Links ein schwarz-weißes Bild der SC Freiburg Mannschaft der Saison 75/76. Rechts ist das aktuelle Teamfoto des SC Freiburg für die Saison 25/26.

Türchen 20: 50 Jahre Fußball der Frauen beim SC Freiburg

Dieses Jahr feierte die Frauenabteilung des SC Freiburg 50. Jubiläum. Zu diesem besonderen Anlass wurde der 6. Spieltag der Bundesliga als Jubiläumsspiel ausgetragen. Die Fans haben gebührend gefeiert und das Team hat sich mit einem Sieg über die Eintracht aus Frankfurt belohnt.

Was ist die Perspektive der Fans, der Spielerinnen und der Funktionärinnen, wenn sie auf ihre Zeit beim SC Freiburg zurückblicken? Diese Frage versuchen wir im folgenden Text zu beantworten. Hierfür wurden uns Fragen von Birgit Bauer-Schick (Bereichsleiterin Frauenfußball und ehemalige Freiburg Spielerin), Hasret Kayikçi (SC Freiburg Rekordspielerin) und Harald Lörch vom Fanclub Rote Füchse beantwortet.

Die Anfänge

Als im Juli 1975 die zwölf Spielerinnen unter der Führung von Doris Klein von der SpVgg Wiehre 04 zum neu gegründeten Sport-Club Freiburg gewechselt sind: hätten sie sich damals vorstellen können, dass zum 50 jährigen Jubiläum das Team regulär im Dreisamstadion spielt und es einen Fanabend zur Erinnerung an ihre vielfältige Geschichte geben wird? Vermutlich nicht. Fußball war in den 70ern bei Männern und Frauen noch etwas sehr verschiedenes. Doch der Grundgedanke war schon immer der gleiche, wie  eine der interviewten Zeitzeuginnen zur Geschichte der Freiburger Geschichtsgruppe zu Beginn sagte: „Wir wollen nur Fußball spielen“. Zu Gast an diesem Abend waren ebenfalls ehemalige Freiburger Größen, deren Name in der heutigen Zeit leider bei vielen in Vergessenheit geraten sind: Elke Sovjak, Heike Dierks, Andrea Walther und Edeltraud König.

So einfach war der Beginn der Freiburger Frauenabteilung jedoch nicht. Die Spielerinnen durften nicht sofort für den Sport-Club auflaufen, denn, wie der Freiburger Vereinsarchivar Uwe Schellinger es auf dem Fanabend formulierte gab es noch „veritable juristische Angelegenheiten“ zwischen Wiehre und dem Sport-Club zu klären. Am 5. Oktober 1975 fiel dann endlich der Startschuss für die Breisgauerinnen: sie spielten das erste Punktspiel der Vereinsgeschichte gegen den TuS Hartheim und überzeugten prompt mit einem überlegenen 7:0 Sieg.

Zeitungsartikel. Überschrift: Erstes Punktspiel der Sport-Club-Damen. Text: Am Sonntag stellt sich die Damenmannschaft des Sport-Clubs Freiburg in ihrem ersten Spiel gegen den TuS Hartheim um 13 Uhr im Stadion in der Schwarzwaldstraße vor. Die Elf war vor drei Monaten von der Spielvereinigung Wiehre 04 zum Sport-Club gewechselt. Außer der Erringung des fünfmaligen Bezirksmeistertitels in ununterbrochener Reihenfolge wurde die Mannschaft zweimaliger Südbadischer Meister und machte sich durch die zweimalige Teilnahme an der deutschen Meisterschaft über die Grenzen Südbadens hinaus bekannt. Die inzwischen zum Teil neuformierte Mannschaft muss wegen bestehender Sperren noch auch den Einsatz einiger Spielerinnen verzichten.
Auszug aus der badischen Zeitung 1975 über das Premieren-Spiel der SC Freiburg Frauen. Quelle: Bereitgestellt vom Vereinsarchiv des SC Freiburg.
Schwarzweiß-Foto von 16 Spielerinnen und einem Trainer, die hintere Reihe steht, die vordere hockt, sie tragen Trainingsanzüge mit sehr breiten Kragen, der Großteil von ihnen hat kurzes Haar, andere haben toupierte Frisuren wie in den Siebzigern üblich.
Teamfoto der aller ersten SC Freiburg Frauen-Mannschaft 1975/76. Quelle: Bereitgestellt vom Vereinsarchiv des SC Freiburg.

