
Was wir von Lucy Bronze (vielleicht) lernen könn(t)en
Kurz nachdem die Siegerinnen der EM 2025 nach der Ehrung und Feier vom Platz in die Innenräume des St. Jakob-Parks in Basel verschwunden waren, da machte eine Nachricht die Runde, die kaum zu glauben war: Lucy Bronze hatte das ganze Turnier über mit einem Schienbeinbruch gespielt, bis zu ihrer verletzungsbedingten Auswechslung in der Verlängerung des Finales. Das war allerdings etwas mit dem Knie, wie Bronze offen und kurz bekanntgab.
Die Medienresonanz eilte einem Großteil der Fankultur voraus: Eine Heldinnen-Geschichte wurde geboren. Gleichzeitig gab es massive Kritik, sowohl in Richtung des Staffs, als auch der Spielerin selbst. Als „One of a kind“ wird Lucy Bronze gerne bezeichnet, eine außergewöhnliche, einmalige Person und Persönlichkeit. Auch wenn das streng genommen auf jeden Menschen zutrifft. Das „außergewöhnlich“ hat viel mit unseren kulturell und gesellschaftlich geprägten Erwartungen zu tun. Und auch mit dem Umgang mit Menschen, deren Sein oder Tun damit kollidiert.

Chloe Kelly (#18) und Lucy Bronze (#2) jubeln. • Foto: IMAGO/SportsPressPhoto
Lucy Bronzes Qualitäten auf dem Platz und in ihren Teams haben eigentlich nicht zu allererst etwas mit Schmerzen und Risikoabwägungen zur Gesundheit zu tun: Sie ist seit vielen Jahren eine herausragende Verteidigerin und motivierende Teamplayerin. Ihr Selbstvertrauen wird von Fehlern und Rückschlägen kaum bis gar nicht berührt. Sie strahlt eine Unabhängigkeit von Dynamiken und Widrigkeiten aus, die sich nicht mit ehrgeiziger Verbissenheit, Kompensation oder gar einer gewissen Arroganz erklären ließe. Gleichzeitig wirkt sie nämlich zufrieden in sich ruhend, weil sie sich kontinuierlich weiterentwickeln kann, so wie es die Sportart und das Business um sie herum in ihrer nun schon langen Karriere taten.
Ein realistischer Blick auf das Mögliche und wie weit sie und ihre Mitspielerinnen es ausschöpfen konnten, wo es eher Glück und wo es eher die Einstellung waren, die zum Erfolg beitrugen, welche Fehler ihr oder anderen unterlaufen sind – all das schätzt sie in der Regel uneitel und gelassen ein.
Wie frei aber war sie, fragen viele, in der Entscheidung, diese EM zu spielen oder nicht? Wie sehr hatten sich einige Wochen vor dem Turnier noch so viele positiv zur selbstbestimmten Absage von Bronzes Teamkollegin Millie Bright geäußert, die ihre Gesundheit über die eigene Beteiligung an einem möglichen Erfolg der englischen Squad gestellt hatte? Bright, die vorbildlich auf ihren potenziellen Erfolgsbeitrag verzichtete — auch weil sie einer anderen Top-Spielerin die Möglichkeit nicht nehmen wollte, diesen Platz im 23er-Kader zu besetzen? Hätte sich Bronze nicht auch dieser progressiven Kultur von Selfcare und Gesundheitsfürsorge anschließen müssen? Zumal mit der so klaren Diagnose eines Knochenbruchs?

Spielszene mit Millie Bright im englischen Trikot • Foto: IMAGO/Isosport
Das Dogma der „absolut freien Entscheidung“
Derartige Entscheidungen geraten leicht in einen Strudel von Anspruch und Wirklichkeit einer „freien Entscheidung“. Eine absolute Autonomie gibt es nicht. Interdependenz, also sich in einem komplexen Netz von Beziehungen und Abhängigkeiten zu bewegen, ist kein „Makel“ der menschlichen Existenz, sondern ein geradezu schlichter Fakt des Mensch-Seins. Nur wenigen Leistungssportler*innen ist eine große persönliche Unabhängigkeit von den vielen problematischen, toxischen Dynamiken, die es im Sport zweifelsfrei gibt, anzumerken. Seien diese Dynamiken von außen einwirkend oder in der eigenen Biographie und Verfasstheit wurzelnd.
