
Türchen 16. Camilla Küver: Die Geduldige, die endlich belohnt wird
Mitte Oktober: Auf einem Rollfeld in Oslo stehen der deutsch-norwegischen Innenverteidigerin die Freuden-Tränen in den Augen. Kurz vor Wolfsburgs Champions-League-Spiel gegen Vålerenga Oslo wird Camilla Küver zum ersten Mal in den Kader der A-Nationalauswahl berufen. Ein Moment, auf den sie lange hingearbeitet hat und der sich nach den Rückschlägen der letzten Jahre umso besonderer anfühlt.
Eine Karriere mit Hindernissen
Über Camilla Küver zu schreiben, bedeutet, nicht an ihrer langen Verletzungsgeschichte vorbeizukommen. 2021 riss sie sich das Kreuzband, 2023 folgte ein Meniskusriss. In dieser Zeit stand sie bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag, wo sie zwischen 2020 und 2023 auf insgesamt 43 Einsätze kam. Trotz Verletzungen wurde die damals 18-jährige 2022 von goal.com mit dem NXGN Award ausgezeichnet—sie landete auf Platz 9 der 20 vielversprechendsten Nachwuchsspielerinnen.

Aufgeben war für die fast dauerverletzte Camilla Küver keine Option. Ihr Ziel, eines Tages für die DFB-Auswahl zu spielen, gab ihr Kraft und Motivation. Ihre Beharrlichkeit zahlte sich aus.
Bundestrainer Christian Wück belohnte sie bei den ersten Länderspielen nach der EM direkt mit zwei Startelfeinsätzen in den Halbfinalpartien der Nations League gegen Frankreich. Im Hinspiel lieferte die 22-jährige einen fast fehlerfreien Auftritt: sie erledigte ihre Defensivarbeit souverän und setzte mit offensiven Pässen kluge Impulse. Wück war danach zufrieden, dass Küver endlich ihr Debüt geben konnte: Er habe schon seit seinem Amtsantritt im Oktober 2024 auf sie gewartet.
Schritt für Schritt zur Stütze beim VfL Wolfsburg
Seit ihrem Wechsel zum VfL Wolfsburg zur Saison 2023/24 hat Küver erneut mit muskulären und Knieproblemen zu kämpfen gehabt. Der Start fiel schwer, immer wieder warfen kleine Verletzungen sie zurück. Doch in dieser Saison scheint der Knoten zu platzen: Sie hat sich inzwischen zum festen Bestandteil der Wolfsburger Defensive entwickelt.

Beim Ligaspiel gegen den 1. FC Köln sicherte sie ihrem Team mit einem Last-Minute-Treffer die drei Punkte. Nach einer Ecke stieg die über 1,80 Meter große Innenverteidigerin am höchsten und köpfte den Ball ins Netz. Aber auch ihre Hauptaufgabe als spielaufbauende Innenverteidigerin absolviert die beidfüßige Küver gewissenhaft und eröffnet das Spiel gelegentlich mit riskanten Bällen, die zu offensiven Aktionen führen. Mit einer Passquote von 90% bringt die Wölfin Stabilität in die Defensive und strahlt in Drucksituationen meist Gelassenheit aus.
Ihr Vertrag beim VfL läuft noch bis Ende Juni 2026. Dass der Klub gut daran täte, Küver zu halten, scheint offensichtlich.
Eine Zukunft in der Nationalelf?
Im Nationalteam plant Christian Wück langfristig mit Küver. Ihre Körperlichkeit, Körpergröße und überlegte Spielweise sollen dem Team „auf Sicht, vielleicht nicht sofort, aber auf Sicht“ dabei helfen, an der internationalen Spitze zu bleiben.
Vielleicht spielt Küver nach all ihren Verletzungen überraschend schnell eine wichtige Rolle in der Defensive. Denn viele junge deutsche Spielerinnen in der Innenverteidigung, die Spielpraxis auf hohem Niveau sammeln können, gibt es gerade nicht. Küver spielt mit Wolfsburg Champions League und ist in der Abwehr in der laufenden Saison bisher gesetzt. Sie könnte auch die in der Vergangenheit immer wieder wackelige Defensive des DFB schon bald regelmäßig stabilisieren.
Nach Jahren voller Rückschläge scheint Camilla Küver endlich anzukommen. Es gilt zu hoffen, dass sie verletzungsfrei bleibt.
Beitragsbild: IMAGO/Kolvenbach
