Berger in roten DFB-Trainingsklamotten mit hochgezogener Kapuze über der Kappe beugt sich runter zu mehreren Fußbällen, die wie eine Pyramide aufgestapelt sind und berührt einen davon.

Neuerungen zur Saison 2025/26: Wettbewerbs-Prämien und was sich in Deutschland bisher eben nicht ändert

Im letzten Teil unserer Reihe zu den Neuerungen der Saison 2025/26 geht es ums Geld und ein Fazit aus deutscher Perspektive. Denn bei all den Entwicklungen fällt auch auf, in welchen Bereichen es im Sinne einer Professionalisierung keine Veränderungen gibt.

TV-Vertrag 1. Bundesliga der Frauen

Seit der Spielzeit 2023/24 und noch bis einschließlich der Saison 2026/27 ist der TV-Vertrag auf 5,175 Millionen Euro pro Spielzeit festgelegt. Davon wurden zu Beginn 90 Prozent zu gleichen Teilen an die Vereine ausgeschüttet, also 388.000 Euro pro Jahr als die Liga noch aus 12 Teams bestand. Wenn man davon ausgeht, dass sich an den 90 Prozent nichts geändert hat, erhielte bei 14 Vereinen aktuell jedes Team rund 55.500 Euro weniger. Zum Vergleich: In der englischen WSL gibt es von 2025/26 bis 2029/30 rund 15,5 Millionen Euro und die NWSL ist mit rund 56 Millionen Euro sowieso uneinholbar.

Minimale Erhöhung im DFB-Pokal

Kurz nach unserem Teil zum DFB-Pokal gab es ein Update in Sachen DFB-Pokal-Prämien, wobei es in diesem Jahr minimal ausfällt und nur die ersten beiden Runden betrifft. Dort wurde für die Playoffs (ehemals 1. Runde) von 5.000 auf 6.000 Euro erhöht und in der neuen 1. Runde gibt 8.000 statt 7.500 Euro, ansonsten bleibt alles wie zuvor: Achtelfinale 10.000 Euro pro Team, Viertelfinale 70.000 Euro, Halbfinale 80.000 Euro, 100.000 Euro für die Final-Verliererinnen und 150.000 für die Pokalsiegerinnen.

Balkendiagramm, Titel: Entwicklung Prämien DFB-Pokal der Frauen pro Verein. Auf der y-Achse links sind in acht Schritten die Summen von 20.000 bis 160.000 Euro ausgezeichnet, auf der x-Achse unten die Pokalrunden bzw. das Abschneiden: Playoffs, 1. Runde, Achtelfinale, Viertelfinale, Halbfinale, Final-Zweite und Pokalsiegerin. Es gibt in jedem Abschneiden fünf andersfarbige Balken für die Saisons 2021/22 bis einschließlich 2025/26. Während es von den Playoffs bis einschließlich Achtelfinale sehr kleine Balken mit jeweils wenigen tausend Euro sind, ist auffällig, dass es ab dem Viertelfinale mit der Saison 2024/25 einen großen Sprung gab von 20.000 Euro in der Vorsaison auf 70.000 Euro, im Halbfinale ist der Sprung ähnlich groß, bei den Final-Zweiten und Pokalsiegerinnen dagegen deutlich kleiner.

An der Grafik lässt sich erkennen, dass es in den letzten Jahren stetig nach oben ging. Von 2012/13 bis 2021/22 hatte es keine Veränderung gegeben. Für die Spielzeit 2024/25 gab es dann erstmals eine Zentralvermarktung ab dem Viertelfinale, daher dort der große Sprung. Alle Zahlen dafür sind aus dem DFB Saisonreport und den aktuellen Wettbewerbs-Informationen.

Diese Entwicklung der letzten Jahre aufzuzeigen ist wichtig, zumal sich daran auch erkennen lässt, wie sich die Prämien auf die Runden verteilen und als nächstem Schritt die Lücke vom Viertelfinale abwärts geschlossen werden sollte. Daher ist die – wenn auch extrem geringe – Aufwertung der ersten beiden Runden in diesem Jahr folgerichtig.

Aber natürlich ist genauso wichtig, einmal den Unterschied zu den Pokalprämien der Männer aufzuzeigen. Beide Wettbewerbe nicht weiter aneinander anzugleichen ist letztendlich eine Verbandsentscheidung, die auch anders getroffen werden könnte, ähnlich wie bei den Turnierprämien der Nationalteams. Bei den Männern werden an 64 teilnehmende Vereine insgesamt 75 Millionen Euro ausgeschüttet.

