
Türchen 2. Copa América 2025: Spannung und Proteste
Vom 11. Juli bis 2. August fand in Ecuador die zehnte Copa América Femenina statt, gewonnen hat mal wieder Brasilien. Spielerinnen äußerten laute Kritik an Verbänden. Was bleibt vom Turnier?
Die Copa wurde kurzerhand zum wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur ersten WM der Frauen in Südamerika, nachdem die WM 2027 im Mai dieses Jahres an Brasilien vergeben worden war. Neben den sportlichen Kräfteverhältnissen stand international die Turnier-Organisation im Fokus der lokalen wie internationalen Berichterstattung, befeuert durch Spielerinnen-Kritik und -Proteste. Aber, um das alles richtig einordnen zu können, muss man aus europäischer Perspektive einmal verstehen, wie dieser Wettbewerb funktioniert.
Strukturelle Reformen der Copa América Femenina
Die Copa América Femenina findet auf der Südhalbkugel statt und ist damit für die beteiligten Länder ein Winterturnier, es wird seit 1991 ausgetragen. Seit 1998 nehmen alle zehn Mitgliedsländer des Verbandes CONMEBOL teil. Im Gegensatz zu CAF und UEFA ist dieser Kontinentalverband nämlich recht klein. Gewonnen haben bisher fast immer die Brasilianerinnen: Nach neun der zehn Turniere jubelten sie am Ende, so auch in diesem Jahr. Nur 2006 gelang Argentinien einmal die Sensation, nachdem man sich jahrelang an die Spitze herangekämpft hatte.
Damals wurde die Copa noch ohne K.O.-Spiele ausgetragen und die Albiceleste hatte am Ende einen Punkt mehr in der Tabelle. Aktuell hat sich Kolumbien allerdings an der Spitze festgesetzt und Argentinien überholt, bei vier der fünf vergangenen Turniere landete Kolumbien auf dem zweiten Platz. Inzwischen sieht das Format zwei Gruppen mit je fünf Teams vor, die Drittplatzierten spielen um den fünften Platz der Turnierwertung. Die beiden Gruppenersten kommen ins Halbfinale und spielen danach um Platz drei und den Titel.

Bisher war der Wettbewerb gleichzeitig die Qualifikation für die WM, aber das hat sich geändert. Das Abschneiden bei der Copa entschiedet über die Teilnahme an den Panamerikanischen und Olympischen Spielen, zur WM geht’s über eine neu geschaffene Nations League, die im Oktober 2025 gestartet ist. Die Copa soll laut einer früheren Ankündigung künftig eigentlich alle zwei Jahre stattfinden, wie genau das mit der WM 2027 in Brasilien (und kommenden Weltmeisterschaften) funktionieren soll, ist zum aktuellen Zeitpunkt allerdings unklar.
Ecuador auch 2025 gastgebendes Land
Das 2025 gastgebende Land Ecuador nahm insgesamt neunmal am Wettbewerb teil und erreichte 2014 immerhin den dritten Platz. In diesem Jahr war bereits nach der Gruppenphase mit dem vierten von fünf Plätzen Schluss. In der Gesamtwertung aller bisherigen Turniere liegt Ecuador auf dem sechsten Platz.
Gespielt wurde in drei Stadien innerhalb von Ecuadors Hauptstadt Qito, mit rund 1,7 Millionen Einwohnenden gleichzeitig die zweitgrößte Stadt des Landes. Das alleine schon ist ein deutlicher Gegenentwurf zur EM in der Schweiz mit mehreren aufs Land verteilten Spielorten. Nur gibt es innerhalb der UEFA mehr als fünfmal so viele Nationalverbände und dementsprechend auch größere Turniere, wie eben die EM mit 16 teilnehmenden Teams.
Im Fußball der Männer lädt die CONMEBOL schon seit 1993 die besten Mannschaften aus der nordamerikanischen CONCACAF ein und kam so zunächst auf 12, inzwischen 16 Teams. Bei den Frauen gibt es diesen Schritt nicht, vielleicht auch, weil das Leistungsgefälle im Fußball der Frauen andersherum verläuft als in dem der Männer. Dabei gab es zwischenzeitlich durchaus Versuche, die Copa América Femenina zu vergrößern und Ecuador mischte dabei entscheidend mit.
Ecuador hostete den Wettbewerb im Jahr 2003 zusammen mit Peru und Argentinien, auch damals gab es nur drei Stadien, eines in jedem Land. In den Jahren 2010 und 2014 war beide Male Ecuador das alleinige gastgebende Land und es gab einen radikalen Umschwung mit sieben, bzw. neun Stadien in verschiedenen Städten, das gab es seitdem nie wieder.

