Das Nationalteam Nigerias feiert den Gewinn des Afrika-Cups 2025, es fällt goldenes Konfetti auf die Spielerinnen.

Türchen 8. Trotzdem Weltklasse: Afrika-Cup 2025

Mit einem Jahr Verspätung fand im Sommer der Afrika-Cup in Marokko statt, am Ende jubelten mal wieder Nigerias Super Falcons. Was waren die Geschichten des diesjährigen Wettbewerbs?

Der Afrika-Cup der Frauen 2025 in Marokko bot genau das, was ein großes Turnier ausmacht: Dramatik, Leidenschaft und hochklassigen Fußball. Vor ausverkauften Rängen zeigte sich schon in der Gruppenphase, dass sich der afrikanische Fußball auch in der Breite enorm weiterentwickelt – Algerien trotze Nigeria ein Unentschieden ab, Mali konnte gegen Ghana punkten und der Senegal machte es den Favoriten aus Marokko und Sambia zumindest sehr schwer.

Doch die Schlagzeilen gehörten am Ende einmal mehr Nigeria. Die Super Falcons, angeführt von der überragenden Kapitänin Asisat Oshoala und der Spielerin des Turniers Rasheedat Ajibade, dominierten den Cup. Im Halbfinale schalteten sie Titelverteidiger Südafrika mit 2:1 aus, bevor sie im Finale gegen Gastgeber Marokko einen 0:2 Rückstand aufholten und in der 88. Minute komplett zum 3:2 Endstand drehen konnten. Es war der zehnte Titel der Nigerianerinnen – in der erst 13ten Ausgabe des Turniers. Auf dem Rasen war es ein großartiger und sehr spannender Wettbewerb – und auch auf den Tribünen wurden zahlreiche Zuschauerrekorde gebrochen. Doch die Weltklasse des Fußballs ist fast ein Wunder, angesichts der Geschichten rund um das Turnier.

Zu spät – das Turnier

Eigentlich sollte es 2025 gar keinen Afrika-Cup der Frauen geben, denn dieser findet immer nur in geraden Jahren statt. Nach dem letzten Turnier 2022 begann so umgehend die Qualifikation für die Ausgabe 2024. Doch als im Dezember 2023 dann alle Teilnehmerinnen feststanden, hatte der afrikanische Verband CAF sich offenbar noch keine Gedanken darüber gemacht, wann es losgeht. Als die nationalen Verbände und die Medien langsam unruhig wurden, verkündete die CAF dann im Sommer 2024, dass das Turnier erst im Sommer 2025 stattfinden soll. Die einzelnen Spiele wurden zum großen Frust der Teams, reisender Fans und TV-Sendern am Ende erst vier Wochen vor dem Turnierstart terminiert.

Auch zu spät – Gehälter und das Debüt der Superstars

Die großen Verliererinnen des Cups waren die Sambierinnen. Der Verband trennte sich nach Olympia 2024 endlich von Trainer Bruce Mwape, gegen den bereits seit Jahren mehrere Verfahren wegen sexueller Belästigung von Spielerinnen und FIFA-Mitarbeiterinnen liefen.

Barbra Banda, Nationalspielerin Sambias, im Gruppenspiel des WAFCON gegen Marokko
Barbra Banda, Sambia (Foto: IMAGO/Shengolpixs)

Nachfolgerin wurde die Schweizerin Nora Häuptle, die jedoch ihr Gehalt nie erhielt und erst während des Wettbewerbs, also nach neun Monaten, erstmals bezahlt wurde. Leider kein Einzelfall: auch die Trainerinnen und Spielerinnen der Demokratischen Republik Kongo traten noch kurz vor dem Turnierstart in den Streik, weil der Verband sie nicht bezahlte – während der Kongo im selben Monat für 51 Millionen US-Dollar Sponsor des Männerteams des FC Barcelona wurde. 

Racheal Kundananji, Nationalspielerin Sambias, mit der "Spielerin des Spiels"-Trophäe nach dem Gruppenspiel des WAFCON gegen den Senegal

Doch zurück zu den Sambierinnen: Die beiden großen Superstars waren neben der Nigerianerin Oshoala die sambischen Stürmerinnen Barbra Banda und Racheal Kundananji. Beide wechselten 2024 in die USA und waren zwischenzeitlich die beiden teuersten Spielerinnen der Geschichte. Zusammen führten sie die sambische Nationalmannschaft zu Olympia 2020, zur WM 2023 und zu einem vielbeachteten Sieg gegen Deutschland im Juli 2024.

Nachdem der Afrika-Cup 2020 ersatzlos wegen COVID ausgefallen war anders als bei den Männern – wurden die beiden dann 2022 überraschend gesperrt: Der afrikanische Verband hatte einmalig Testosteron-Tests durchgeführt, die “strenger” als bei Olympia und Weltmeisterschaften waren – und die beiden Topstars so vom Afrika-Cup 2022 disqualifiziert.

Noch später – die Geheimfavoritinnen

Für fast größte Unverständnis sorgte aber vermutlich ein Team, das gar nicht dabei war: Malawi. Das Team schockte 2023 die afrikanische Fußballwelt, als es die Meisterschaft des südlichen Afrikas, den COSAFA Cup, gewann. Der Sieg war eine Sensation. Neben Asimenye Simwaka, die eigentlich Sprinterin ist und Flaggenträgerin Malawis bei den letzten beiden olympischen Spielen war, schossen vor allem zwei Schwestern Malawi zum Titel: Tabitha und Temwa Chawinga, die heute laut Soccerdonna zu den 100 wertvollsten Spielerinnen der Welt gehören – und damit neben Barbra Banda die einzigen Afrikanerinnen in dieser Liste sind.