Sport ist ein gemeinschaftlicher Raum und oft voller Projektionen, Kompensationen, emotionalem Druck und psychischem Stress. Geld ist interessanterweise kein Lösungsmittel derartiger Dynamiken. Oft scheint es mir eher ein Treiber für die externe Validierung des sportlichen und auch des Selbst-Werts zu sein – und zur Toxizität und Rücksichtslosigkeit gegen sich und andere beizutragen. Das ist keine individuelle Entwicklung, sondern ein seit Generationen gesellschaftlich weit verbreitetes Phänomen, das tief verwurzelt in vielen Menschen steckt. Gerade in Deutschland und in den anderen Staaten, die die Liste der Wirtschaftsleistungen und der Erd-beziehungsweise Menschenausbeutung anführen.
Und doch… Lucy Bronze ist eine der wenigen, die sich meines Erachtens auffällig wenig verstrickt mit diesem kulturellen Erbe zeigen. Kerstin Garefrekes, damals deutsche Nationalspielerin, war das auf ihre Weise, als sie einmal sagte, dass sie Leistungsfußball lieber weiter neben einem Berufsalltag (meist) außerhalb des Fußballs sähe, als den Sport zum Haupt-Broterwerb zu machen. (Auch hierüber ließen sich ausführlichere und manchmal dogmatisch geratende Diskussionen führen.)
Vor Lucy Bronze kamen schon andere, zum Beispiel Petra Landers
Rund um Lucy Bronze stellt sich nun für viele interessierte Beobachter*innen die Frage, ob ihre Entscheidung heldinnenhaft, klug, unklug, gefährlich für sich selbst war — oder schädlich für andere, die ihr vielleicht nacheifern könnten? Ob sie und andere Athlet*innen womöglich „vor sich selbst geschützt“ werden müssten? Dabei ist ihre Entscheidung keine Premiere. In der aktuellen ARD-Doku „Mädchen können kein Fußball spielen“ erzählt DFB-Legende Petra Landers [ab ca. 1:05:00], wie sie kurz vor der EM-Endrunde 1989 mit den vier besten Teams und vor dem Halbfinale gegen Italien die Diagnose Kreuzbandriss erhielt.

Das deutsche Nationalteam bei seiner Länderspiel-Premiere 1981 – rechts vorne: Petra Landers • Foto: IMAGO/WERKE
In jenen Zeiten vor bildgebenden Untersuchungen war bereits für die Diagnostik ein chirurgischer Eingriff nötig. Der Arzt gab Petra Landers die Entscheidungsfreiheit, ob und wann sie eine kurative Operation in Anspruch nehmen würde, obwohl es damals nicht unüblich war, diese Entscheidung als Operateur*in in der laufenden OP zu treffen. Sie entschied sich für den Fußball, auf dem Weg dorthin auch noch gegen den Job bei dem Chef, weil der ihr den dafür nötigen Urlaub verweigern wollte – und Petra Landers wurde Europameisterin. Auch wenn sie das furiose Finale gegen Norwegen in Osnabrück verletzungsbedingt nicht mehr selbst bestreiten konnte.
Medizinisch und physiotherapeutisch konnte Lucy Bronze — anders als Petra Landers — auf ein ganzes Arsenal an Fachwissen und Begleitung des Staffs von Club und Verband zurückgreifen. Sie ließ viele der Team-Trainings während des Turniers ausfallen, weil die Dauermedikamentierung mit Schmerzmitteln keine Option war. Derartige Trainingsausfälle sind für jede verletzte oder kranke Spielerin üblich, hier hatte sich Wiegman von vornherein auf diese Aussicht mit Lucy Bronze im Kader eingelassen.
Butter bei die Fische: War das eine gute Entscheidung?
In Bezug auf die sie selbst betreffende Risikoabwägung ergeben sich verschiedene Leitfragen bei solch einer Entscheidung:
Um wieviel größer ist das Risiko einer Verschlechterung der Verletzung mit eventuell langfristigen Gesundheitsfolgen, im Vergleich zum alltäglichen Risiko auf dem Platz, dass ein bis dahin unverletztes Schienbein bei einem Zusammenprall oder Foul bricht? Welche Möglichkeiten zur Risiko-Minimierung gibt es, was sind Anzeichen für eine eventuell problematische Verschlechterung im laufenden Match, auf die Bronze achten könnte? In welchem Umfang ist der Einsatz vom Schmerzmitteln vertretbar? All das steht im primären Kontext der eigenen Gesundheitsentscheidungen.
