Eckfahne in Pride-Farben mit dem Logo der Google Pixel Frauen-Bundesliga

Neuer Ligaverband ohne DFB: Das sagen die Vereinsvertreter*innen

Eigentlich sollte am 10. Dezember der Frauen-Bundesliga FBL e.V. gemeinsam mit dem DFB gegründet werden. Das passiert jetzt „zunächst“ ohne Beteiligung des DFB, wie die Vereine der 1. Bundesliga der Frauen in eigenen Pressemitteilungen verkündeten.  

Dort steht das im Wortlaut so: „Ob der angestoßene Prozess, an dem zuletzt auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mitgewirkt hat, auch zukünftig gemeinsam mit diesem fortgesetzt wird, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch offen. Die Gründung erfolgt – anders als ursprünglich vorgesehen und von den Klubs angestrebt – ohne Mitwirkung des DFB.“

Begründet wird der Schritt damit, dass der DFB sich nicht an vorher ausgehandelte Vereinbarungen gehalten haben soll. Nach unseren Informationen soll es dabei um das Stimmrecht gehen. Laut der ursprünglichen Vereinbarung hätten sowohl DFB als auch Ligaverband jeweils drei Vertreter*innen in das Joint Venture entsandt. Mit doppeltem Stimmrecht für den oder die Ligapräsident*in im Falle eines Patts. Nun aber soll der DFB doch eine Zweidrittel-Mehrheit gefordert haben, es wären also keine Beschlüsse ohne diesen möglich gewesen.

Wir haben alle Stimmen aus den Pressemitteilungen für euch gesammelt.

Auf dem DFB-Bundestag Anfang November waren Satzungsänderungen zum Ermöglichen eines Joint Venture aus den 14 Klubs der Frauen-Bundesliga und der DFB GmbH & Co. KG verabschiedet worden. Sowohl der neue Ligaverband als auch DFB GmbH & Co. KG sollten daran zur Hälfte beteiligt werden. Teil der Vereinbarung war auch, dass der DFB in den nächsten acht Jahren 100 Millionen Euro in die 1. Bundesliga investiert. Demgegenüber wollten die 14 Vereine mehrere hundert Millionen Euro aufbringen.

Statement des DFB (Update 04.12., 18:10)

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat die Äußerungen aus der Frauen-Bundesliga mit Verwunderung zur Kenntnis genommen. Die Gründung des Ligaverbandes von den 14 Klubs ist eine Voraussetzung für das geplante Joint Venture. Eine Beteiligung des DFB am Ligaverband war nie geplant. Der DFB ist unverändert bestrebt, zusammen mit den Klubs die Professionalisierung des Frauenfußballs in Deutschland voranzutreiben.

Dr. Holger Blask, DFB-Generalsekretär und Vorsitzender der Geschäftsführung der DFB GmbH & Co. KG, sagt: „Der DFB steht unverändert zu den getroffenen Zusagen und Investitionen im Zuge des geplanten Joint Ventures. Wir sind überzeugt, dass die gemeinsame Gründung einer FBL GmbH für alle Beteiligten der richtige Weg ist. Unterschriftsreife Verträge haben bislang nicht vorgelegen. Die Verhandlungsführer der Klubs hatten dem DFB weitreichende Ergänzungen und Änderungswünsche übermittelt, auf die der DFB verhandlungsüblich reagiert hat. Wir werden in den kommenden Wochen die Gespräche mit den Vereinen fortführen – konstruktiv und sachlich.“

Das sagen die Vereinsvertreter*innen zur Entscheidung:

FC Bayern München, Jan-Christian Dreesen, Vorstandsvorsitzender

„Die 14 Clubs haben in einem Klima großen Vertrauens zusammengearbeitet. Uns eint der Wille, die Frauen-Bundesliga auf ein neues, tragfähiges Fundament zu stellen. In den Gesprächen mit dem DFB waren die wesentlichen Punkte zur Gründung einer gemeinsamen FBL GmbH bereits vereinbart, umso überraschender war für uns Clubs das Infragestellen der verhandelten Eckpunkte zum jetzigen Zeitpunkt – obwohl die Vereine im Vergleich ein Vielfaches in die Frauen-Bundesliga investieren werden. Um nicht weiter Zeit zu verlieren, haben wir daher einstimmig beschlossen, bereits im Dezember den Gründungsakt zum FBL e.V. als Verband der Bundesligisten zu vollziehen – ohne den DFB. Der FC Bayern ist bereit, im neuen Verbund Verantwortung zu übernehmen.“