Die Prämien sind hier im Vergleich zur Vorsaison um 800.000 Euro gestiegen. Allein in der ersten Runde gibt es für jeden Klub 211.886 Euro, also einiges mehr als für den Pokalgewinn bei den Frauen. Und wer den Pott bei den Herren in diesem Jahr gewinnt, bekommt satte 4,32 Millionen Euro ausgeschüttet. Wenn man das visuell vergleichen wollte, sähe es so aus:

Balkendiagramm, Titel: Entwicklung Prämien DFB-Pokal der Frauen pro Verein. Auf der y-Achse links sind in acht Schritten die Summen von 500.000 bis 4.000.000 Euro ausgezeichnet, auf der x-Achse unten die Pokalrunden bzw. das Abschneiden: Playoffs, 1. Runde, Achtelfinale, Viertelfinale, Halbfinale, Final-Zweite und Pokalsiegerin. Es gibt in jedem Abschneiden fünf andersfarbige Balken für die Saisons 2021/22 bis einschließlich 2025/26 sowie in Gelb eine Extra Kategorie Vergleich 2025/26Männer. Im Gegensatz zur Grafik davor sind die Balken der Frauen verschwindend klein und tauchen teilweise kaum auf der Grafik auf.

Preisgelder der beiden internationalen Wettbewerbe

In der Champions League werden 2025/26 und 2026/27 laut UEFA voraussichtlich jeweils 37,7 Millionen Euro ausgeschüttet. In den drei darauffolgenden Spielzeiten sollen es dann 46,7 Millionen pro Saison sein. In der vergangenen Saison waren es 24 Millionen. Das Geld wird nach wie vor so aufgeteilt, dass auch die Ligen der teilnehmenden Vereine profitieren, das Geld geht direkt an die Vereine. Über einen Verteilungsschlüssel werden so 6,2 Millionen Euro an nicht teilnehmende Vereine ausgeschüttet.

Klubs, die in der Liga-Phase der Champions League antreten, erhalten ein Startgeld von 505.000 Euro (ab 2027 dann 670.000 Euro). Es gibt außerdem Prämien für Unentschieden, Siege und die Abschlussplatzierung. Wer den Wettbewerb gewinnt, kann bis zu 1,995 Millionen Euro ausgeschüttet bekommen (ab 2027 wären es 2,8 Millionen Euro).

Möglich sind diese Steigerungen und die Mitfinanzierung eines komplett neuen Wettbewerbs durch den neuen TV-Vertrag mit Disney+ und generell eine Steigerung der Sponsoring-Einnahmen in der Champions League in den letzten Jahren. Dazu legt die UEFA selbst mehr Geld rein und finanziert durch den Fußball der Männer quer.

Noch viel Arbeit beim UEFA Women’s Europa Cup

Im Europa Cup werden insgesamt 5,6 Millionen Euro ausgeschüttet (ab 2027 dann 6,2 Millionen Euro) und die Klubs bekommen pro erreichter Runde einen festen Betrag. Das ist ein großer Unterschied zur Champions League, vermutlich auch daher bedingt, dass es noch immer keinen eigenen TV-Vertrag für den Europa Cup gibt. Wahrscheinlich wird es die Spiele bei UEFA TV geben, aber mit Sicherheit sagen lässt es sich aktuell nicht.

Insgesamt sieht es so aus, als sei es sehr schwierig gewesen, den von Fans wie Vereinen lang ersehnten zweiten UEFA-Wettbewerb auf die Beine zu stellen. Denn auch als dieser lange angekündigt war, machte Nadine Keßler im vergangenen Jahr Witze darüber, man möge doch bitte Vorschläge für den damals noch namenlosen Wettbewerb einreichen. Öffentlich bekanntgegeben wurde der Name UEFA Women’s Europa Cup dann bei der EM-Gruppenauslosung im Dezember 2024.

Nadine Keßler und Aleksander Čeferin stehen nebeneinander, beide tragen Hosenanzüge mit UEFA-Logo, hinter ihnen ist unscharf das Stadion-Publikum zu erkennen. Keßler schaut in die Ferne während sie spricht und gestikuliert mit einer Hand, Čeferin beugt seinen Kopf mit einem Ohr etwas in ihre Richtung und hat eine Hand am Kinn.
Nadine Keßler (UEFA Direktorin Fußball der Frauen) und Aleksander Čeferin (UEFA Präsident) beim Finale der UEFA Women’s Champions League zwischen Barcelona und Wolfsburg am 03.06.2023 in Eindhoven. IMAGO/Just Pictures.

Klar: Was noch keinen Namen hat, kann man nur schwierig vermarkten – und es hilft auch nicht, dass die meisten Suchmaschinen bisher vor allem Artikel zur EM ausspucken, wenn man nach „UEFA Women’s Europa Cup“ sucht. Oder, dass es auf der Website der UEFA bis heute keine eigene Unterseite gibt, keine Social-Media-Kanäle und zumindest aufgrund der Pressemitteilungen nicht klar ist, wie viel eigentlich die Wettbewerbsgewinnerinnen bekommen.

