schönste Tor des Jahres ausgezeichnet.

Manchmal gelingen eben doch die Dinge, die eigentlich nicht kappen können sollten, die uns unschaffbar erscheinen. Diese Schönheit aus dem Moment heraus und die Möglichkeit des vermeintlich Unschaffbaren sind vielleicht die Dinge, die wir vom Fußball und von anderen Bereichen, in denen Menschen zusammenkommen und kreativ werden, am meisten brauchen. Allen negativen Entwicklungen zum Trotz. Das ist, was wir euch (und uns) für das neue Jahr wünschen.

Lizbeth Ovalle glücklich strahlend mit aufgerissenem Mund, fotografiert von der Seite.
Tigres UANL gegen Guadalajara Mitte März 2025: Lizbeth Ovalle feiert ihr unfassbares Tor zum 1:0. Später nannte sie den Trick zum Tor „The Shrimp“. Im August wurde die Mexikanerin durch ihren 1,3-Millionen-Euro-Wechsel zu Orlando Pride zur bislang teuersten Spielerin der Welt. Foto: IMAGO/Agencia-MexSport.

Danke, dass ihr uns lest, kommentiert, teilt und mit uns diskutiert. Dass ihr auch bei den sperrigen Themen dabei bleibt und dass ihr so zeigt, dass Fußball mehr ist als die 90 Minuten auf dem Platz.

Ein besonderer Dank geht an alle, die diesen Adventskalender mit uns gefüllt haben: Die Crew von Legende Verloren – Franziska Blendin, Sophia Brauner, Sascha Düerkop, Sandra Kreiner – sowie Lisa Seiler, Petra Tabarelli und Christian Zimmermann. Danke für eure Texte, eure Zeit und eure Perspektiven.

Das neue Jahr 2026 kommt mit neuen Geschichten, neuen Aufreger-Momenten, einer politisch extrem problematischen WM der Männer – aber hoffentlich auch mit dem ein oder anderen überraschend schönen Fußballmoment, sei es als Erleben von Gemeinschaft oder einem spektakulär unwahrscheinlichen Tor.

Wir lesen und hören uns!

Mara & Annika

Beitragsbild: IMAGO/Agencia-MexSport.

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Annika Becker ist freiberufliche Journalistin aus Essen und berichtet u.a. für sportschau.de und die taz über den Fußball der Frauen. In ihrer Berichterstattung beleuchtet sie regelmäßig neben dem Sport selbst die strukturellen Themen im Sport und war dazu Co-Autorin von Videobeiträgen für die Sportschau. Seit 2022 ist Becker Teil der Jury des Guardian zur Wahl der „100 best female footballers in the world“. Im Jahr 2024 wurde sie vom Medium-Magazin auf den 6. Platz bei den Journalist*innen des Jahres im Sport gewählt. Seit 2022 ist Becker Teil der Crew von „FRÜF – Frauen reden über Fußball“, früher podcastete sie bei der inzwischen eingestellten „Halbfeldflanke“ über Schalker Taktik-Unzulänglichkeiten. Oder sie ist im Radio zu hören, zum Beispiel im DLF oder als Expertin bei der BBC. An den Wochenenden findet man sie auch privat meist im Stadion, denn Beckers Fußball-Herz schlägt für zwei Ruhrgebietsvereine: den FC Schalke 04 und die SGS Essen.

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