VfL Wolfsburg, Ralf Kellermann, Direktor Frauenfußball VfL Wolfsburg-Fußball GmbH

„Der Frauenfußball in Deutschland wurde über viele Jahre hinweg maßgeblich von den Klubs vorangetrieben. Der VfL Wolfsburg gehört dabei seit langem zu den Vereinen, die diese Entwicklung mit großer Kontinuität und Überzeugung begleiten und prägen. Vor diesem Hintergrund ist die Gründung des Frauen-Bundesliga FBL e.V. ein folgerichtiger Schritt, den die Erstligisten gemeinsam vorbereitet haben und der eine wichtige Grundlage für die weitere Professionalisierung der Liga schafft. Umso enttäuschender ist es, dass zentrale Vereinbarungen mit dem DFB aus unserer Sicht nicht ausreichend berücksichtigt wurden und die Gründung daher ohne seine Beteiligung erfolgt. Dennoch sind die Klubs entschlossen, den begonnenen Weg konstruktiv fortzusetzen – ob künftig gemeinsam mit dem DFB oder in einer eigenständigen Struktur. Der VfL Wolfsburg wird dabei weiterhin als verlässlicher Treiber Verantwortung übernehmen und sich für eine starke und nachhaltige Frauen-Bundesliga einsetzen.“

Eintracht Frankfurt, Axel Hellmann, Vorstandssprecher der Eintracht Frankfurt Fußball AG

„Die Gründung des Frauen-Bundesliga FBL e.V. bedeutet einen weiteren großen Schritt in der Professionalisierung des Frauenfußballs, weil die 14 Klubs der Google Pixel Frauen-Bundesliga damit einstimmig ihren Willen zum Ausdruck bringen, sich gemeinschaftlich stärker zu organisieren. Gleichzeitig sind wir auf Seiten der 14 Klubs enttäuscht davon, dass sich bereits getroffene Verabredungen mit dem Deutschen Fußball-Bund aus unserer Sicht nicht in den Vertragsmaterialien wiederfinden. Aus diesem Grund erfolgt der Gründungsakt nun ohne Mitwirkung des DFB. Wie sich nun der Prozess in der Folge gestaltet und ob es in diesem zu einem Joint Venture mit dem DFB kommen wird oder die Klubs einen eigenständigen Weg gehen werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig offen.“

SGS Essen, Florian Zeutschler, Geschäftsführer der SGS Essen

„Das wir auf dem Weg, die Professionalisierung des Frauenfußballs in Deutschland voranzutreiben, auch die Heterogenität innerhalb der Liga bedacht haben, führte bis zum Schluss zu einstimmigen Entscheidungen. Die letzten zwei Jahre waren nicht nur von intensiver, sondern vor allem vertrauensvoller Zusammenarbeit geprägt. Das nun bereits verhandelte Eckpunkte zwischen dem DFB und den Klubs durch den Verband in Frage gestellt werden, überrascht und enttäuscht uns. Gleichwohl wollen wir mit der Gründung des Frauen-Bundesliga FBL e.V. – wenn auch anders als geplant – den nächsten wichtigen Schritt auf dem gemeinsamen Weg gehen.“

Carl Zeiss Jena, Isabelle Knipp, Leiterin Frauenfußball im FC Carl Zeiss Jena

„Für uns als ‚kleiner‘ Bundesligist bedeutet die zunehmende Professionalisierung im Frauenfußball eine große strukturelle und wirtschaftliche Herausforderung. Umso mehr haben wir im gesamten Gründungsprozess des neuen Ligaverbandes – ebenso wie bereits bei der Entwicklung des Geschäftsplans Frauen-Bundesliga – schätzen gelernt, dass unsere Anliegen und Interessen ernst genommen wurden und die Zusammenarbeit innerhalb der Liga von echter Partnerschaft und Augenhöhe geprägt war. Hierfür gilt allen teilnehmenden Vereinen der Google Pixel Frauen-Bundesliga unser Dank.“

