Khalida Popal (l.) und Kathrin Längert (r.), in der Mitte die Buchcover von Popal und Längert.

Türchen 4. Voller Einsatz für den Fußball der Frauen: Kathrin Längert & Khalida Popal

Leseratten aufgepasst: Hinter dem 4. Türchen verbergen sich zwei Buchtipps aus dem Fußball der Frauen. 2025 sind viele spannende Titel erschienen und wir wollen euch zwei Bücher vorstellen, die uns dieses Jahr besonders bewegt haben: Kathrin Längerts Wir Verdienen Mehr! Frauen im Profifußball – Ein Manifest und Khalida Popals Meine Wundervollen Schwestern – Eine Geschichte über Mut, Hoffnung und den afghanischen Frauenfußball. So unterschiedlich die Lebenswege von Kathrin Längert und Khalida Popal auch sind, verbindet beide Autorinnen der unermüdliche Einsatz für bessere Bedingungen im Fußball der Frauen.

Wir verdienen Mehr! Frauen im Profifußball – Ein Manifest

“Wir dürfen zwar spielen, sollen aber möglichst die Klappe halten und bloß nicht zu viel fordern.” Besser könnte ich Kathrin Längerts Buch Wir Verdienen Mehr! Frauen im Profifußball – Ein Manifest nicht auf den Punkt bringen. Auf knapp 200 Seiten zeigt sie eindrücklich, wie tief Misogynie im Fußballgeschäft verankert ist und was sich ändern muss, damit Spielerinnen endlich die Ressourcen und nachhaltige Infrastruktur bekommen, die ihnen zustehen, damit sie ihren Beruf erfolgreich ausführen können.

Das Bild zeigt das Buchcover von Kathrin Längerts Buch "Wir Verdienen Mehr. Frauen im Profifußball - Ein Manifest."
Das Buchcover von Kathrin Längerts Manifest über Frauen im Profifußball. Foto: Alte Waschfabrik

Längert erzählt ihre eigene Geschichte im Fußball der Frauen lebendig und mit Tiefgang. Zugleich bettet sie ihre persönlichen Erfahrungen – und die ihrer Mitspieler*innen – in größere gesellschaftliche Kontexte ein. So macht sie erschreckend klar, wie stark fußballspielende Mädchen und Frauen benachteiligt werden.

Besonders gut gefällt mir, wie verständlich sie komplexe Phänomene wie Patriarchat, Cis-Geschlechtigkeit und den Gender Bias in der Medizin erklärt und in den Kontext des Fußballs einordnet. So erhalten auch Leser*innen, die sich nicht intensiv mit diesen Themen beschäftigen, einen niederschwelligen Zugang. In einem kurzen historischen Teil zeigt Längert zudem, woher der Mythos, dass Fußball ein Männersport sei, eigentlich herkommt und warum er bis heute hartnäckig anhält.

Equal Play und Equal Pay – aber wie?

Den häufig inflationär genutzten Schlagwörtern wie “Equal Play” und “Equal Pay” gibt Längert Substanz. Längert zeigt den Leser*innen ganz genau, was Equal Pay und Play beinhaltet, geht dabei über die üblichen Argumente hinaus und definiert klar, wie echte, nachhaltige Gleichstellung im Fußball aussehen müsste.

Auch den DFB nimmt sie ordentlich in die Mangel. Die sexistischen Strukturen und Äußerungen, denen sie und andere dort ausgesetzt sind, haben mich beim Lesen extrem wütend gemacht. Ich bin mir sicher, dass sich in ihren Erzählungen viele Leser*innen, auf den eigenen Arbeitsplatz oder das eigene Ehrenamt bezogen, wiederfinden.

Es gibt zahlreiche weitere nennenswerte Aspekte von Längerts Manifesto: wie sie diversere Vorbilder im Fußball der Frauen fordert, wie sie Bodyshaming im Nachwuchsbereich kritisiert und wie sie mehr Forschung zu frauenbasierten Trainingsmethoden fordert.

Kathrin Längert sitzt auf einer Tribüne und hält ihr Buch "Wir Verdienen Mehr" in den Händen.
Kathrin Längert sitzt auf einer Tribüne und hält ihr Buch „Wir Verdienen Mehr“ in den Händen. Foto: Alte Waschfabrik.

Warum sich das Buch lohnt

Wenn ihr also ein Buch sucht, mit dem ihr jegliche Klischees und Anti-Frauenfußball-Argumente kontern wollt, dann hat es Kathrin Längert für euch geschrieben. Ob “Es wollen einfach keine Frauen in Führungspositionen”, “Es interessieren sich einfach weniger Menschen für den Frauenfußball” oder “Fußball und Frauen – das passt einfach nicht zusammen” – Längert hat die Antworten parat.

Am Ende bleibt für mich vor allem eines hängen: Ehemalige und aktive Profispielerinnen müssen diesen Sport wirklich lieben. Anders ist es kaum erklärbar, dass sie sich all den Hindernissen und Zumutungen in ihrer Karriere stellen. Die Spielerinnen sind nicht wegen, sondern trotz dieser Herausforderungen erfolgreich geworden.