Bei einer Gesamtsumme von 5,6 Millionen Euro für insgesamt 44 teilnehmende Vereine dürften je nach ausgeloster Begegnung die Antrittsgelder den Vereinen in den ersten Runden gerade so die Reise- und Orgakosten decken, wenn sie diese unter professionellen Bedingungen angehen. Dass es keinen Final-Ort gibt, mag in der Logik des Wettbewerbs begründet liegen, wirkt aber auch ein bisschen wie abgeschobene Verantwortung seitens der UEFA, nicht noch ein Finale organisieren zu müssen. Nach dem Motto: „Rollt euch mal bitte selbst gegenseitig den roten Teppich aus.“

Dabei verspricht das Format eigentlich Charme und Spannung, weil man Teams, die in der Champions League keine Chance (mehr) hätten dabei zusehen könnte, wie sie von Runde zu Runde durch Europa tingeln.

Aufbruchstimmung oder Sommerloch?

Was bedeutet das alles? Einerseits passieren Dinge: Preisgelder erhöhen sich, es gibt neue Wettbewerbe und TV-Verträge, die 1. Bundesliga wird größer. Andererseits ist gerade aus deutscher Perspektive aber auch auffällig, was alles nicht passiert. Im Gegensatz zu anderen europäischen Top-Ligen gibt es hier weiterhin keine Profi-Liga und nach wie vor kein Mindestgehalt. Auch eine Nachfolgerin für Doris Fitschen in Verantwortung der „Strategie Frauen im Fußball FF 27“ fehlt. Und es gibt zwar seit Oktober 2024 eine „Geschäftsplan Frauen-Bundesliga Projekt GbR“ und zu einer möglichen Umstrukturierung der 1. Bundesliga eine gemeinsame Taskforce mit dem DFB, aber passiert ist aus dieser heraus wahrnehmbar noch absolut gar nichts.

Obwohl genau jetzt nach der EM und vor der neuen Saison eine gute Zeit wäre, um etwaige Planungen zu verkünden, zumal mit Blick auf die Vergabe der TV-Rechte ab 2027/28 und dem Vorlauf solcher Verhandlungen eigentlich schon im letzten Jahr Eile geboten war. Beim „Fußball kann mehr“-Forum Anfang Juli in Zürich hatte Bayern Münchens Direktorin Bianca Rech noch angekündigt, dass es „sehr zeitnah Veränderungen geben“ werde.

Bianca Rech von der Schulter aufwärts, schaut in die Ferne, wird seitlich von der Sonne angestrahlt, trägt ein schwarzes Hemd, kurze braune Haare und braune Augen, dezentes Lächeln.
Bianca Rech (Direktorin FC Bayern Frauen), hier beim DFB-Pokalfinale 2025. Foto: IMAGO/Beautiful Sports.

Der DFB äußerte damals auf Nachfrage des Kicker: „Alle strukturellen und inhaltlichen Veränderungen werden in den kommenden zwei Monaten weiter konkretisiert und in einen Antrag für den DFB-Bundestag im November gefasst.“

Vielleicht passiert also doch noch was, aber nach großem Aufbruch wirkt es gerade mal wieder nicht, weil davon auszugehen ist, dass anstehende Veränderungen von den Beteiligten öffentlich anmoderiert werden würden. Und das macht Sorge. Mara hatte während der EM hier bereits sehr ausführlich beschrieben, was eigentlich alles angegangen werden müsste. Im internationalen Vergleich können sich Bundesliga und DFB eigentlich keine weitere langwierige Verzögerung leisten. Strategische Maßnahmen brauchen schließlich immer auch Zeit, um ihre Wirkung zu entfalten.

Hier geht’s zum ersten Teil über die 1. Bundesliga, hier zum zweiten Teil über 2. Bundesliga, Regionalligen und DFB-Pokal und hier zum dritten Teil über die beiden europäischen Wettbewerbe Champions League und Europa Cup.

Beitragsbild: IMAGO/Fotostand.

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Annika Becker berichtet als freiberufliche Journalistin unter anderem für sportschau.de über die Bundesliga der Frauen und beleuchtet die strukturellen wie sportlichen Themen im Fußball. Seit 2022 gehört sie zur Jury des Guardian für die Wahl der „100 Best Female Footballers In The World“. Becker ist Teil der Crew von „FRÜF – Frauen reden über Fußball“, ansonsten ist als Expertin zum Beispiel im DLF oder bei der BBC zu hören - und natürlich bei "Becker & Pfeiffer - Der Fußballpodcast". An den Wochenenden findet man sie auch privat meist im Stadion, denn Beckers Fußball-Herz schlägt für zwei Ruhrgebietsvereine: den FC Schalke 04 und die SGS Essen.

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