Carl Zeiss Jena, Patrick Widera, Geschäftsführer der FC Carl Zeiss Jena Fußball Spielbetriebs GmbH

„Die Gründung des FBL e.V. stellt nun auch formal die vollendete Bündelung der Interessen der Frauenbundesligisten dar. Sie ist zudem ein wichtiger und folgerichtiger sportpolitischer Schritt, um den Frauenfußball in Deutschland nun als Einheit repräsentieren zu können. Dazu zählt auch, die Interessen der Solidargemeinschaft der FBL-Vereine in dieser durch die Infragestellung zuvor verhandelter Eckpunkte neu entstandenen Situation zu vertreten.“

SC Freiburg, Oliver Leki, Finanz-Vorstand

„Die Gründung des Frauen-Bundesliga FBL e.V. ist ein wichtiger Schritt und ein bedeutendes Signal auf dem Weg zu einer weiteren nachhaltigen Professionalisierung des deutschen Frauenfußballs. Als SC Freiburg haben wir den Prozess gemeinsam mit allen 14 Clubs der Frauen-Bundesliga von Beginn an aktiv begleitet und vollends unterstützt. Gleichzeitig hoffen wir und haben die Erwartungshaltung, dass sich auch der Deutsche Fußball-Bund zu dem Besprochenen bekennen wird. Hier vertrauen wir auf die weiteren Gespräche.“

Bayer Leverkusen, Fernando Carro, Vorsitzender der Geschäftsführung von Bayer 04 Leverkusen

„Die Gründung der FBL ist ein wichtiger Meilenstein für unseren Verein und für den Frauenfußball in Deutschland. Dass der Gründungsakt nun zunächst ohne den DFB erfolgen wird, ist sehr bedauerlich und angesichts der Umstände auch enttäuschend. Ich möchte betonen, dass die Verhandlungsführer der Klubs unser volles Vertrauen genießen und sich unserer Unterstützung gewiss sein können. Wir haben weiterhin die Hoffnung, dass sich die entstandenen Herausforderungen in naher Zukunft bewältigen lassen.“

1. FC Köln, Nicole Bender-Rummler, Bereichsleiterin Frauenfußball & FC-Akademie

„Die Frauen-Bundesliga hat sich in den vergangenen Jahren enorm entwickelt. Die Potenziale sind aber noch längst nicht ausgeschöpft. Deswegen ist es notwendig, den Frauen-Bundesliga FBL e.V. zu gründen, um den Frauenfußball weiter zu professionalisieren. Die 14 Clubs arbeiten einheitlich an dieser Gründung. Der 1. FC Köln ist an diesem Prozess intensiv beteiligt und wird auch in Zukunft zur Verfügung stehen, wenn es darum geht, Verantwortung im neu gegründeten FBL e.V. zu übernehmen.“

SV Werder Bremen, Klaus Filbry, Vorsitzender der Geschäftsführung

„Für Werder Bremen ist die Gründung des FBL e.V. ein wichtiger Schritt, um die strukturelle Weiterentwicklung der Frauen-Bundesliga in den Händen der Klubs zu bündeln. Die Arbeit der 14 Vereine war von großem Vertrauen geprägt, und auch die erzielten Einigungen mit dem DFB deuteten auf einen gemeinsamen Weg hin. Umso unverständlicher ist es nun, dass zuvor erzielte Einigungen mit dem DFB durch den Verband wieder infrage gestellt wurden. Die Entscheidung, den FBL e.V. ohne den DFB zu gründen, ist eine konsequente Reaktion darauf. Die Klubs schaffen eine Organisation, die Professionalität, Verlässlichkeit und Mitgestaltung garantiert. Wir als Werder Bremen wollen in einer stabilen, professionellen Struktur Verantwortung übernehmen und den Frauenfußball in Deutschland nachhaltig stärken.“