Wie viele von Petras Landers heutigen Spätfolgen im damals verletzten Knie mit der konkreten Entscheidung, im Sommer 1989 weiter für den DFB, ihr Team und ihre eigenen Ziele zur Verfügung zusammenhängen, ist vermutlich schwer abzuschätzen. Von den gesundheitlichen Spätfolgen seiner eigenen Fußballkarriere schrieb auch schon früh Toni Schumacher in seiner Biografie. Viele Leistungs- und auch Freizeitfußballer*innen können ähnliche Geschichten, von Entscheidungsprozessen und -dilemmata und von Schmerzen (auch zum Teil spät nach der aktiven Zeit) erzählen. Wobei sich Ex-Profis im Männerfußball aufgrund ihres angesammelten Einkommens nahezu immer eine gute Nachsorge und medizinische Betreuung im späteren Lebensverlauf leisten können. Anders, als die meisten EM-Spielerinnen von 2025 und erst recht alle von 1989.
Arbeitsrechtlich könnten sich ebenfalls Fragen ergeben, die es immer wieder im Spannungsfeld zwischen den Interessen der Verbände und denen der Clubs gibt: Hätte der Verband auf Lucy Bronzes Nominierung zugunsten des Vereins verzichten müssen? Hätte Bronze es ihrer Arbeitgeber*in geschuldet, sich um eine besser zum Start der nächsten Saison passende, frühzeitige Gesundung zu bemühen? Auch Profisport ist kein arbeitsrechtsfreier Raum, selbst wenn viele Arbeitsschutzregeln ausgehebelt sein dürften, weil für den Profisport und seine Events sowie deren Vermarktung zahlreiche Sonderregeln und Ausnahmen gemacht werden.
Umgekehrt haben Verbände und Vereine eine Pflicht und Sorge-Verantwortung, ihre Planung und finanziellen oder Erfolgs-Interessen nicht über die Gesundheit von Spieler*innen zu stellen. Taten Wiegman & Co. dies hier?
Bronze hat außerdem ihre eigene Entscheidungsfreiheit über den eigenen Umgang mit der Situation, im Grunde zwei Auftrag-/Arbeitgeber*innen zu haben – den Club und den Verband (und darüber hinaus auch den Menschen im eigenen Land, die bei dieser EM – nach meinem subjektiven Eindruck – häufiger als bisher in Mixed Zones und Interviews erwähnt wurden).
Formaljuristisch mag all das gesetzgeberisch oder vertraglich geregelt sein – dazu müssten sich wenn, dann Leute mit Kenntnis der britischen Gesetze und gegebenenfalls der konkreten Verträge äußern.
Eher nachrangig erscheint mir die Verantwortungsfrage in der Rolle als Vorbild – in Bezug auf die eigentliche Entscheidung des Spielens (oder nicht?) mit Verletzung. Lucy Bronze ist nicht diejenige, die daraus eine Heldinnenerzählung gemacht hat und macht. Für sie scheint es – very Lucy-ish – ein geradezu simpler Fakt ihres EM-Sommers gewesen zu sein. Etwas, bei dem in meinen Augen vor allem das Timing der Veröffentlichung unglücklich gewählt war.
Dieser Schnellschuss kurz nach dem Abpfiff schon auf dem Platz und in der Mixed Zone schien mir eher dem Beendigen des bis dahin gemeinsam getragenen Geheimnisses geschuldet, als einer wirklichen Notwendigkeit, es so kurzfristig zu vermelden. Damit haben alle Beteiligten die Tür zu den problematischen Überhöhungen aufgemacht – ohne die Zeit zu haben oder sich zu nehmen, einen differenzierteren Beitrag zu leisten.

Sarina Wiegman macht ein Gruppen-Selfie mit englischen Narionalspielerinnen, Lucy Bronze ganz rechts im Bild • Foto: IMAGO/NewsLicensing
Die ersten öffentlichen Statements wären in einer der Pressekonferenzen rund um die Feier, die nach der Rückkehr in London stattfand, vermutlich besser aufgehoben gewesen. Oder in einem Podcast oder Interview mit echter Gesprächszeit. Lucy Bronze hat wenig bis nichts dazu beigetragen, was in Richtung „an mir sollten sich andere ein Vorbild nehmen“ ging. Im Gegenteil ist sie eine der ersten Spieler*innen, die ihre Entscheidung in einer Zeit treffen konnte, in der es schon gute Vorbilder gab, weil sich andere Spieler*innen anders entschieden haben.