In diesen Kindheitsjahren des Clubs schaffte es das Team um Doris Klein regelmäßig, sich den Titel der Badischen Meisterinnen zu holen. Der Sprung in die Bundesliga war allerdings noch ein paar Schuhe zu groß und die Abteilung musste 1991 nach 6 Jahren Pause erst wieder belebt werden. Dieser  Meilenstein gelang das erste Mal 1998; da war bereits Birgit Bauer-Schick mit im Boot.

Birgit Bauer-Schick

Fußballerinnen mit Bundesverdienstkreuz gibt es nicht so viele – Birgit Bauer-Schick ist eine von ihnen. Ihr Weg begann auch bei der Wiehre, und so gelangte sie dann auch, wie ihre Vorgängerinnen 1975, zum Sport-Club. Sie ist seit 1991 beim SC und hat so schon viele Höhen und Tiefen des Vereins miterlebt. Nach ihren schönsten Erinnerungen gefragt, erinnert sie sich besonders gerne an die ersten Spiele auf dem Hartplatz und die Entwicklung hin zu besseren Bedingungen, das Gemeinschaftsgefühl im Team – trotz der begrenzten Ressourcen – und auch besondere Siege oder Turniere, die den Frauenfußball und damit auch ihre Abteilung sichtbarer gemacht haben.

Birgit Bauer-Schick im weißen Pulli läuft lächelnd auf die Kamera zu, sie hat eine Brille auf und trägt ihr mittellanges blondes Haar offen.
Birgit Bauer-Schick: ehemalige Spielerin des SC Freiburg und aktuelle Bereichsleiterin der Frauenabteilung des SC. Foto: Bilderrechte SC Freiburg

Wenn man im Frauenfußballmagazin „DieDa“ von 1996 nachliest, kann tatsächlich festgestellt werden: auch als der SC noch nicht in der ersten Liga gespielt hat, gab es Unterstützung vom Gesamtverein. Es kamen in den 90ern auch mal 300-400 Zuschauende um die Freiburgerinnen beim Fußballspielen anzufeuern.

Zeitungsartikel: Verbandsligen Baden-Württemberg. Dieses Bundesland ist gleich mit drei Ligen vertreten und alle drei Spitzenklubs haben sich den Aufstieg zum Ziel erklärt. Der TSV Crailsheim strebt schon seit geraumer Zeit das Oberhaus an und der SC Freiburg kann sich sogar der Unterstützung des Hauptvereins sicher sein. Im letzten Jahr mussten die Südbadener noch dem TuS Wörrstadt den Vortritt lassen. "Präsident Stocker unterstützt unser Vorhaben", schildert Abteilungschefin Doris Klein die guten Voraussetzungen im Umfeld "und zusammen mit Sponsorengeldern müsste sich ein Etat von 100.000 Mark realisieren lassen". Zumindest in der Aufstiegsrunde rechnet der SC auch mit erheblichen Zuschauerzahlen. Im letzten Jahr kamen im Schnitt 300 bis 400 zu den Spielen.
Schon in den 90ern lockte Freiburg 300-400 Zuschauende zu seinen Spielen. Fotos: DieDa das Frauenfußball Magazin

Aber natürlich herrschte auch beim SC Freiburg der Kampf um Sichtbarkeit und Ressourcen. In den 80ern noch deutlicher als in den 90er-Jahren. Als Birgit Bauer-Schick, die seit 1991 im Funktionsteam ist, die Abteilungsleitung übernahm, hatte sie Vorsätze, Dinge in Verantwortung anders zu gestalten: Mehr Wert auf professionelle Strukturen und Gleichbehandlung zu legen sowie eine frühzeitige Förderung von Mädchen, um ihnen bessere Startbedingungen zu geben. Einen dieser Vorsätze hat sie spätestens mit dem Umzug ins Dreisamstadion erreicht.  Mit dabei bei diesem wichtigen Meilenstein war die Freiburger Legende Hasret Kayikçi.

