
VfL Bochum: Sarah Freutel mit 250. Pflichtspiel ihrer Karriere
Am Sonntag machte Sarah Freutel für den VfL Bochum gegen Wolfsburg II in der 2. Bundesliga der Frauen das insgesamt 250. Pflichtspiel ihrer Karriere. Dabei hatte die gebürtige Essenerin zwischenzeitlich ihre Spielerinnen-Karriere sogar schon beendet. Aus dem Lohrheidestadion.
Eigentlich war am Sonntag im geschichtsträchtigen Lohrheidestadion aus Sicht des VfL Bochum alles angerichtet für einen Wohlfühl-Fußballnachmittag. Das neu eröffnete Stadion (Kapazität 16.387) ist seit kurzem die neue Heimspielstätte der Bochumerinnen und strahlt noch nagelneu in der Sonne, 340 Menschen saßen auf der Tribüne. Vor dem vierten Spieltag stand der VfL mit Trainerin Kyra Malinowski auf dem ersten Tabellenplatz, während die Aufsteigerinnen des VfL Wolfsburg II mit Trainer Daniel Kraus als Tabellenletzte angereist waren. So manche Person im Publikum ging von einer entspannten Angelegenheit aus, eine Fehleinschätzung, wie sich herausstellen sollte.
Sarah Freutel: zwischenzeitlich Rekordspielerin der SGS Essen
Auf einer persönlichen Ebene stand zudem eben das wettbewerbsübergreifend 250. Pflichtspiel von Sarah Freutel (33) an, die während ihrer gesamten bisherigen Karriere im Ruhrgebiet gespielt hat und dabei schon alle Positionen auf der rechten Außenbahn abgedeckt hat. Hauptsächlich ist sie im Mittelfeld zu finden. Für ihren langjährigen Verein SGS Essen war sie zwischenzeitlich mit 179 Partien Rekordspielerin, dort beendete sie im Sommer 2019 zunächst ihre aktive Karriere und machte sich als Ernährungsberaterin selbstständig. Freutel hat inzwischen zwei Bücher im Eigenverlag veröffentlicht. Im Jahr 2022 folgte dann das überraschende Comeback beim MSV Duisburg, damals unter Trainer Thomas Gerstner.

Gegen Turbine Potsdam erzielte sie beim 3:0-Sieg den einzigen Dreierpack ihrer Karriere und trug damit wesentlich dazu bei, den Abstieg zumindest in dieser Spielzeit zu verhindern. Insgesamt hat Freutel laut DFB bisher 30 Pflichtspieltore erzielt.
Nach dem Abstieg und Rückbau der Frauenabteilung des MSV im Jahr 2024 ging es für sie weiter in Richtung Bochum. Dort ist ebenfalls seit 2024 die ehemalige Nationalspielerin Annike Krahn Sportliche Leiterin und mit Trainerin Malinowski steht seit 2022 außerdem eine ehemalige Essener Mitspielerin Freutels an der Seitenlinie. und: Beide trainierten zwischenzeitlich die U17 der SGS Essen, Malinowski als Cheftrainerin, Freutel als ihre Co-Trainerin.
Viele Wege führen nach Wattenscheid
Malinowski erlebte während ihrer Spielerinnen-Karriere das Lohrheidestadion mit der SG Wattenscheid 09 für kurze Zeit auch noch als Spielerin. Während sich für die Trainerin mit dem neuen Heimspielort ein Kreis schließt, gibt es für Jubiläums-Spielerin Freutel eine angemessene Portion Ruhrgebietscharme zum 250. Pflichtspiel.
Wie beim VfL üblich scheppert Herbert Grönemeyer aus den Boxen und erhält seine ritualisierten Antworten („Du bist keine Schönheit“ – „Du auch nicht!“). Bis dahin ist aber Geduld nötig. Linienrichter Cengiz Kabalakli bekommt besonders viel Applaus, weil er kurzfristig angereist ist, um für eine verletzte Kollegin einzuspringen. Der Anpfiff verzögert sich dadurch um rund 40 Minuten und ein Stück weit trägt sich dieses Geduldsspiel in die Partie.
Zwar gibt es anfangs gefährliche Szenen auf beiden Seiten, bis Bochum dann überlegen war, aber zwingende Torchancen bleiben aus. Wolfsburg, das anfangs noch große Räume zum Bespielen anbietet, beißt sich immer mehr in die Partie hinein, ist physisch besser und versucht clever die vielen Fehlpässe aus Bochums Innenverteidigung auszunutzen. Besonders auffällig für die Wölfinnen in diesen Situationen die 19-jährige Norwegerin Linnea Sælen.

Den Führungstreffer für den VfL Bochum auf dem Fuß
Nach der Pause flacht das Spielniveau weiter ab, Wolfsburg verteidigt gefestigt und lauert auf Konter, Bochums Bemühungen sind zu ungenau. Und dann kommt der Moment, der dem sportjournalistischen „ausgerechnet“ seine Berechtigung hätte geben können. Sarah Freutel, im Spielverlauf immer wieder mal frei auf ihrer rechten Seite, kommt schräg vor dem Tor an den Ball, zwar in einiger Distanz, aber mit sehr viel Platz um sich. Wolfsburgs Torhüterin Nelly Smolarczyk steht ein ganzes Stück vor ihrem Kasten. Freutel schießt – doch der Ball fliegt übers Tor.
Und dann kommt es, wie so oft im Fußball. In der 63. und 66. Minute folgt nämlich der Doppelschlag auf der anderen Seite, durch die 18-jährige Norwegerin Anny Kerim-Lindland. Ihre zwei Tore für die Wölfinnen führen zum 0:2-Endstand. Die Bochumerinnen bemühen sich in der letzten Viertelstunde, aber dieser Druck kommt zu spät, mit gleich zwei Alutreffern durch Anna Marques und Dörthe Hoppius ist außerdem noch Pech im Spiel.
Durch die Niederlage fällt Bochum auf den vierten Tabellenplatz ab, während die Wolfsburgerinnen mit ihren ersten Punkten zwar durch das Torverhältnis nach wie vor auf einem Abstiegsplatz stehen, aber wieder Anschluss an die sicheren Regionen der Tabelle haben.
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