Was ist mit der Verantwortung der Trainer*innen?
Hätte sich Sarina Wiegman an Christian Wück ein Beispiel nehmen sollen, der Nicole Anyomi wegen einer bestehenden Verletzung nicht in den EM-Kader berufen hatte? Diese Entscheidungsfindung beim DFB wäre eigentlich eine ähnliche Analyse und Abwägung wert, wie die rund um Lucy Bronze nun stattfindende Debatte: War sie im Kern eher selbstbestimmt oder wurde sie eher paternalistisch beziehungsweise hierarchisch getroffen?

Sarina Wiegman in der Coaching Zone • Foto: IMAGO/Steinsiek.ch
Ich würde Nicole Anyomi auf jeden Fall wünschen, dass sie ähnlich viel Eigenverantwortung erleben konnte, wie Lucy Bronze. Denn das ist eine der besonderen Qualitäten von Sarina Wiegman: Diese Selbstkompetenz über Jahre zu stärken und dafür Raum zu lassen. Etwas, das auch im Fußball der Männer eine Seltenheit ist und eher bei sogenannten Typen, wie Volker Finke und Christian Streich (nicht zufällig beides ehemalige Lehrer) zu finden war. Fußballer*innen sind kein „Spieler*innen-Material“ und erst recht keine Sportgeräte, die es zu optimieren gilt, wie beim Hackl Schorsch die Kufen. Sie sind aber auch mehr, als ein Team-Mitglied, denn sie bleiben das vom Team und der Welt interdependente Individuum.
Was durch die Causa Bronze/Bright auch klar wurde: Im Team England sprechen alle Beteiligten miteinander über ihre jeweilige Situation. Selbst Mary Earps hatte schon früh Richtung Sarina Wiegman kommuniziert, dass sie über ihr Karriereende im englischen Dress nachdachte. Es gibt dort offenbar keine verheimlichte Verletzung, kein „Weglächeln“ von Erschöpfung und keine plötzlichen inneren Distanzierungen zur Berufung ins Nationalteam. Diese Bandbreite an Offenheit im Umgang miteinander ist die notwendige Grundlage für einen „informierten Konsens“, in dem Trainerin und Spielerin ihre jeweiligen Verantwortlichkeiten ausfüllen können. Auch Sarine Wiegman trägt weiterhin einen Teil der Verantwortung für Lucy Bronzes Gesundheit.
Eben dieser informierte Konsens kommt aus dem medizinischen Kontext. In der medizinischen Praxis entscheiden – auch wenn es sich oft anders anfühlt (und leider auch zu oft anders umgesetzt wird) – die Patient*innen darüber, ob eine von den Fachleuten vorgeschlagene Behandlung stattfindet, welche und wann. Ungefähr so, wie Petra Landers vor der EM 1989, wobei die Strukturen und Bedingungen, zum Beispiel was den DFB-Staff angeht, für sie damals zweifellos schlechtere waren.
Für eine informierte Entscheidung brauchen verletzte und erkrankte Personen eine verständliche Erklärung über die verschiedenen Optionen und ihre vermutlichen Konsequenzen oder Nebenwirkungen – inklusive der Option der Nicht-Behandlung. Wir haben dabei immer das Recht auf unsere eigene Entscheidung, auch wenn sie auf andere irrational wirken mag.
Gesundheitsentscheidungen sind Entscheidungen, die manchmal auch das Leben und die (zumindest psychische) Gesundheit anderer betreffen können. Wir können uns aus dieser Verwobenheit des Miteinanders nie ganz lösen, selbst wenn wir gerade nicht mehr und nicht weniger machen, als eine selbstbestimmte und bestmöglich informierte Entscheidung zu unserer eigenen Gesundheit zu treffen. So wie es Ann-Katrin Berger tat, als sie 2022 ihren Behandlungsbeginn und auch die Info an Team und die Öffentlichkeit über die Rückkehr des Schilddrüsen-Krebses auf die Zeit nach dem EM-Turnier legte. Nur Linda Dallmann wusste seitens der Mitspielerinnen wohl davon, weil sie Berger zur Nachkontrolle während des Turniers begleitet hat. Ann-Katrin Berger war damals, anders als Bronze oder Landers, sogar „nur“ Ersatzkeeperin. Oder Finisherin, wie sie im Team England sagen. Was bei Wiegman mehr als ein „schöneres Wort für Ersatzspielerin“ ist – Grüße gehen raus an Chloe Kelly und Michelle Agyemang.