Hasret Kayikçi

Mit 19 zum SC Freiburg gekommen ist Hasret Kayikçi sowas wie ein Urgestein bei den Freiburgerinnen, sie hat für den Breisgauer Verein 225 Spiele absolviert. Und nach positiven Entwicklungen im Verein gefragt, antwortet sie ähnlich wie Birgit Bauer-Schick: „Positiv sehe ich vor allem, dass der Verein konsequent daran arbeitet, die Strukturen weiterzuentwickeln und dem Frauenfußball mehr Professionalität zu geben. Besonders der Umbau des Dreisamstadions und die stärkere Verzahnung unserer Nachwuchsarbeit (NLZ) mit der ersten Mannschaft sind wichtige und richtige Schritte für die Zukunft.“

Hasret Kayikci steht im schwarzen Mantel an der Eckfahne vor der Fantribüne im Dreisamstadion.
Die Freiburger Legende und langjährige Kapitänin Hasret Kayikçi bei ihrem Abschiedsspiel im Dreisamstadion. Foto: Bilderrechte SC Freiburg

Sie ist Teil der Spielerinnen-Generation, die einerseits die herausfordernden Zeiten in den 2000ern mitbekommen hat, aber andererseits auch die Professionalisierung der letzten Jahre miterlebt hat. „Früher waren unsere Trainingsbedingungen deutlich bescheidener – sowohl was die Infrastruktur als auch die Professionalität im Trainingsalltag betrifft. Wir haben über die Jahre Schritt für Schritt aufgebaut, viel improvisiert und immer diese typische ‚Freiburger Bodenständigkeit‘ in uns getragen. Heute ist alles professioneller und strukturierter. Wir haben bessere Plätze, hochwertigeres Material und mehr Unterstützung im medizinischen und analytischen Bereich. Dadurch ist auch das Anspruchsniveau gestiegen.“ 

Einen wohl leider typischen Satz hat sie zum Thema Infrastruktur beim Frauen.Fußball.Podcast gesagt: „Man müsste sich nur die Verletzten-Historie angucken und das könnte man schon auf die Infrastruktur zurückführen. […] Ich merk’ einfach, ich habe viel weniger Probleme, auch mit meinem Knie, wenn ich auf einem normalen, ebenen Rasen spiele.“

Bei den Fans hat sie als vereintreue Spielerin auf jeden Fall ihre Spuren hinterlassen, es gibt sogar einen Sticker mit ihr.

Aufkleber mit Hasret Kayikci im Freiburgtrikot in Jubelpose und wie sie einen Freistoß schießt.
Fansticker von Freiburger Legende Hasret Kayikçi. Foto: privat.

Aber auch die Fans sind für sie bei Freiburg ein wichtiger Punkt:

„[…] bei den Fans hat sich unglaublich viel positiv verändert. Früher waren es vor allem Familien, Freunde und ein kleiner, treuer Kern, der uns begleitet hat. Heute spürt man eine viel größere Aufmerksamkeit und Begeisterung für den Frauenfußball. Die Atmosphäre im Stadion ist intensiver geworden – die Menschen kommen nicht mehr „nebenbei“, sondern bewusst für uns. Unsere Fans haben uns auch durch schwierige Phasen getragen und haben einen großen Anteil daran, dass wir da stehen, wo wir heute sind.“ Die treuen Fans, die Hasret Kayikçi erwähnt, sind unter anderem die Roten Füchse.

Die Roten Füchse

Die Roten Füchse sind ein Fan-Club, der nur bei den Frauen des SC Freiburg aktiv ist. Sie existieren seit 2018, unter anderem gegründet durch Friedrun Held und Peter Geisert. Die Unterstützung gilt nicht nur dem ersten Team, sondern sie gehen auch zu Spielen der Nachwuchsteams.

Banner Nein zu Montagsspielen vom Fanclub Rote Füchse.
Die Haltung des Freiburger Fanclubs Die Roten Füchse zu den umstrittenen Montagsspielen ist klar. Foto: Rote Füchse/Peter Geisert.

Wahrnehmbar sind die Roten Füchse nicht nur durch ihre lautstarke Unterstützung ihres Vereins im Stadion: sie protestieren auch seit Jahren gegen Montagsspiele. 

Harald Lörch vom Fanclub erläutert, dass diese zu einem der Kernthemen als Fan zählt: „Eine große Herausforderung für uns als Fanclub sind die Spielansetzungen in der Frauenbundesliga. Da sind zum einen die Montagsspiele zu nennen, die es Familien und Auswärtsfahrern schwer machen, die Spiele live im Stadion zu erleben. Mit der Erweiterung der Liga von 12 auf 14 Mannschaften kamen jetzt auch noch zwei Spieltage komplett unter der Woche (Dienstag, Mittwoch und Donnerstag) hinzu, was für uns völlig unverständlich ist. Zum Anderen findet die genaue Terminierung der Spiele teilweise erst sehr kurzfristig statt, was die Planung der Auswärtsfahrten sehr erschwert, da dann weder günstige Bahnfahrten noch günstige Mietwagen erhältlich sind.“