Die drei Stadien in Quito 2025 waren nicht gut besucht, obwohl die Ticketpreise sehr niedrig waren. Für das Finale zwischen Kolumbien und Brasilien wurden 23.798 Tickets verkauft, das war mit weitem Abstand die meistbesuchte Partie. Es gab von Seiten der CONMEBOL kaum Werbung für das Turnier, das ist einer der Punkte, der von Spielerinnen verschiedener Nationalteams immer wieder heftig kritisiert wurde. Aber das ist noch längst nicht alles.
Spielerinnen kritisieren die Bedingungen bei der Copa
Von den drei Stadien wurden während der Gruppenphase nur zwei genutzt und es fanden immer zwei Spiele hintereinander statt. In der Logik der Funktionäre, die Geld sparen wollten, musste zwischendurch also der Rasen geschont werden und stand den Spielerinnen ursprünglich nicht zum Aufwärmen zur Verfügung. Stattdessen sollten sie sich in den Stadionkatakomben warmmachen, wo kein Platz ist für Sprints, Pass- oder Torschussübungen. Die Spielerinnen beider Teams einer Partie wurden einfach zusammen in einen Raum gequetscht und sollten da zwischen Klappstühlen und Campingtischen ihre Stretching-Übungen machen.
Brasiliens Spielerinnen, allen voran Marta, nutzten ihre Plattformen und Strahlkraft, um diese Bedingungen lautstark zu kritisieren und nahmen dabei auch den CONMEBOL-Präsidenten Alejandro Domínguez in Verantwortung. Brasiliens Nationaltrainer Arthur Elias äußerte außerdem Kritik in Interviews und auf Pressekonferenzen. Kurz darauf wurde das Protokoll entsprechend geändert und die Plätze konnten normal zum Aufwärmen genutzt werden.
CONMEBOL-Präsident Alejandro Domínguez hatte sich in der Vergangenheit öffentlich dafür entschuldigt, dass Fußball innerhalb des Verbandes viel zu lange als reiner Männersport behandelt wurde. Die erwähnten Reformen der Wettbewerbe werden allgemein positiv gesehen. Kritisiert wird aber, dass der Kontinentalverband viel zu wenig für Sichtbarkeit und Marketing tut. Und dass CONMEBOL seine Macht nicht nutzt, um positive Veränderungen in den Nationalverbänden viel stärker einzufordern. Ein Beispiel dafür, was damit gemeint ist, gab es vor dem Wettbewerb.
Uruguays Spielerinnen streiken bis kurz vorm Eröffnungsspiel
Das Team aus Uruguay trat kurz vor Turnierstart gegen den eigenen Nationalverband in einen Trainingsstreik. An den Forderungen der Spielerinnen wie auch an der Aufwärm-Thematik bei der Copa wird deutlich, dass Strukturreformen allein nicht reichen, wenn die Basics nicht abgedeckt werden. Die Uruguayerinnen forderten besser Trainingsbedingungen und Kleidung sowie Zugang zum nationalen Trainingszentrum, das die Männer nutzen.
Sie verlangten, innerhalb des Nationalverbandes nicht weiter als „Entwicklungsteam”, sondern als vollwertiges Nationalteam eingestuft zu werden und damit verbunden verbesserte Tagessätze für nationale und internationale Einsätze. Also Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten. Drei Tage vor dem Eröffnungsspiel Uruguays gegen Ecuador verhandelte die Gewerkschaft noch immer mit dem Verband, dass es überhaupt noch zu einer Einigung kam, wir von nahestehenden Beobachter*innen als überraschend gewertet.