Entscheidend ist auch, welche Möglichkeiten Lucy Bronze offenstanden: Hätte sie die EM absagen können, ohne deswegen kurz- oder langfristig finanziell in Not zu geraten? Ziemlich sicher, ja.
Hätten ihre zukünftigen Berufschancen gelitten, wenn sie Anfang Juni oder kurz vor dem Turnierstart mit dem Knochenbruch oder einem anderen Grund nicht mehr im Kader gewesen wäre? Nein.
Ist sie unabhängig genug von der öffentlichen Meinung oder der ihres direkten Umfeld über sie selbst, dass sie diesen sogenannten „falschen Ehrgeiz“ ausschließen kann? Soweit Lucy Bronze als Mensch bislang kennenlernbar war: Vermutlich mehr, als die meisten anderen Spieler*innen.
Es war keine leichte und keine leichtfertige Entscheidung, so viel scheint anhand der bisherigen Bits & Bytes ablesbar. Im Übrigen haben wir Menschen übrigens auch stets das Recht auf Fehler und Irrtum sowie eine (oder auch mehrere) spätere, andere Bewertungen der (dann zurückliegenden) Situation.
Was sind die „Lessons learned“?
Die hypotetischste aller Fragen zum Schluss: Hätte England auch ohne Lucy Bronze diesen Titel verteidigen können? Vielleicht, vielleicht auch nicht… Da steckt viel hätte-hätte-Fahrradkette drin. Jedenfalls haben wir hier mit dem DFB-Team schon mehrere Turniere hinter uns, die trotz Ausfällen von Leistungsträger*innen mit dem Titelgewinn, Finaleinzug oder einer (gegebenenfalls geteilten) Bronzemedaille endeten. Die diesjährige EM miteingeschlossen. Legendär jedoch bleibt der 8. und bislang letzte EM-Titel des DFB-Teams von 2013, dem so viele gesundheitlich bedingte Ausfälle im Team vorausgingen, dass Nadine Angerer & Co. als echte Außenseiter*innen ins Turnier gegangen waren.
Ich wünsche mir das längere Gespräch über die Hintergründe mit Lucy Bronze und vielleicht auch mit Sarina Wiegman und jemandem vom medizinischen Staff in absehbarer Zukunft. Mit einer vielschichtig denkenden und arbeitenden Moderation. Eine Moderation, die nicht eine simple Held*innen-Erzählung sucht, sondern die Komplexität und Besonderheiten dieser Situation mit und rund um Lucy Bronze herausarbeitet und nachvollziehbar macht. Ich vermute, dann könnten wir alle einiges davon lernen und schauen, was davon zu unserem eigenen Leben passen würde und was nicht. Wo wir lieber Verantwortung delegieren (würden) und wo uns vielleicht auch Informationen oder Alternativen fehl(t)en, um gut selbst zu entscheiden. Wir können ganz sicher davon lernen. Ziemlich sicher wird es nicht „Durchhalten um jeden Preis!“ sein. Auch wenn das viele gerade so verstehen und diese Interpretation auf sehr ungute Weise feiern (side-eye Richtung Sportjournalismus und Fans).
Alles Gute für die Genesung, Lucy Bronze. Well done, Sarina Wiegman. Congrats, Team England.
Medientipps
- Mädchen können kein Fußball spielen • ARD history-Doku zur Entwicklung des Fußballs der Frauen in der BRD mit Einblicken in die DDR-Geschichte, vom 04.07.2025 (verfügbar bis Juli 2035), ca. 89 Min.
- Forgotten Pioneers: The Hidden History of Women’s Football in Germany (1900–1990) • englischer Longread von Sandra Kreiner, Sascha Düerkop und Franziska Blendin auf forgottenheroines.org, 24.07.2025
- Interview-Folge 1: Petra Landers • Legende Verloren — Staffel 3, 20.07.2023 mit Franziska Blendin, ca. 82 Min.

sehr schön aufgearbeitet