Die Roten Füchse sind stolz auf das Jubiläum des 50-jährigen Bestehens der Abteilung, der Verein hat mit dem Jubiläumstrikot wohl auch etwas kreiert, das gut ankommt: „Das Jubiläumstrikot ist ein einmaliges Erinnerungsstück an die 50 Jahre Frauenfußball beim SC Freiburg, da darauf alle Spielerinnen namentlich erwähnt sind, die jemals für den SC Freiburg gespielt haben.“

Der Umzug ins Dreisamstadion wurde von den Fans klar positiv gesehen, genauso wie der Weg, den der Verein in Richtung Professionalisierung gegangen ist: „Der SC Freiburg hat es in diesem Jahr geschafft, als einer von wenigen Vereinen als Nachwuchsleistungszentrum für Mädchen anerkannt zu werden. Dies erhöht die Attraktivität des Vereins für junge Mädchen noch einmal stark, obwohl sich Freiburg auch schon bisher einen guten Namen als Ausbildungsverein gemacht hat, der schon etliche Nationalspielerinnen hervorgebracht hat.“

Fanclub Rote Füchse mit Fanclubbanner vor einem Reisebus.
Die Roten Füchse unterstützen ihr Team auch fleißig bei Auswärtsspielen. Foto: Rote Füchse/Peter Geisert.

Wünsche für die Frauenfußballabteilung des SC Freiburg

Zum Geburtstag wünscht Harald Lörch vom Fanclub dem SC Freiburg:

„Wir wünschen uns natürlich ein erfolgreiches Abschneiden aller Frauen- und Mädchenmannschaften des SC Freiburg und möglichst wenig Verletzungen unserer Spielerinnen. Ein großer Wunsch an den Verein wäre auch, dass man einige der Toptalente, die der Verein immer wieder hervorbringt, etwas länger halten könnte. Bisher war es leider immer so, dass jede Spielerin, die Nationalmannschaftsniveau erreicht, zu einem der größeren Vereine wie Bayern München oder Wolfsburg wechselt. Im Nations-League-Finale gegen Spanien standen jetzt im Dezember 2025 mit Giulia Gwinn, Klara Bühl, Janina Minge, Rebecca Knaak und Cora Zicai gleich fünf ehemalige SC-Spielerinnen auf dem Platz.“

Hasret Kayikçi erhofft sich für Ihren Verein: „[…] dass wir im Frauenbereich nachhaltig wachsen – ohne dabei unsere Identität zu verlieren. Langfristig brauchen wir den Mut, weiterhin in stabile Strukturen zu investieren.“

„Sportlich wünsche ich mir, dass wir weiterhin Spielerinnen aus unserem NLZ in die erste Mannschaft führen und talentierte Spielerinnen langfristig binden können. Und natürlich steht über allem, dass der SC Freiburg dauerhaft ein fester und stabiler Bestandteil der Frauen-Bundesliga bleibt.“

Und Birgit Bauer-Schick hat als langjährige Vereinsfunktionärin den Wunsch, dass der Frauen-  und Mädchenfußball weiterhin ein starker Teil der Vereinsidentität wird. Sie findet es außerdem wichtig, beim SC Freiburg ein Umfeld zu schaffen, in dem Spielerinnen nicht nur sportlich, sondern auch persönlich wachsen können.

Alles Gute, SC Freiburg!

Beitragsbild: Badische Zeitung/SC Freiburg Archiv & IMAGO/STEINSIEK.CH

Written by 

Franziska Blendin ist leidenschaftliche Fan des FSV Frankfurt, aber hadert auch mit der schlechten historischen Aufarbeitung des Vereins, wenn es um die Frauenfußball-Abteilung geht. Das ist einer der Gründe, warum sie sich vor allem mit der Geschichte des Fußballs der Frauen beschäftigt. Zur Vereinshistorie hat sie die „FSV Frankfurt Fußballfibel“ veröffentlicht. Durch die gemeinsame Recherche mit Sascha Düerkop zum falsch reklamierten 1. Bundesliga Tor des DFB ist der Podcast „Legende Verloren“ entstanden. Dieser ist mittlerweile ein Raum für vielfältige Geschichten und Interviews. Gemeinsam mit Sascha und vielen weiteren ist sie Teil des internationalen Geschichtsblogs „Forgotten Heroines“. Im eigentlichen Leben neben dem Fußball ist sie Maschinenbau-Ingenieurin bei der Deutschen Bahn und zeichnet Comics, wenn mal Zeit übrig ist.

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