Dadurch, dass dieser Protest nötig war, verzögerte sich die Anreise zum Turnier, was die Gewöhnungszeit an die Höhenmeter drastisch verkürzte. Die Auftaktpartie gegen die Gastgeberinnen wurde dann ein 2:2 und die Uruguayerin Belen Aquino erzielte den ersten Treffer des Turniers. Uruguay kam bis ins Halbfinale gegen Brasilien.
Brasilien und Kolumbien liefern sich im Finale dramatisches Duell
Das Finale war extrem dramatisch und brachte Kolumbien so nah an den Titel wie wohl noch nie. Linda Caicedo brachte die Kolumbianerinnen in der 25. Minute in Führung, obwohl sie und Mayra Ramirez bis dahin von Brasiliens Defensive gut bewacht worden waren. Ramirez kam im Durcheinander im Strafraum an den Ball und zog alle Aufmerksamkeit auf sich und hatte dann noch die Übersicht und Technik, zur völlig frei stehenden Caicedo zu spielen.

In der 45.+9 verwandelte Angelina einen Elfmeter zum Ausgleich, vorher hatte Jorelyn Carabalí einer brasilianischen Gegenspielerin einen Kopfstoß verpasst und dafür nur Gelb gesehen. In der 69. traf Tarciane ins eigene Tor, wieder führte Kolumbien und Amanda Gutierres glich in der 80. Minute aus. In der 88. Minute legte Caicedo dann umgekehrt Ramirez einen Treffer auf und die Sensation schien nahe.
Aber dann traf in Minute 90.+6 die eingewechselte Marta in buchstäblich letzter Sekunde mit einem Hammerschuss von außerhalb des Sechzehners. Jubel, Chaos, Verlängerung. Dieses Mal ging Brasilien in Führung, wieder ein Tor von Marta, aber Leicy Santos glich noch aus. Das Elfmeterschießen gewann dann aber Brasilien mit 5:4. Auch wenn es in diesem Jahr wieder nicht zum Titel gereicht hat, gilt Kolumbien für andere Länder der Region längst als Vorbild, weil diese aktuelle Erfolgswelle geduldig mit einer verbesserten Jugendarbeit und erhöhten Investitionen vorbereitet wurde. Brasilien ist, gerade mit den durch die WM-Vergabe nochmals erhöhten Bemühungen, allerdings noch auf einem anderen Level.
Die Top-Torschützinnen der Copa América 2025
Die Trophäe für die meisten Tore im Wettbewerb teilten sich zwei Spielerinnen, die beide jeweils sechs Tore in sechs Spielen erzielten. Brasiliens 24-jährige Amanda Gutierres vom Verein Palmeiras traf konstant in fünf der Partien, darunter wie erwähnt im Finale. Sie verwandelte auch ihren Versuch im Elfmeterschießen.

Die andere Trophäe ging an Paraguays erst 17-jährige Claudia Martínez Ovando. Paraguay belegte den fünften Platz des Turniers und Ovando, die in ihrer Heimat für Club Olimpia spielt, machte gegen Bolivien den ersten Hattrick des Turniers und erzielte unter anderem den Ehrentreffer bei der 1:4-Niederlage gegen Kolumbien in der Gruppenphase. Sie gilt als riesiges Talent und stand auf der Longlist für die Kopa-Trophäe beim diesjährigen Ballon d’Or.
Beitragsbild: IMAGO/Agencia Prensa-Independiente