Doch Malawi verpasste den Afrika-Cup. Nicht, weil sie sich nicht qualifizierten, sondern weil der Verband nicht an der Quali teilnehmen wollte, weil es vermeintlich kein Geld für die Reisen zu den insgesamt nur zwei nötigen Auswärtsspielen gab. Die Chawinga-Schwestern haben das offen und laut kritisiert und sind aus Protest nicht zum COSAFA-Cup 2024 gereist, bei dem die Scorchers ohne sie im Halbfinale gegen Sambia rausflogen. Beim nächsten Afrika-Cup 2026 werden wir Tabitha und Temwa Chawinga dann aber endlich beim Afrika-Cup sehen können – Malawi hat diesmal teilgenommen und sich erstmals qualifiziert.

Personen im Blickpunkt

Neben den genannten Topspielerinnen stand auch zwei Männer im Fokus: Die beiden Finaltrainer. Auf der einen Seite Justine Madugu, der nigerianische Trainer, seit 2012 immer irgendwie Teil des Staffs der Super Falcons. Nach dem Titel 2024 wurde er als erster Afrikaner für einen Ballon d’Or für Trainer nominiert, bekam allerdings leider keine Stimme. Auf der anderen Seite stand Jorge Vilda, der Mann, der mit Spanien die WM 2023 gewann und der anschließend wegen Nötigung vor Gericht stand. Während die Ermittlungen gegen Vilda liefen, empfahl der spanische Verband dem marokkanischen Verband Vilda zu verpflichten, was dieser prompt tat. Vilda wurde inzwischen freigesprochen.

Josephine Bonsu, Nationalspielerin Ghanas beim WAFCON, im Trikot von Carl Zeiss Jena
Josephine Bonsu, hier für Carl Zeiss Jena (Foto: IMAGO/Beautiful Sports)

Doch zurück zum Fußball: An dem Turnier nahmen auch zwei deutsche Spielerinnen teil, die sich beide irgendwann gegen die deutsche Nationalmannschaft entschieden haben: Josephine Bonsu vom FC Carl Zeiss Jena landete am Ende mit Ghana auf Platz 3. Durch einen Treffer im Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen Algerien trug sie entscheidend dazu bei, dass Ghana es so weit nach vorne schaffte.

Die zweite Deutsche war Ahlem Ammar, die aus der Jugend des VfL Wolfsburg kommt und in der deutschen U15, U16 und U17 aktiv war, bevor sie sich vor dem Afrika-Cup für Tunesien entschied. Auch wenn Tunesien am Ende punktlos ausschied, geht es für Ammar weiter nach oben – sie bekam nach dem Turnier ein Stipendium des Tyler Junior College in Texas und spielt künftig für das College-Team Apache Athletics.

Ahlem Ammar, Nationalspielerin Tunesiens beim WAFCON, im Trikot des VfL Wolfsburg
Ahlem Ammar, hier für VfL Wolfsburg II während der Saison 2020/21. Leider gab es bei unserem Anbierter kein aktuelleres Foto von ihr. (Foto: IMAGO / Fotografie73)

Was bleibt

Da auch der nächste Afrika-Cup, zum dritten Mal in Folge, in Marokko ausgespielt wird, könnte man schließen: Afrika-Cup ist, wenn Nigerianerinnen Pokale in den Himmel Marokkos halten. Aber ganz so einfach ist es glücklicherweise nicht. Die Haupterkenntnis ist, dass der afrikanische Fußball-Titel eng umkämpft ist. Keines der 12 teilnehmenden Teams war chancenlos und die Hälfte der K.O.-Spiele endete im Elfmeterschießen.

Es wird enger im afrikanischen Fußball, an der Spitze und in der Breite. Es wird also nächstes Mal wieder sehr spannend, wer den Pokal am Ende nach Hause nehmen darf. Apropos Pokal: Die CAF ist besonders stolz darauf, dass es seit der Ausgabe 2024 eine neue Trophäe gibt, inspiriert von dem Pokal der Männer – nur farblich hat man sich statt des Goldes des Männerpokals für Silber und Bronze entschieden. Wie gesagt, das Turnier ist trotz der Männer, die es durchführen so gut, nicht wegen. 

Beitragsbild: IMAGO/Shengolpixs

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Legende Verloren ist ein Frauenfußball Geschichtskollektiv, welches aus einem Podcast heraus entstanden ist. Der Podcast handelt von den vergessenen Geschichten des deutschen und internationalen Frauenfußballs. Teil von Legende Verloren sind Sophia Brauner, Sandra Kreiner, David Hagemeister, Sascha Düerkop und Franziska Blendin. Sie sprechen mit Zeitzeug*innen, knüpfen Verbindungen zwischen Gestern und Heute, recherchieren in Archiven, beschäftigen sich mit Fans und Fankultur und graben Verborgenes aus, um von den verlorenen Legenden der Fußballgeschichte zu erzählen. Dabei bleibt Legende Verloren nicht in Deutschland, sondern schaut auch über die Grenzen von Ländern und Kontinenten u.a. in dem sie Teil des Blog forgotten heroines sind. Die technische Unterstützung kommt von „FRÜF – Frauen reden über Fußball“. Ehemalige Mitglieder der Podcastcrew sind Mo Wenner, Helga Hansen, Sven (Lottes Erbinnen), Sunny Wyrich und Petra Tabarelli.

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