
Türchen 12: Die Werder Frauen Supporter über Platz 11, Nahbarkeit und Gemeinschaft
Die Werder Frauen Supporter im Interview. Das Jahr 2025 war voller Highlights für Anhänger*innen des Frauenteams vom SV Werder Bremen: das Erreichen des DFB-Pokalfinales, das Nordderby im Weserstadion vor 37000 Zuschauer*innen oder der ikonische Laubbläser Einsatz im Schneegestöber im Bundesligaspiel gegen den 1. FC Köln. Die Hinrunde der diesjährigen Bundesligasaison kann sich sehen lassen. Vor dem 12. Spieltag stehen die Bremerinnen auf Platz 3–einem Champions-League-Qualifikationsplatz.
Wie haben die Werder-Fans dieses Jahr erlebt? Ich habe mit Jule und Marvin von den Werder Frauen Supporters gesprochen. Sie haben ihren Fanclub im Januar 2024 gegründet und sind bei jedem Spiel der Werder Frauen dabei–lediglich zwei Testspiele in Vietnam im Mai konnten sie nicht besuchen. Im Gespräch wird deutlich: Jule und Marvin, und mit ihnen die Werder Frauen Supporter, brennen für den Verein, an erster Stelle für das Frauenteam aus Bremen, und schätzen besonders die Nahbarkeit im Fußball der Frauen. Viel Spaß mit dem Interview!
Wie wurde euer Fanclub gegründet? Seit wann gibt’s euch und wie ist es zu eurem Fanclub gekommen?
Jule: Wir sind schon lange eine Freundesgruppe und hatten irgendwann die Idee: Wenn wir sowieso immer zusammen zu den Werder-Frauen gehen, können wir auch gleich einen eigenen Fanclub gründen. Also haben wir uns im Januar 2024 offiziell bei Werder angemeldet. Seitdem haben wir auch eine Fahne, die immer mit dabei ist. Uns war wichtig, dass die Mannschaft sieht, dass wir immer da sind und sie unterstützen.
Marvin: Genau. Wir haben uns alle über die Werder-Frauen kennengelernt und kommen aus ganz unterschiedlichen Ecken: aus Friesland, Nienburg, Bremen und sogar einer aus Mönchengladbach; der ist auch immer bei jedem Spiel dabei.

Was macht euch als Fanclub aus?
Jule: Dass wir uns auf Platz 11 kennengelernt haben und seitdem zusammengeblieben sind. Wir unternehmen auch viel neben den Spielen; es macht einfach Spaß und fühlt sich nach einer engen Gemeinschaft an. Unser Ziel ist es jetzt nicht, der größte Fanclub zu sein. Wir sind eine kleine, enge Gruppe.
Marvin: Wir reisen zusammen auswärts, gehen vor und nach den Spielen was trinken und treffen uns auch zweimal im Jahr zum Brunchen. Das gehört für uns einfach dazu.
In welche Stadt fahrt ihr denn am liebsten, wenn es um Auswärtsfahrten geht?
Jule: Puh… ich mag Köln total, einfach weil ich die Stadt gerne habe. Neu dazu gekommen ist jetzt auch Union Berlin. Da freue ich mich schon sehr auf das Spiel im März.
Apropos Köln: Wie habt ihr das DFB-Pokalfinale in Köln erlebt?
Marvin: Das war ein richtig cooles Erlebnis. Schon das ganze Drumherum vorm Stadion, die Atmosphäre, auch der Weg zum Finale; da war das Derby gegen den HSV schon ein absolutes Highlight. Da waren wir in einer Kneipe mit Biergarten, überall verteilt Fans von Werder und vom HSV, alles total locker und bodenständig. Genau deswegen bin ich beim Frauenfußball: weil es entspannt und unkompliziert ist.
Jule: Für mich war es einfach einzigartig. Wir sind die Jahre davor auch schon immer als Fanclub zum Finale gefahren und haben, wie immer, früh Karten gekauft. Es war dann einfach Zufall, dass Werder es diesmal ins Finale geschafft hatte. Es war total besonders, unsere eigene Mannschaft dort zu sehen – nicht nur Bayern oder Wolfsburg – und unsere Spielerinnen anzufeuern. Ich habe mich dort wirklich wie im Traum gefühlt.