1. FC Nürnberg, Joti Chatzialexiou, Vorstand Sport

„Die Gründung des Frauen-Bundesliga FBL e.V. durch alle 14 Vereine ist ein starkes Zeichen, das wir voller Überzeugung mitgehen. Die Weiterentwicklung des Frauenfußballs hat für uns als Verein seit Jahren einen großen Stellenwert. Der vereinsübergreifende Zusammenschluss ist nun ein weiterer großer Schritt. Ob es mit dem Deutschen Fußball Bund weitergehen wird, werden die Gespräche zeigen müssen. Unabhängig davon wollen wir als 1. FC Nürnberg, wie all unsere Kollegen auch, im neuen Verbund Verantwortung übernehmen.“

Hamburger Sport-Verein, HSV-Vorstand Dr. Eric Huwer

„Der Frauenfußball in Deutschland ist mitten im Aufbruch. Wir brauchen Strukturen, die sein Wachstum weiter ermöglichen, nicht verhindern. Wenn der nächste Schritt von Teilen des Verbands nicht erwünscht ist, dann gehen wir ihn selbst, gemeinsam mit allen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.“

1. FC Union Berlin, Jennifer Zietz, Geschäftsführerin Profifußball Frauen und Mitglied des Präsidiums

„Dieser Zusammenschluss ist ein wichtiger Schritt für die weitere Entwicklung des Profifußballs der Frauen. Wir sehen die Potenziale, die im Frauenfußball liegen und wollen diese konsequent ausschöpfen. Ich bin überzeugt, dass auch die Verantwortlichen des DFB ein Interesse daran haben und bin zuversichtlich, dass es am Ende zielführende Rahmenbedingungen für eine Zusammenarbeit geben wird. Ob das in eine gemeinsame Gesellschaft oder in einen einvernehmlichen Grundlagenvertrag mündet, wird sich im Laufe der weiteren Gespräche ergeben.“

TSG Hoffenheim, Tim Jost, Geschäftsführer der TSG Hoffenheim

„Die Geschlossenheit und das Miteinander der 14 Frauen-Bundesliga-Vereine in solchen entscheidenden Prozessen hat uns schon viele Jahre lang ausgezeichnet. Alle agieren miteinander in einem vertrauensvollen Klima, gerade auch in dieser wichtigen Zukunftsfrage. So soll es auch mit der Gründung der Frauen-Bundesliga FBL e.V. weitergehen, der gemeinsame Investitions-Wille aller Vereine ist vorhanden, zusammen und nachhaltig die Weiterentwicklung und Professionalisierung des Frauenfußballs in Deutschland voranzutreiben. Wenn uns das in dieser Geschlossenheit der Vereine weiterhin gelingt, wäre ein eigenständiger Weg denkbar. Ob der Deutsche Fußball-Bund weiterhin sein Interesse signalisiert, diesen Weg mitzugehen, ist zum jetzigen Zeitpunkt absolut offen.“

RB Leipzig, Johann Plenge, Geschäftsführer

„Die Gründung des Frauen-Bundesliga FBL e. V. ist ein richtiger und bedeutender Schritt in der weiteren Professionalisierung des Frauenfußballs. Die Tatsache, dass die 14 Clubs hier geschlossen bereit sind, noch mehr Verantwortung zu schultern, ist ein starkes und wichtiges Signal. Auch vom DFB hätten wir das Commitment erwartet, auf das wir uns unlängst auch verbindlich verständigt hatten. Und das braucht es zweifelsohne, wenn man den Weg langfristig, ernsthaft und gemeinsam gehen möchte.“

Beitragsbild: IMAGO/Jürgen Schwarz

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Annika Becker berichtet als freiberufliche Journalistin unter anderem für sportschau.de über die Bundesliga der Frauen und beleuchtet die strukturellen wie sportlichen Themen im Fußball. Seit 2022 gehört sie zur Jury des Guardian für die Wahl der „100 Best Female Footballers In The World“. Becker ist Teil der Crew von „FRÜF – Frauen reden über Fußball“, ansonsten ist als Expertin zum Beispiel im DLF oder bei der BBC zu hören - und natürlich bei "Becker & Pfeiffer - Der Fußballpodcast". An den Wochenenden findet man sie auch privat meist im Stadion, denn Beckers Fußball-Herz schlägt für zwei Ruhrgebietsvereine: den FC Schalke 04 und die SGS Essen.

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