Meine Wundervollen Schwestern – Eine Geschichte über Mut, Hoffnung und den afghanischen Frauenfußball

Auch wenn dieses Buch schon 2024 auf Englisch erschienen ist – dieses Jahr folgte dann die deutsche Übersetzung – zählt es zu meinen diesjährigen Lieblingsbüchern rund um den Fußball der Frauen. Khalida nimmt die Leser*innen mit großer erzählerischer Kraft mit in ihre Lebensgeschichte, die zu einem großen Teil auch die Geschichte des afghanischen Fußballs der Frauen widerspiegelt.

Das Buch "Meine Wundervollen Schwestern. Eine Geschichte über Mut, Hoffnung und das afghanische Frauen-Fußballteam" von Khalida Popal wird in die Kamera gehalten.
Das Buchcover von Khalida Popals Buch: „Meine Wundervollen Schwestern. Eine Geschichte über Mut, Hoffnung und das afghanische Frauen-Fußballteam“ Foto: Privat.

In Erzählweise und Schwerpunktsetzung unterscheidet sich Popals Buch von Längerts. Zwar beleuchtet auch Popal strukturelle Probleme, doch stehen ihre persönlichen Erfahrungen im Zentrum. Dadurch entsteht eine enorme Nähe zur Autorin, die ihre Biografie ungemein fesselnd macht, selbst wenn man Khalida Popal vorher noch nicht kannte. Beim Lesen musste ich mich gelegentlich daran erinnern, dass ich keinen Roman lese, sondern die Lebensgeschichte einer echten Person. Und Khalidas Leben verläuft alles andere als gewöhnlich.

Fußball: Widerstand, Gemeinschaft, Lebensinhalt

Khalida wächst als sport- und fußballbegeistertes Kind auf. Sie nutzt jede freie Minute, um mit Kindern aus der Nachbarschaft dem Ball hinterherzurennen. Aber Fußball war für Khalida schon immer mehr als das: Für sie ist der Sport ein Ausdruck von Widerstand und eine Möglichkeit, sich ein Stück Kontrolle über ihr Leben zurückzugewinnen. 

Sowohl während der ersten Taliban-Herrschaft, als auch danach, organisiert Khalida heimliche Trainingssessions für sich und ihre Mitspielerinnen und gründet schließlich das erste afghanische Frauennationalteam. Das erste Training findet auf einem Helikopterlandeplatz der NATO statt; aus Sicherheitsgründen können die Spielerinnen anderswo nicht trainieren.

Während ihres gesamten Engagements, ob als Schulkind, in der Nationalauswahl oder im afghanischen Fußballverband – Khalida und ihre Mitspielerinnen erfahren als Fußballerinnen herbsten Sexismus: von Beleidigungen, Demütigungen durch den eigenen Verband, bis hin zu Gewalt und Morddrohungen. Khalida beschreibt eindrücklich, wie ihr Training einmal von Männern gestürmt wird, die die Spielbälle der jungen Frauen gewaltvoll zerschlitzen. Immer wieder wird ihnen klar gemacht: Fußball spielen sollt ihr auf gar keinen Fall. Die Spannungen, die diese Situation auch unter den Spielerinnen auslöst, sind ein interessanter Aspekt des Buches. 

Die ehemalige afghanische Nationalspielerin Khalida Popal guckt von hinter dem Tornetz ernst in die Kamera.
Die ehemalige afghanische Nationalspielerin Khalida Popal blickt ernst in die Kamera. Foto: IMAGO/Ritzau Scanpix

Fußballverbot und Flucht: Ein Neuanfang?

Auch Khalidas familiäre Beziehungen leiden unter ihrem Engagement im Fußball. Es ist beeindruckend, welche Opfer sie bringt, um den Fußball der Frauen in Afghanistan voranzubringen. 2011 muss sie schließlich nach Dänemark fliehen, weil sie für ihren unermüdlichen Einsatz im afghanischen Fußball der Frauen wiederholt Mordanschlägen ausgesetzt war. Von dort beobachtet sie, wie das Fußballspielen nach der erneuten Machtübernahme der Taliban in 2021 für Frauen und Mädchen in Afghanistan wieder verboten wird. Doch Khalida bleibt alles andere als tatenlos: Mithilfe ihrer Kontakte aus der Fußballwelt koordiniert sie in allerletzter Minute die Ausreise aus Afghanistan zahlreicher Spielerinnen, die bereits von der Taliban verfolgt wurden.

Bis heute ist Khalida ein fester Bestandteil des afghanischen Fußballs der Frauen. Als im Oktober dieses Jahres die im Exil lebenden Spielerinnen unter dem Titel “Afghan Women United” bei einem Freundschaftsturnier der FIFA antreten, verfolgt Khalida diesen Moment voller Stolz und Emotionen. 
Wie sie dorthin gelangt ist, erzählt sie in ihrem Buch Meine Wundervollen Schwestern, das ich an dieser Stelle nur erneut ausdrücklich empfehlen kann. Vielleicht landet es ja dieses Jahr unter dem ein oder anderen Weihnachtsbaum.

Beitragsbilder: Foto Popal: IMAGO/Ritzau Scanpix; Foto Buchcover Längert & Stadionbild Längert: Alte Waschfabrik

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