Wie nehmt ihr die Entwicklung der Werder-Frauen in der Hinrunde der aktuellen Saison wahr?
Marvin: Man sieht die Entwicklung über die letzten Jahre total. Die letzte Saison war schon stark. Fußballerisch hat sich die Spielweise vielleicht nicht extrem verändert, aber wir gewinnen jetzt Spiele, die wir früher hergeschenkt hätten. Und es ist natürlich cool, dass die Supportergruppe größer geworden ist: Die machen richtig Stimmung, kleine Choreos, feuern laut an. Das pusht die Mannschaft.
Stimmt ihr während der Spiele auch Fangesänge an oder zeigt ihr euren Support eher durch eure Präsenz bei allen Spielen?
Marvin: Unsere Hauptsache ist: Wir sind da und präsent. Wir singen manchmal, vor allem auswärts, aber auf den Sitzplätzen um uns herum machen eben nicht alle mit, weil viele einfach zum Fußball schauen da sind. Die Ultragruppierung gegenüber stimmt öfter was an, und dann machen wir natürlich mit.
Jule: Choreos machen wir nicht richtig, aber Banner machen wir oft, zum Beispiel, wenn eine Spielerin verletzt ist oder den Verein verlässt. Dann drücken wir so unsere Unterstützung aus.

Nehmt ihr Veränderungen in der Fankultur der Frauen-Bundesliga wahr – und speziell bei Werder?
Jule: Auf jeden Fall. Auf Platz 11 merkt man deutlich, dass immer mehr Leute kommen. Und auch die Supportergruppe macht richtig Stimmung, das ist sicher auch für die Spielerinnen cool. Außerdem haben wir jetzt zwei Highlightspiele im Weserstadion pro Saison. Und bei anderen Vereinen sieht man ja auch, wie viel passiert: Der HSV spielt komplett im großen Stadion, Union auch. Es bewegt sich auf jeden Fall einiges. Das ist super und kann gerne so weitergehen.
Seid ihr denn Team Platz 11 oder Weserstadion?
Beide: Ganz klar Platz 11.
Jule: Klar, das Weserstadion als Highlight ist schön. Aber Platz 11 hat einfach dieses besondere Flair. Es ist gemütlicher, familiärer. Nach dem Spiel kommen die Spielerinnen rüber, klatschen uns ab, bedanken sich. Man hat immer Kontakt, egal wie das Spiel gelaufen ist. Die Eltern der Spielerinnen stehen auch bei uns; alles fühlt sich nach einer großen Familie an.
Was macht für euch generell den Fußball der Frauen aus?
Jule: Ganz klar die Nahbarkeit. Dass man die Spielerinnen kennt, dass sie einen kennen, dass man zwischendurch mal quatscht. Das ist bei den Männern einfach schwieriger, weil so viel mehr Menschen da sind und der Kontakt kaum möglich ist.
Marvin: Genau. Man sitzt zusammen mit allen, auch mit den Eltern der Spielerinnen. Viele kennt man schon. Die verletzten Spielerinnen sitzen oft direkt hinter uns, wir reden mit ihnen, teilen die Emotionen. Und sogar der Präsident sitzt zwei Reihen hinter uns. Man kann einfach hingehen und mit ihm reden. Das wäre bei den Männern undenkbar.

Auf Instagram sieht man, dass ihr auch die Wege ehemaliger Spielerinnen verfolgt. Warum ist euch das wichtig?
Jule: Weil man über die Zeit eine echte Bindung zu den Spielerinnen aufbaut. Nur weil eine Spielerin den Verein verlässt, bedeutet das ja nicht, dass man sich nie wieder sieht. Wenn es passt, fahren wir auch mal hin. Ich fahre zum Beispiel manchmal nach Österreich, um Kathi Schiechtl zu besuchen, die zehn Jahre bei uns war und jetzt bei Austria Wien spielt.
Gibt es noch etwas, das ihr mit uns teilen wollt?
Marvin: Ja, eine Geschichte vom SC Sand, vor ein paar Jahren. Wir kamen dort an, der Biergarten war voll, der Fanclub vom SC Sand saß an einem großen Tisch und sie haben uns einfach eingeladen, uns dazu zu setzen. Vor dem Spiel, nach dem Spiel, saßen wir zusammen und hatten eine gute Zeit. Genau das ist es, was ich am Frauenfußball so cool finde.
Danke an die Werder Frauen Supporter für das Interview. Anfang des Jahres hatten wir auch mit Fans der SGS Essen gesprochen.
Beitragsbild: Werder Frauen Supporters
